IHK zeichnet 30 fertig Ausgebildete im Kreis Heinsberg aus

Alles nach Plan verlaufen : IHK zeichnet 30 fertig Ausgebildete aus

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) hat 30 fertig Ausgebildete im Kreis Heinsberg für ihre hervorragende Leistung ausgezeichnet. Bundesweit läuft es einer neuen Studie zufolge selten so gut wie in Heinsberg.

Arbeitgeber und potenzielle Azubis finden schwieriger zusammen. Das ist das Ergebnis einer neuen  Bertelsmann-Studie. Laut der blieben im vergangenen Jahr bundesweit rund 58.000 Stellen unbesetzt, dagegen standen 79.000 Jugendliche, die keine Lehrstelle bekommen haben. Im Kreis aber lief es für 30 fertig Ausgebildete ausgezeichnet. Sie wurden mit „Sehr gut“ ausgezeichnet

Drei Gründe haben die Wissenschaftler, die hinter der Studie stehen, ausgemacht. Zum einen Passungsprobleme, weil Betriebe die Bewerber für nicht geeignet halten oder umgekehrt die Bewerber den Betrieb für nicht passend halten. Zum zweiten fehlende Mobilität, also Bewerber, die nicht zur Ausbildungsstelle hinziehen möchten. Und als dritten Grund schlicht keine jungen Menschen, die einen bestimmten Beruf erlernen wollen – besonders betroffen sind da das Lebensmittelhandwerk und im Hotel- und Gastronomiegewerbe. Aber auch der Einzelhandel sucht nach Nachwuchs.

Sebastian Graus arbeitet im Einzelhandel. Er räumt aber keine Regale ein oder sitzt hinter der Kasse. Er arbeitet direkt mit den Kunden, mit privaten und geschäftlichen, und er braucht dabei mitunter ein dickes Fell, sagt er. Graus ist Verkäufer im Bereich Mobilfunk in Erkelenz, 23 Jahre alt, gerade fertig mit seiner Ausbildung. Während er über seinen Job erzählt und darüber, wie er schon als Junge wusste, dass er später mal „irgendwas im Verkauf“ machen möchte, wartet er mit 30 anderen frisch Ausgebildeten auf seine Auszeichnung. Er gehört nämlich zu denen im Kreis Heinsberg, die ein „Sehr gut“ auf dem Abschlusszeugnis haben und von der Industrie- und Handelskammer (IHK) dafür ausgezeichnet werden.

„Ich rede gern mit Leuten, und ich erkläre gern“, sagt Graus.  Zwei Jahre lang hat er seine Ausbildung zum Verkäufer gemacht, danach ein Jahr lang die zum Kaufmann. Zwei Ausbildungen, zwei Abschlussprüfungen: Spaß gemacht, sagt er, habe ihm beides. „Der Kaufmann war aber anspruchsvoller, viel Mathe und viel Theorie.“ Das dicke Fall, sagt er, brauche er, weil gerade in diesem Bereich private Kunden oft sehr genaue Vorstellungen davon hätten, was sie wollen – und gern auch mal energischer diskutierten. „Das darf man nicht persönlich nehmen.“ Speziell in seinem Bereich finde man zwar Azubis, „aber nicht im Überfluss“. Es sei schwierig.

In dem Betrieb in Geilenkirchen, in dem Phillip Wilden, 22 Jahre, arbeitet, ist sein Azubi-Nachfolger schon gefunden. Seine Berufsbezeichnung klingt einigermaßen abstrakt: technischer Produktdesigner, Fachrichtung Maschinen- und Anlagenkonstruktion. Vereinfacht gesagt, erklärt er, sei er ein technischer Zeichner.  Und zwar im Sonder-Hydraulik-Bau. Die Firma entwickelt, konstruiert und fertigt hydraulische Einrichtungen und Systeme zum Bewegen und Befestigen im Schwermaschinenbau. Spezialisiert haben sie sich auf ein Verfahren, Verschrauben anzuziehen ohne sie zu drehen.. Zum Einsatz kommen sie zum Beispiel bei Windrädern. „Das Material kann so besser ausgenutzt werden, und es ist sicherer“, sagt Wilden. Diese Werkzeuge und das Verfahren, das dahinter steht, modelliert er mit seinen Kollegen in 3D-Modellen am Rechner. „Es macht Spaß, zu bestimmen, wie die Teile dann letztendlich aussehen.“

Das erfordert ein nicht kleines Maß an räumlichem Vorstellungsvermögen. Und an technischem Interesse. Dass Wilden beides hat, das habe er schon als Kind geahnt, und nach dem ein oder anderen Praktikum und Nebenjob in seinem heutigen Arbeitsbereich sei dann klar gewesen, wo es beruflich für ihn hingeht. Etwas weniger als drei Jahre war Wilden in Ausbildung, seit ungefähr einem Jahr macht er in der Abendschule noch seinen Maschinenbau-Techniker, eine Art Weiterbildung. An diesem Tag nimmt er aber erst mal, wie kurz vor ihm, Sebastian Graus seine Auszeichnung für eine hervorragende Abschlussnote entgegen.

In Aachen, im Kreis Düren und im Kreis Heinsberg haben insgesamt 3190 junge Menschen ihre Ausbildung in einem kaufmännischen oder gewerblich-technischen Beruf abgeschlossen, davon 223 mit „Sehr gut“ und davon wiederum 30 im Kreis Heinsberg. Andreas Bauer, IHK-Vizepräsident, war ins Erkelenzer Berufskolleg gekommen, um den Ausgezeichneten ihre Urkunde und ihre kleine Trophäe zu überreichen: einen Quader aus Glas mit einem symbolischen Siegerkranz innen drin. „In einer Zeit, in der Fachkräfte dringend gesucht werden, stehen Ihnen alle Möglichkeiten offen“, sagte er.

Nachdem jeder der 30 Absolventen einmal auf der kleinen Bühne im Berufskolleg war, wird Sebastian Graus zum zweiten Mal aufgerufen. Er ist nämlich auch noch Ausbildungsbotschafter. Oder besser, er war Ausbildungsbotschafter – mit dem Ende der eigenen Ausbildung endet auch die Botschaftertätigkeit. Die besteht in der Hauptsache darin, in die Schule zu möglichen Nachwuchs-Azubis zu gehen und vom eigenen Job zu erzählen, eben als jemand, der gerade selbst in der entsprechenden Ausbildung steckt und nah dran ist.

Für Sebastian Graus, Phillip Wilden und wahrscheinlich auch für viele der anderen Ausgezeichneten ist alles nach Plan verlaufen. Bei einigen Tausenden anderen Jugendlichen bundesweit sieht das anders aus. Sie haben ihre passende Ausbildungsstelle entweder noch nicht gefunden, womöglich aus einem der drei eingangs erwähnten Gründen. Übrigens: In Nordrhein-Westfalen, das stellt die Studie heraus, ist der am häufigsten vorherrschende Grund, dass Azubis und Betriebe nicht zusammenfinden, die Unzufriedenheit des Unternehmens mit den Bewerbern oder umgedreht die Unzufriedenheit mit der Stelle. Erst danach kommen die fehlenden Bewerber und danach die fehlende Mobilität.