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Ingolf Lück mit seinem Programm "Sehr erfreut" in Wassenberg

Comedy-Show : 60 Jahre und immer noch Lautsprecher, Schnellsprecher, Provokateur

Mit Ingolf Lück füllte kein Unbekannter am Wochenende das Betty-Reis-Forum in Wassenberg mit seinem neuen Comedy-Programm „Sehr erfreut“. Dass er in diesem Genre seine künstlerische Heimat hat, bewies er nicht nur in der erfolgreichen TV-Sendung „Die Wochenshow“. Die Erwartungen beim Publikum waren also hoch.

„Guten Abend“, schallte es dem Publikum entgegen. Und das pünktlich auf die Sekunde. Und dies laut und schnell und manchmal verwischt, ein Markenzeichen seiner Sprache. Die karge Bühnenausstattung war Ingolf Lück als nächste Mitteilung eine Bemerkung wert: „Wow, ein Stuhltisch“, lautete die verballhornte Erläuterung, um gleich im nächsten Atemzug zum nächsten Gedankenzug zu wechseln. „Wie Sie sehen können, nur sechs Monate nach meinem Let´s-Dance-Auftritt kann ich wieder laufen.“ Ein Hinweis auf seine Tätigkeiten und Präsenz in den Formaten des Privatfernsehens. Und die Fans im Publikum dankten ihm mit verstehendem Lachen. „Ich bin gerade 60 geworden“, erfuhr das Publikum in der Lück’sche Form der persönlichen Vorstellung, begleitet von Dehn- und Streckübungen auf der Bühne.

Die Koketterie mit dem Alter war nicht die einzige an diesem Abend. Den Blick auf seine Person und Persönlichkeit zu lenken, zog sich wie ein roter Faden durch das ganze Programm. Das veranschaulichte Ingolf Lück, in dem er das Programmmanuskript in Form eines dicken Packens loser Blätter auf den Tisch legte und immer wieder im Verlauf des Abends daraus vorlas. Angesichts der vielen, oft als Gag oder als Rückblick auf Stationen seines Lebens verpackten Themen verständlich. Und die reichten von Begebenheiten aus seiner Schulzeit bis zu gesellschaftskritischen Informationen. Vom Tintenpatronenaussaugen im ersten Schuljahr bis zu den unmenschlichen Produktionsbedingungen in Bangladesch reihten sich die schnell folgenden Themenwechsel aneinander.

Manchmal waren die Hinführungen zum neuen Thema langatmig und drohten langweilig zu werden. Dann folgten ein wenig Bashing und Provokation. „Ich will nicht in Brandenburg leben, da gibt es nur Wiesen und Nazis.“ Und auch im schönen „Wasserburg“ fiele es ihm schwer zu leben. Dass die Korrektur aus dem Publikum mit „Wassenberg“ erfolgte, war so sicher wie das Amen in der Kirche.

Sich im Manuskript Notizen zu machen über die Reaktionen aus dem Publikum, das diente ihm als Stilmittel, um in den direkten Dialog mit dem Publikum zu treten. Mit dem Publikum zu interagieren, war geplant und gewollt. „ Wenn einem ein Gedanke komme, dann soll er ihn aussprechen.“ Ob das Publikum auch Fasten würde, lautete eine seiner Fragen. Die Antwort mit dem Inhalt, seit Tagen nichts zu essen und Abführmittel zu nehmen, enthielt wohl mehr Informationen als gewünscht. Als Profi wusste Lück geschickt zu reagieren und kanalisierte das Thema zum vorgesehenen Programmpunkt „Mit unserem Darm in Einklang zu leben“. Eine Kritik an der übertriebenen Konzentration auf ökologische und esoterisch angehauchte Gesundheitsorientierung.

Übertreibungen, Zuspitzungen und manchmal auch Grenzüberschreitungen, auf der Klaviatur der Mittel des Kabaretts und der Comedy-Vorträge wusste Lück zu spielen bei seiner Reise durch die menschlichen Selbst- und Fremdtäuschungen. So wurde der Egoismus als Verhalten des Zeitgeschehens ebenso Thema wie die psychische Ausnahmesituationen der Verlorenen und Vereinsamten im Stadtleben oder die Erziehungstraumata der eigenen Sozialisation. Einkalkuliert bei seinen Erzählungen, Mahnungen und Ratschlägen waren die Irritation und das Zwiegespaltensein. Gelegenheit zu ambivalenten Gefühlen gab es an diesem Abend mit Ingolf Lück zuhauf. Aber Humor ist, wenn man trotzdem lacht.