Hückelhoven: Die Baukosten für die L117n explodieren

Ortsumgehung Ratheim und Millich : Die Baukosten für die L117n explodieren

Eigentlich sollte die Ortsumgehung für Ratheim und Millich 15,2 Millionen Euro kosten. Jetzt rechnet Straßen.NRW mit 27 Millionen Euro und einer zwei Jahre längeren Bauzeit.

Kosten und Zeitplan der Ortsumgehung für Ratheim und Millich sind aus dem Ruder gelaufen. Eigentlich war beim ersten Spatenstich im Dezember 2015 noch die Rede davon gewesen, dass die L117n rund 15,2 Millionen Euro kosten soll. Nun spricht der Landesbetrieb Straßen.NRW von 27 Millionen Euro. Zu Beginn des Baus der 4,2 Kilometer langen Straßen war man zudem davon ausgegangen, dass die Straße Ende des Jahres 2020 fertig wird. Nun gehen die Planer von einer Verkehrsfreigabe im Jahr 2022 aus.

Natürlich wird das Bauen im Allgemeinen teurer. Und die einzelnen Bauwerke, die für die Straße nötig sind, seien fast durch die Bank etwas teurer geworden, hieß es von Straßen.NRW. Aber Mehrkosten von fast zwölf Millionen Euro? Wie kommt das?

Es habe nicht den einen unvorhergesehenen Faktor gegeben, der die Kosten so stark in die Höhe getrieben hat. Ein Hauptgrund für Kostensteigerung und Verzögerung sind jedoch Schwierigkeiten mit einem sogenannten Trogbauwerk an der Buscher Straße in Ratheim. Dieses Bauwerk ist auch in der Planung schon recht aufwendig. Zudem mussten die Grundwasserverhältnisse dort neu untersucht werden.

Foto: grafik

Das Bauwerk hat, so erklärt es Markus Reul, Projektleiter bei Straßen.NRW, folgenden Zweck: Vor der Buscher Straße muss die L117n ein gutes Stück tiefergelegt werden, weil sie unter der Straße hindurch geführt wird. Die Arbeiten dafür sollen nach aktuellem Planungsstand im kommenden Jahr beginnen und rund eineinhalb Jahre dauern, sagte Reul. Wegen angrenzender Häuser kann dort beispielsweise keine breite Böschung angelegt werden, vielmehr müssen senkrechte Wände eingezogen werden, um den Höhenunterschied von Umgehungsstraße und Umgebung abzufangen.

Für die Stadt Hückelhoven und den Kreis Heinsberg, die sich beide an den Kosten des Straßenbaus beteiligen, wird es indes nicht teurer. Der Beitrag der Stadt sei auf drei Millionen Euro festgeschrieben, der des Kreises auf zwei Millionen, sagte Holger Loogen, Sprecher der Stadt Hückelhoven.

Wegen der offenbar recht gravierenden Schwierigkeiten änderte Reul den kompletten Zeitplan des Bauprojekts. Eigentlich hätte der erste Bauabschnitt, die Ortsumgehung für Ratheim, bereits in diesem Jahr für den Verkehr freigegeben werden sollen. Gleichzeitig wäre mit dem zweiten Bauabschnitt, der Ortsumgehung Millich, begonnen worden. Nun geht Reul davon aus, dass die Millicher Ortsumgehung im Jahr 2021 befahren werden kann, während die Bauarbeiten am Ratheimer Teil der Straße noch laufen.

Bereits fertig ist ein Kreisverkehr zwischen Ratheim und Wassenberg, an dem die neue auf die alte L117 trifft. Auch das erste, 900 Meter lange Teilstück der Straße, das vorbei an der Kohlewäsche über die alte Bahntrasse bis zur Myhler Straße führt, ist fertig. Die Brücken an der Myhler Straße und am Schleckerweg seien ebenfalls bereits fertiggestellt worden, sagte Reul.

Der nächste Schritt ist nun die Erneuerung des Kreisverkehrs am Fuße der Millicher Halde, wo die fertige L117n enden soll. Dort, Am Landabsatz, finden noch in diesem Monat letzte Abstimmungsgespräche zu möglichen Verkehrssperrungen statt. Im September soll der Neubau des Kreisverkehres dann beginnen.

Im kommenden Jahr folgen dann noch Arbeiten für die Unterführung des Schaufenberger Straße und die die Verlegung des Autobahnanschlusses.