Heinsberg: Immer mehr Kinder nehmen das kostenlose Mittagessen in Anspruch

Heinsberg: Immer mehr Kinder nehmen das kostenlose Mittagessen in Anspruch

Dienstagmittag, Punkt 13.08 Uhr: Wenn die Tür des Jugendcafés Loony-Day an der Hochstraße zu dieser ungewöhnlichen Öffnungszeit aufgeht, strömen schon die ersten Jugendlichen herein. Auch heute werden es in den nächsten beiden Stunden sicherlich wieder um die 40 sein - mehr als doppelt so viele wie noch vor einem Jahr, als der Mittagstisch hier Einzug hielt.

Der erste Blick der jungen Gäste geht immer über den Tresen, wo es schon nach Mittagessen duftet. Ein Geflügelschnitzel gibt es heute, dazu Bratkartoffeln und Möhrensalat. Als Nachtisch können die hungrigen Mäuler wählen zwischen Milchreis mit Schokolade mit Zimt und Zucker oder mit Brombeeren.

Verantwortlich für den Mittagstisch in den Räumen des Loony-Day ist die Ortsgruppe Heinsberg des Sozialdienstes Katholischer Frauen und Männer (SKF/M), der den sogenannten Kindermittagstisch im Oktober 2008 ins Leben gerufen hat, seinerzeit noch in den Räumen des katholischen Jugendheims namens Brücke an der Westpromenade.

Eine gute Lage

Etwa 15 Kinder pro Öffnungstag waren es dort, bis das Jugendheim aufgegeben wurde und der SKF/M vor gut einem Jahr mit seinem Mittagstisch ausziehen musste, jedoch im Loony-Day schnell eine neue Bleibe fand. Die gute Lage der von den beiden christlichen Kirchen getragenen und von der Stadt unterstützten Einrichtung, gleich am Bahnhof und am Busbahnhof, sei sicherlich ebenso wie die zunehmende Zahl junger Flüchtlinge ein Grund für die enorme Steigerung der Gästezahl, glaubt Marianne Wolters, Vorsitzende des SKF/M. „Das ist hier ein guter Knotenpunkt“, sagt sie. Heute ist sie auch ins Loony-Day gekommen, um mit Propst Markus Bruns und Pfarrer Sebastian Walde sowie weiteren Vorstandsmitgliedern nach einem Jahr in der neuen Umgebung Resümee zu ziehen.

Zwei Mal pro Woche um die 40, in Spitzenzeiten sogar bis zu 60 Mittagessen anzubieten, fordert den kleinen Verein, der selbst gerade einmal 15 Mitglieder hat, derzeit sehr. Um die 5000 Euro seien vorher in der Brücke pro Jahr nötig gewesen, um das Angebot aufrechtzuerhalten, „notwendige Anschaffungen mitgerechnet“, erklärt Marianne Wolters. Inzwischen benötige der Verein rund 10.000 Euro pro Jahr, um dem neuen Ansturm gerecht zu werden. „Durch Betteln“, antwortet sie ganz offen auf die Frage, wie sie das Geld mit ihrem kleinen Verein immer wieder zusammenbringt.

„Und wir wirtschaften sehr sparsam“, fügt sie gleich hinzu, lobt dabei Anita Ohligschläger, die sich um den Einkauf fürs Essen kümmert. Weitere sechs Frauen teilen sich den Dienst, das im Loony-Day aufgewärmte Mittagessen an die hungrigen Mäuler zu verteilen. „Dabei lernen die jungen Leute hier auch schätzen, das Lebensmittel ihren Wert haben“, betont Marianne Wolters. „Jeder bekommt so viel, wie er auch essen kann und dazu ein Getränk. Hier wird nichts weggeworfen.“ Freundlich seien die jungen Leute immer. Und sie seien auch dankbar für die Mahlzeit, die sie hier bekommen, pflichtet ihr Gertrud Thomassen bei, die beim Kindermittagstisch schon seit fünf Jahren ehrenamtlich aktiv ist. „Die jungen Leute sind gar nicht so schlecht wie ihr Ruf!“, betont sie.

Das gilt auch für Ghaith, der jeden Tag ins Loony-Day kommt. „Das ist hier wie Familie für mich“, sagt der 17-Jährige, der aus Syrien geflohen ist und jetzt mit seinem 35 Jahre alten Bruder zusammen in Karken lebt. Dankbar nimmt er von Gertrud Thomassen den Teller mit seinem Essen entgegen und setzt sich zu seinen Freunden, die mit ihm zusammen das Berufskolleg in Geilenkirchen besuchen, an den Mittagstisch.

Ein paar andere Jungs sind derweil noch damit beschäftigt, gerade gespendete Getränke ins Loony-Day hineinzutragen. Nicht nur über Geld-, sondern auch über Sachspenden wie diese freuen sich Marianne Wolters und ihre Vereinskollegen sehr. Immer wieder hilft da auch die Heinsberger Tafel, indem sie auch den Kindermittagstisch mit Lebensmitteln versorgt.

Parallel beschäftigt der SKF/M zwei Honorarkräfte, die sich jeweils dienstags und freitags für jeweils drei Stunden im Loony-Day aufhalten, mit den jungen Menschen ins Gespräch kommen und ihnen beratend zur Seite stehen, wenn‘s nötig ist. So hat es Michaela Thomassen zum Beispiel schon geschafft, einem Freigänger der JVA nach seiner Entlassung eine Arbeitsstelle zu vermitteln. Ein anderer junger Mann wurde noch am Berufskolleg aufgenommen, obwohl er wegen noch bestehender Sprachprobleme den Aufnahmetermin verpasst hatte.

Der SKF/M möchte diese auch von den Trägern des Loony-Day geschätzte Arbeit gerne fortsetzen und freut sich über Spenden. Sein Konto hat der Verein bei der Kreissparkasse, Konto DE22 3125 1220 0002 0069 14. Sachspenden können während der Mittagstisch-Zeiten, dienstags und freitags von kurz nach 13 bis 15 Uhr, im Loony-Day abgegeben werden.

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