Immer noch offene Stellen für Azubis im Kreis Heinsberg

Eindeutiger Trend : Immer noch offene Stellen für Azubis im Kreis Heinsberg

Der Trend ist eindeutig: es gibt immer mehr Betriebe im Kreis Heinsberg, aber immer weniger Ausbildungsbetriebe. „Die Anzahl der Unternehmen im Kreis, die mindestens eine Person beschäftigen, hat zugelegt“, sagt Klaus Jeske, Pressesprecher der Arbeitsagentur Aachen-Düren.

Ende des Jahres 2013 seien 5832 Unternehmen im Kreis registriert worden. Im Jahr 2018 waren es 6084. Im selben Zeitraum sank jedoch die Anzahl der ausbildenden Betriebe von 1498 auf 1442. Dennoch gibt es offene Stellen für Azubis.

„Trotz der hohen Fachkräftebedarfe der Firmen ist die Anzahl der Betriebe, die ausbilden, nicht gestiegen.“ Offenbar setzen die Unternehmen eher darauf, schon fertig ausgebildete Mitarbeiter auf dem Markt zu gewinnen, als sie selber heranzubilden. Weitere Zahlen dürften dies untermauern. Während zwischen 2013 und 2018 die Zahl der Sozialversicherungspflichtigen (ohne Azubis) um 10.833, also 18,8 Prozent in die Höhe geschnellt sei, kletterte die der Auszubildenden im Vergleichszeitraum nur von 4637 auf 4820, also um 3,9 Prozent.

Der Bedarf an Azubis ist in den Branchen offenbar sehr unterschiedlich, doch auch die Attraktivität der Berufe aus Sicht der jungen Leute unterscheidet sich beträchtlich. Aktuell gebe es bei Baufirmen im Kreis Heinsberg noch 39 freie Ausbildungsplätze, teilt die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) in diesen Tagen mit. In ganz Nordrhein-Westfalen seien sogar noch rund 1700 Ausbildungsstellen in der Branche zu vergeben. „So eine Aussage zu tätigen ist schwer“, sagt Johannes Willms, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft. „Wir wissen ja nicht immer, wer überhaupt Lehrlinge sucht.“

Nicht alle suchenden Unternehmen würden schließlich registriert. Von Stuckateuren und Fliesenlegern wisse er allerdings, dass diese immer gesucht würden. Gleiches gelte übrigens auch außerhalb des Baugewerbes zum Beispiel im Bäcker- oder Fleischerhandwerk. „Kleinere Bäckereien schließen oft, weil sie keinen Nachfolger finden.“ Dabei bestätige sich durchaus: „Wer als Bäcker und Fleischer gute Qualifikationen besitzt, kann immer noch gegen den Trend, gegen die Großen bestehen“, glaubt Willms. Dennoch würden eigentlich im gesamten Lebensmittelbereich noch händeringend Auszubildende gesucht.

Erfreulich sei, so Willms, dass sich der Kreis Heinsberg in bestimmten Bereichen positiv gegen den Bundestrend entwickele. „Bei den Kfz-Lehrlingen hatten wir in der Regel 48 bis 50 Ausbildungsverträge pro Jahr, aber letztes Jahr waren es schon 67 und in diesem Jahr bislang schon 65.“ Klimadiskussion und Dieselkrise haben auf die Popularität des Berufes offenbar keine negativen Auswirkungen. „Es ist nach wie vor ein Modeberuf vor allen für die Männer.“

Bäckereien fällt es häufig schwer, Nachwuchs zu gewinnen. Foto: dpa/Martin Schutt

Gute Zukunftsaussichten

Auch im Elektrohandwerk steige die Zahl der Azubis an, von etwa 40 in den Vorjahren auf über 50 im letzten Jahr. Die Zukunftsaussichten seien hier gut. Gleiches gilt laut Willms auch für den Bereich Sanitär, Heizung und Klimatechnik. „Da haben wir in diesem Jahr einen starken Zuwachs. Im Moment sind es schon 53 Ausbildungsverträge, die geschlossen wurden. Das waren sonst so 40 bis 45 im Jahr.“

Dass die IG Bau natürlich die Werbetrommel für ihre Branche rührt, ist verständlich. „Eine Ausbildung zum Maurer, Zimmerer oder Straßenbauer ist nicht nur gut bezahlt, sondern bietet auch solide Job-Perspektiven. Gebaut wird immer“, sagt Michael Napetschnig, der Bezirksvorsitzende der IG Bau Aachen.

Auch im Bauhandwerk gibt es noch offene Stellen für Azubis. Foto: dpa/Lino Mirgeler

KURS, eine Initiative der IHKs Aachen, Köln und Bonn/Rhein-Sieg sowie der Handwerkskammer Köln und der Kölner Bezirksregierung mit dem Ziel, Wirtschaft und Arbeitswelt ins Klassenzimmer zu bringen und die Schüler besser auf das Berufsleben vorzubereiten, kann wirksam dabei helfen, dass Schulabgänger und Ausbilungsplätze am Ende auch zueinander finden. Patrick Lahann und Malte Windeln, die seit gut einem dreiviertel Jahr in der Ausbildung zum Beton- und Stahlbetonbauer bei der Heinsberger Bauunternehmung Florack stehen, sind diesen Weg gegangen. Die beiden 18- und 16-jährigen jungen Männer besuchten vor ihrem Berufsstart die Heinsberger Realschule im Klevchen.

„Ich habe ein Praktikum gemacht und das hat mir gut gefallen“, sagt Patrick. Auch Malte schätzt die praktische Seite seiner Arbeit: „Hier muss man was mit den Händen machen, das war in der Schule nicht so.“ Die ehemaligen Schüler sind sich rückblickend einig, dass die Schule eine wichtige Rolle bei der Vorbereitung auf den Beruf gehabt hat.

Eine wichtige Rolle spielt übrigens auch das Beherrschen der deutschen Sprache, erklärt Willms. Besonders im Hinblick auf die Chancen von Migranten am Ausbildungsmarkt zeige sich dies. „Wir haben hier oft gute Leute in der Praxis, die aber in der Theorie überfordert sind, weil sie die Sprache nicht sprechen“, sagt der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft.

Wer noch einen Ausbildungsplatz sucht, sollte die Flinte nicht so schnell ins Korn werfen. Laut Arbeitsagentur stehen derzeit im Kreis Heinsberg für die 367 unversorgten Bewerber immerhin noch 318 registrierte Ausbildungsplätze zur Verfügung. Eine Kontaktaufnahme zur Arbeitsagentur könnte sich lohnen.

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