1. Lokales
  2. Heinsberg

Impulsvortrag in der Kreissparkasse Heinsberg zum Thema nachhaltige Mobilität

Zukunftsszenarien : Ideen für mehr Mobilität auf dem Heinsberger Land

Kleine Busse, die ohne Fahrer ganz autonom zwischen Erkelenz und Heinsberg pendeln: Die sind gar keine allzu weit entfernten Zukunftsszenarien mehr, wie Referenten in einer Podiumsdiskussion ihren Zuhörern aus Politik und Wirtschaft in der Kreissparkasse Heinsberg vermittelten.

Eingeladen dazu hatten die WFG, die WestVerkehr GmbH aus Geilenkirchen, die regio iT Gesellschaft für Informationstechnologie mbh aus Aachen und die Werkbank der Kreissparkasse Heinsberg.

Nach der Begrüßung durch Armin Pennartz, Direktor Firmenkunden der Kreissparkasse, verdeutlichte Udo Winkens, Geschäftsführer von WestVerkehr, den Gästen zunächst mit einem kleinen Film über einen autonom fahrenden Kleinbus die Möglichkeiten des ÖPNV der Zukunft, die er auch für den Kreis Heinsberg sieht. Dieser werde attraktiver und preiswerter. „Sie alle werden den öffentlichen Nahverkehr nutzen!“, prophezeite er. Vor allem den Berufspendlern, davon allein 50.000 Auspendler und 80.000 Pendlern innerhalb des Kreises müsse man eine Alternative bieten, betonte er. 

Schon kurzfristig werde zwecks Verbesserung des Bahn- und Busnetzes neben Geilenkirchen und Erkelenz zum Jahresende auch in Hückelhoven ein zusätzlicher Kleinbus eingesetzt. Zudem habe man für die Bahnhöfe in Erkelenz, Geilenkirchen und Heinsberg den Bau sogenannte Mobilitätsstationen beantragt, an denen nicht nur Bahnfahrer Räder, E-Bikes oder Car-Sharing-Angebote nutzen könnten. Eine erste Baugenehmigung für Erkelenz liege bereits vor.

Wartehallen sollten seniorengerechter gestaltet werden und der Nutzer über ein rechnergesteuertes Betriebsleitsystem immer zeitnah informiert werden. Auch die Unternehmen könnten an dieser Verkehrswende aktiv mitwirken, zum Beispiel mit einem Jobticket für ihre Mitarbeiter, was den Vorteil hätte, dass die Stellplätze an Unternehmen reduziert werden könnten.

Joerg Roehlen, bei regio iT für das Projekt „Mobility Broker“, stellte den Gästen nicht nur die App der Zukunft vor, in der ein Nutzer des ÖPNV alles findet, was er braucht, sondern informierte auch über Möglichkeiten der Vernetzung von ÖPNV mit Unternehmen oder öffentlichen Einrichtungen im Bereich der Mobilität. Unternehmen könnten ihre Fuhrparks aber auch direkt miteinander vernetzen, nannte er als regionales Beispiel den Oberbrucher Bizzpark. Grundlage dafür sei eine Digitalisierung der eigenen Flotte. Fahrzeuge und auch die Ladeinfrastruktur könnten so etwa von mehreren Unternehmen gemeinsam genutzt, zudem abends und an Wochenenden für Öffentlichkeit freigegeben werden. Sogar der Mitarbeiter, der sein Fahrzeug primär privat nutze, könne dieses während seiner Arbeitszeit im Betrieb für eine weitere Nutzung freigeben.

Im Rahmen der anschließenden Podiumsdiskussion berichtete Sophia Gross-Fengels, Doktorandin im Rahmen des NRW Forschungskollegs Access an der RWTH Aachen, über ihre Dissertation zum Thema „Smart Mobility im ländlichen Raum: Analyse der Entwicklungsmöglichkeiten und Impulswirkungen – am Beispiel des Kreises Heinsberg“. Dazu habe es zwei Befragungen, davon eine online gegeben, berichtete sie. Auch wenn diese nicht repräsentativ seien, ließen sich daraus doch Entwicklungen ableiten, erklärte sie.

So würden Sharing-Angebote von allen Altersklassen gewünscht. „Die Leute sind bereit zu teilen“, betonte sie, auch wenn die Verkehrsteilnehmer im Kreis Heinsberg derzeit noch die „unreflektierten Autofans“ seien. So sei immerhin für 25 Prozent der Befragten der ÖPNV derzeit noch keine Alternative. „Hier gilt es zunächst einmal, das Zweit- oder Drittauto abzugeben. Die radikale Variante funktioniert nicht“, betonte sie. Ein kleiner Teil, nämlich acht Prozent der Befragten, seien jedoch völlig flexibel, was neue Angebote angehe. Vor allem sei auch der Vorbildcharakter von Pionieren in diesem Bereich nicht zu unterschätzen.