Hückelhoven: Ein Stück über Judas, das polarisiert

Kammerstück in der evangelischen Kirche : Ein Stück über Judas, das polarisiert

Judas Iskariot gilt als das Sinnbild des Verräters. Ihm, der Jesus verraten hat, ist Lot Vekemanns Kammerstück gewidmet, das am Karsamstag in der evangelischen Kirche in Schwanenberg in neuer Bearbeitung uraufgeführt wird. Überarbeitet und inszeniert hat es Pfarrer Robin Banerjee.

Das Presbyterium bereitet normalerweise alle zwei Jahre eine meditative Nacht in der Kirche vor. In diesem Jahr wolle man neue Wege gehen, betonte Banerjee. Daher wird stattdessen am Karsamstag das Kammerspiel über Judas aufgeführt. Dabei sollen die Person, ihr Leben und ihre Motivation beleuchtet werden. Banerjee hat das Stück gekürzt und „auf das Wesentliche konzentriert“, erläuterte er bei einem Besuch der Probe in der Kirche.

Für das Projekt konnte er Jan Küper gewinnen, der den Judas spielt. Wie Banerjee ist er als Lehrer am Cornelius-Burgh-Gymnasium tätig und unterrichtet die Fächer Philosophie und Deutsch. Dritter im Bunde ist der Theologe und Musiker Sebastian Schade. Er bringt durch seine Improvisationen am Klavier ein weiteres erzählerisches Element in das Stück ein, das die Emotionen des Judas unterstreicht.

Banerjee hat das Stück um zwei theologische geprägte Szenen ergänzt, um den Inhalt zu untermauern. Er sei gespannt, wie die Besucher auf die Inszenierung reagieren, betonte er. „Das Stück will vom Schwarz-Weiß-Denken über Gut und Böse wegführen“, ergänzte Küper. Als Judas erzählt er in seinem Monolog von seiner Jugend, seinen Hoffnungen und Wünschen und schließlich auch von den Beweggründen, die zum Verrat führten. Oder war es gar ein Freundschaftsdienst?

Dass sie mit dieser neuen Betrachtung der Person Judas polarisieren, ist ihnen klar. Diskussionen im Anschluss an die rund einstündige Aufführung sind nicht nur erlaubt, sondern erwünscht. Banerjee und seine Mitstreiter hoffen, mit ihrem Stück auch Nicht-Kirchengänger zu erreichen und wollen die Chance nutzen, Kirche auch einmal anders zu erleben.

Drei Mal wird „Judas“ aufgeführt: Karsamstag, 20. April, und Freitag, 3. Mai, jeweils ab 20 Uhr in der evangelischen Kirche in Schwanenberg sowie am Samstag, 4. Mai, ab 20 Uhr in der Heinsberger Christuskirche.

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