Erkelenz-Gerderath: Initiative: Viele wollen Beitrag zur Integration leisten

Erkelenz-Gerderath: Initiative: Viele wollen Beitrag zur Integration leisten

Anfang des Jahres gründete sich die Initiative „Wir tun was in Gerderath“. Sie kümmert sich mit Angeboten um die Integration der Flüchtlinge, die im ehemaligen Hotel zur Burg untergebracht sind. Anfangs hatten sich drei Mitglieder der Gerderather Kirchengemeinde St. Chris-topherus zusammengesetzt, weil sie helfen wollten.

Doch sie durften bald feststellen, dass sie nicht allein dastanden mit ihrer Hilfsbereitschaft. Aus den drei Ehrenamtlern wurden schnell rund 20, wie Martina Hackenholt betont. Die Vorsitzende des Pfarrgemeinderates koordiniert den Einsatz der Helfer, die sich im Haus St. Michael gegenüber der Kirche treffen.

Die Helfer betreuen die rund 35 Bewohner des ehemaligen Hotels und bemühen sich auch um die Vermittlung von Wohnungen für die Familien. „Dies geschieht natürlich in Absprache mit der Stadt und dem Roten Kreuz, das die Flüchtlinge in der Turnhalle betreut“, sagt Hackenholt. Wenn es möglich ist, begleiten die Helfer die Flüchtlinge auch bei den alltäglichen Gängen zum Arzt oder zu Behörden.

Zu den Helfern gehören auch Eike und ihre Tochter Anna Wuscher. Beiden war klar, dass sie einen Beitrag leisten wollen zu dem, was man „Willkommenskultur” nennt. Sie laden zweimal pro Woche zum Deutschunterricht ein. Beide haben keine entsprechende Ausbildung, wollten aber ihren Beitrag leisten. „Denn Integration funktioniert über Sprache“, weiß Eike Wuscher. Dabei geht es in den Kursen um alltägliche Kleinigkeiten wie die passende Anrede und das Ausfüllen von Formularen.

„Wir fangen ganz von vorne an, denn die Leute haben unterschiedliche Voraussetzungen“, erklärt sie. Während einige der Teilnehmer zumindest ein paar Brocken Englisch beherrschen, sind andere in ihrer eigenen Muttersprache Analphabeten. Und so beginnen die ehrenamtlichen Deutschlehrer mit den grundsätzlichen Dingen: Wie heißen die einzelnen Familienangehörigen? Wie beginnt man ein Gespräch im Laden? Wie fragt man nach der Uhrzeit?

Mohammad Nawaser und seine Schwester Nadia sind Christen und stammen aus dem Iran. Sie sind seit fünf Monaten in Deutschland und wollen die Sprache lernen, damit sie arbeiten gehen können. Die Aussicht, einmal eine Arbeitsstelle zu finden und sich eine Wohnung leisten zu können, beflügelt die Teilnehmer. Und so üben sie das Ausfüllen von Formularen und lernen, was „PLZ“ bedeutet und wie man den eigenen Namen in lateinischen Buchstaben schreibt.

Dass da zwei blonde Frauen ihnen die ersten Gehversuche in deutscher Sprache ermöglichen, stört die zumeist männlichen Kursteilnehmer nicht. Sie sind anscheinend gerne dabei, es wird gelacht und wenn sie nicht mehr weiterwissen, helfen sie sich auch gegenseitig.

Die Teilnahme ist freiwillig, denn die Kurse gehören nicht zu den verpflichtenden Deutschkursen, die auf die Antragsteller zukommen. Viele hoffen, in Gerderath bleiben zu können. Die Ehrenamtler helfen auch bei der Wohnungssuche.

(hewi)
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