Ingrid Kühne mit dem Bühnen-Programm „Okay – Mein Fehler!“ in der Aula

Ingrid Kühne : Witzige Botschaften und ein Leben auf dem falschen Planeten

Das Lachen des Publikums erfüllte die Aula des Gymnasiums in Hückelhoven gleich vom ersten Augenblick des Auftretens der Alleinunterhalterin an. Gelungen war dieses kleine Kunststück der Kabarettistin Ingrid Kühne mit ihrem zweiten Bühnen-Programm „Okay – Mein Fehler!“.

„Ich habe mich gefragt, was die Menschen so interessiert“, beschreibt sie den Anfang der Planung zu ihrem Programm. Und schnell wird klar, dass es die kleinen Alltagsgeschichten aus dem Leben einer Durchschnittsfamilie sind. Und so sind die kurzen Blitzlichter zu Szenen aus dem Leben ihrer eigenen Familie der rote Faden ihres Programms. Es sind die vielen Augenblicke und Anekdoten, in denen sich das Publikum wiedererkennt. Und so kommen zum Lachen über die kleinen und großen Schwächen das zustimmende Nicken und das Anblicken des Partners bei den Zuhörern, wenn ein Gag den anderen jagt.

Die Protagonisten und Humorträger ihrer witzigen Botschaften sind für Ingrid Kühne ihr Mann Ralf und ihr Sohn Sven. Am Verhalten der beiden Familienmitglieder arbeitet sie ihre Themen ab: von den Erziehungsabenteuern mit ihrem Sohn, dem Verhalten der Partner im langjährigen Eheleben über die Geschlechterrollen bis zu den Freundinnen als psychologische Ratgeber und Problemlöser.

Die Sicht auf die Welt ist oft eine andere bei Frauen und Männern. Und dazu gehört auch die Nutzung der modernen Zeiträuber, dem ständigen Gebrauch der Apps auf den Smartphones. Und was alles schiefgehen kann und wer der Schuldige oder Dumme ist, dafür hat sie oft mit einem Schuss Selbstironie die kurzen, aber zutreffenden Antworten. Bestenfalls verschafft sie sich in dem Familiendrama mit dem Motto „Okay – Mein Fehler“ die notwendige Ruhe.

Mit knackiger Sprache nimmt sie ihr Publikum mit und zieht es auf ihre Seite: „Kennen Sie das auch?“, führt sie dann ihren Dialog direkt mit Zuschauern. Köstlich sind die geschilderten Szenen zur Nutzung der Wetter-App: „Mein Ralf hat davon vier! Guckt, wie das Wetter in sieben Minuten sein wird! Ich sage zu ihm – zieh die Rollos hoch, siehst du es sofort!“ Und auch mit der Müll-App kann Furore gemacht werden. „Kriegst vorher mitgeteilt, welche Tonne rausgestellt werden muss, sagt er zu mir“, erzählt Kühne die nächste Anekdote.

Alle aus der Nachbarschaft würden deshalb immer schauen, welche ihr Mann rausstelle. Sie habe ein Späßchen auf Kosten der Nachbarn lieber – stelle eine Tonne raus und warte, bis alle in der Straße ihre auch rausgestellt haben. Dann hole sie ihre wieder rein.

„Ein bisschen Spaß muss man ja haben“, genießt sie die Schadenfreude. Die kann auch wieder zurückschlagen: Nachrichten-Apps auf dem Smartphone ihres Mannes machen sie immer neugierig. Sie zu lesen, sei ein Drang, dem sie nicht widerstehen könne. „Was steht denn drin?“, frage er. „Dass die Mülltonne rausgestellt werden müsse“, gibt sie zur Antwort. „Wer es liest, schiebt sie an die Straße“, sei dann die Antwort ihres Mannes.

Dass sie auch Ratgeber wie die Apothekenumschau auf die Schippe nimmt, demonstriert sie mit Bezug auf ihre kräftige Figur. „Sitzen ist das neue Rauchen“, laute ein neues Thema. Kühnes Kommentar: „Ich sitze unheimlich gerne – und lange, eigentlich immer. Ich esse auch gerne fettiges Essen – vorzugsweise im Sitzen.“

Der Lacher ist ihr dafür sicher. Ihre Mutter lache auch gerne – manchmal nicht nachvollziehbar. Auf ihre Frage, warum sie lache, habe ihre Mutter geantwortet: „ In der Zeitung steht, dass auf dem Mars 100 kg nur 37 kg sind!“ Was guckst du mich an, habe sie gekränkt geantwortet. Und die Spitze sei auf dem Fuß gefolgt: „Du bist nicht zu dick. Du lebst nur auf dem falschen Planeten.“

Lachen ist gesund, sagt der Volksmund. An diesem Abend gab es dafür dank Ingrid Kühne laufend Anlass dazu – auch im Sitzen.

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