Hückelhoven: Im Rathaus ein ganzer Saal voller Narren

Hückelhoven: Im Rathaus ein ganzer Saal voller Narren

Beim Traditionellen Prinzenempfang platzt der Plenarsaal in Hückelhoven fast aus allen Nähten. Am Freitagmittag hatte die geballte Hückelhovener Narrenschar das Rathaus für einige Stunden in Beschlag genommen.

„Prinzenempfang” stand auf der sich seit vielen Jahren fortschreibenden Agenda für den Tag nach Altweiber und dem vor Karnevalssamstag. „Die Politik tritt heute zurück, die Karnevalsgesellschaften haben das Sagen”, resignierte Hückelhovens Bürgermeister Bernd Jansen.

Er gab sich bei der Gelegenheit als Mensch zu erkennen, bei dem trotz seines Amtes noch immer eine gewisse Realitätsbezogenheit das Handeln prägt. Allerdings, auch das muss man sagen, hatte Jansen sich - ganz Vollblutpolitiker - dem närrischen Umfeld rein äußerlich fast chamäleonartig angepasst.

Wenn der mit leichter Eleganz um den Hals geschwungene, blau, rot, gelb, rosa und mit einem Hauch von grün quer gestreifte Binder schon eine gewisse Lässigkeit signalisierte - die Unzahl kleiner närrischer Orden am Revers und darüber hinaus ließ die ohnehin schon mächtige Erscheinung gravitätisch wirken. „Ich werde nicht beerdigt, ich werde verschrottet”, ließ der Bürgermeister jeden, der ihn auf das paramilitärische Ornat ansprach, wissen. Das war, wohlverstanden, närrisch gemeint.

Zwischen den Heerscharen schwarz-gelb (Hückelhovener KG), schwarz (Rurblümchen aus Rurich), grün-weiß (Ratheimer KG All onger eene Hoot), rot-weiß (Tipp Doveren), weiß-blau (Trötemänn aus Hilfarth), rot-weiß (Brökeler Kappehäuer) rot (KG Roathemer Wenk), blau-weiß (Frohsinn 76 Schaufenberg) und blau-weiß (Eierköpp aus Baal) gewandeter und meist weiß behandschuhter Prinzen, Prinzessinnen und dem niederem Narrenvolk erblühte rasch ein munteres Geplauder, das naturgemäß den Bogen vom gerade vergangenen Altweibertag auf die zu erwartenden tollen Tage spannte: „Du siehst abgekämpft aus.” „Ich hab auch zehn Stunden gearbeitet.” „Haste Dienst am Glas gehabt?”. Oder eine Umdrehung weiter: „Wo haste deine Frau gelassen?” „Die ist Zuhause.” „Richtig: Einer muss ja was tun”. Dialoge, die jeder Debatte an gleicher Stelle zu einer anderen Zeit inhaltlich um nichts nachstehen

Als der Bürgermeister in seiner enorm kurzen Ansprache von „Wunden lecken”, „Auftanken”, „Auf die Zielgerade biegen” oder „Lassen wir´s krachen” sprach, spulte er sehr routiniert sein in vielen Politsitzungen erprobtes Vokabular ab.

Die den umfunktionierten Ratssaal schweißtreibend füllenden Narren nahmen den Bürgermeister beim Wort: Es wurde getanzt und gesungen, was die Bühne zuließ. Sogar der Dudelsack musste als musikalisches Begleitinstrument herhalten: Die Gäste aus den Highlands Britanniens waren im Gefolge der Tipp-Narren aus Doveren angereist. Getrunken wurde übrigens auch: Die rot beschürzten Jungs der Wenk aus Ratheim füllten die Gläser, was der Zapfhahn hergab.

Kurzum: Es war eine Stimmung zum sich Wohlfühlen im Hückelhovener Ratssaal. Schade eigentlich, dass am Aschermittwoch alles vorbei ist. Vielleicht sollte man das ganze Jahr? Um Himmels Willen, nein!