Hückelhoven: Die Kirche bleibt ein Stück Heimat

Grabeskirche St. Bonifatius : Die Kirche bleibt ein Stück Heimat

Noch sind nicht alle Arbeiten abgeschlossen, doch so mancher Spaziergänger wagt schon jetzt einen Blick durch die offenen Türen der Kirche St. Bonifatius in Schaufenberg. Von außen ist sie nach mehrjähriger Bauphase unverändert geblieben. In ihrem Inneren präsentiert sie sich jedoch völlig neugestaltet.

Am Samstag, 5. Januar, wird sie wiedereröffnet als die erste ökumenische Grabeskirche in der Region. Regionalvikar Markus Bruns feiert dazu um 17 Uhr in der Kirche eine Heilige Messe. Danach kann sie erstmals ausgiebig besichtigt werden. 

Schon im Rahmen des 2011 vom Bistum Aachen begonnenen Konsolidierungsprozesses, bei dem unter der Bezeichnung „Kirchliches Immobilienmanagement“ sämtliche Gebäude im Eigentum von Kirchengemeinden unter die Lupe genommen worden seien, habe man sich im Kirchenvorstand von St. Bonifatius Gedanken um die Zukunft der Kirche in der kleinen Hückelhovener Gemeinde gemacht, erklärt Gertrud Pacilli. So wurde die Idee geboren, sie in eine Grabeskirche umzuwandeln, um sie auch für die Zukunft zu erhalten. Im April 2013 stellte der Kirchenvorstand einen entsprechenden Antrag, der vom Bistum positiv beschieden wurde. Am Ostermontag 2016 wurde die Kirche mit Ausnahme von Chorraum und Sakramentskapelle entwidmet.

Gar nicht so einfach habe sich der Umbau im Inneren zunächst gestaltet, da die ursprünglichen Fundamente für den geplanten zweistöckigen Einbau zwecks Aufbewahrung der Urnen, für das sogenannte Kolumbarium, zu schwach gewesen seien, erzählt Gertrud Pacilli. Nachdem dieses Problem behoben war, wurden die Pläne des Aachener Architekten Axel Maria Schlimm realisiert. Dabei blieb das 1954 nach Plänen von Wilhelm Andermahr errichtete und puristisch anmutende Gebäude als äußere Hülle unverändert erhalten. In diesen Grundriss in Form eines Kelches legte der Architekt dann das Kolumbarium quasi als eine kreisrunde Hostie auf zwei Etagen hinein. Rund zwei Millionen Euro hat die Kirchengemeinde bisher in dieses Projekt investiert.

In zwei konzentrischen Kreisen sind die Urnenkammern im Erdgeschoss in der Mitte des Kirchenschiffs angeordnet. Der äußere Kreis ist beidseitig mit Urnenkammern für je eine oder zwei Urnen bestückt. Im inneren, niedrigeren Kreis befinden sich Kammern, die von oben geöffnet werden und in die bis zu vier Urnen, etwa als Grabstätte für eine ganze Familie, hineinpassen. Im Obergeschoss wurde bisher nur ein äußerer und ein nur von innen nutzbarer Kammern-Kreis realisiert. Um das am inneren Kreis jetzt vorhandene Geländer kann bei Bedarf ein weiterer Kammern-Kreis eingebaut werden. Durch eine genau darüber geschaffene kreisrunde Öffnung im Kirchendach fällt jetzt zudem mehr Licht in das Gebäude hinein.

Metallbauer Alexander Rossbach (rechts) zeigt Gertrud Pacilli, wie das von ihm eigens entwickelte Schließsystem für die Urnenkammern funktioniert. Foto: Anna Petra Thomas

Wählbar sind die mit Kupfer beschichteten, schlichten Metallkammern wahlweise mit einer verkupferten Metallplatte oder mit einer Steinplatte in zwei Varianten. Dass daran weder Scharniere noch Schloss sichtbar sind, ist Metallbauer Alexander Rossbach aus Stolberg zu verdanken, der für die Urnenkammern ein einzigartiges Schließsystem mit eigenen Schlüsseln entwickelt hat. Auf den Kammern wird später der Name der Verstorbenen zu sehen sein, und die Angehörigen erhalten eine kleine Vorrichtung, die sie in die Schattenfuge der Kammer einschieben können, „für Blumen oder für eine Kerze“, so Gertrud Pacilli. In einem neuen Nebenraum, der sich aus der verkleinerten Sakristei ergab, wurde neben neuen Toiletten zu diesem Zweck eigens eine kleine Küchenzeile für den Blumenschnitt installiert. Für Besucher der Grabeskirche wird es künftig am Eingang, wo auch das Taufbecken erhalten wurde, zudem eine Informationstafel geben, die über die Lage der jeweiligen Grabstätten informiert.

 Im Obergeschoss, das wahlweise über eine Treppe oder einen Aufzug erreichbar ist, finden künftig im bestuhlten Innenkreis die Gottesdienste statt. Hier wurde auch die die Orgel von St. Bonifatius erhalten. Die gesamte übrige Ausstattung wie Altar, Ambo, Kerzenhalter oder Sitzwürfel wurde aus dem Holz der ehemaligen Kirchenbänke gefertigt.

Zu Beginn seien die Gemeindemitglieder von der Idee der Grabeskirche nicht angetan gewesen, erinnert sich Gertrud Pacilli. „Aber mittlerweile sind sie hellauf begeistert“, strahlt auch sie über das Projekt, das sie immer eng begleitet hat. „Viele haben sich ihren Platz hier schon gekauft“, sagt sie und verrät auch, dass sich in drei der rund 2500 derzeit vorhandenen Kammern bereits Urnen befinden. „Viele von ihnen wurden hier getauft, haben hier geheiratet. Die Kirche ist für sie immer noch Heimat, wenn künftig dann auch als letzte Ruhestätte.“

Nach 15 Jahren endet die Ruhezeit in der Urnenkammer. Dann wird die Asche inmitten des neuen Seerosenteichs neben der Kirche versenkt. Der Name des Verstorbenen soll dann im Außenbereich auf einer Tafel verewigt werden.