Horster sind von Lkw-Verkehr genervt

Transporte zur Kiesgrube : Horster sind von Lkw-Verkehr genervt

Das Golddorf dient als Durchgangsort zum Kieswerk Himmerich. Erdaushub wird in großen Mengen dorthin transportiert. Was für die Bewohner längst zur wahren Belastungsprobe geworden ist.

Eigentlich gilt es als pure Idylle, das kleine Örtchen Horst, gelegen zwischen Porselen und Randerath und erst vor fünf Jahren mit Gold im Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ geehrt. Doch dieses Edelmetall scheint gerade ein paar heftige Kratzer zu bekommen, nicht nur im übertragenen Sinne.

Sichtbar sind sie schon zu mehreren an der Hauswand von Robert Diart, der an der Randerather Straße wohnt, gleich an der scharfen Kurve in der Nähe der großen alten Linde. Bei Gegenverkehr wird es hier für zwei Lkw manchmal zu eng, und dann schrammt der eine oder andere von ihnen tatsächlich auch schon mal an seiner Fassade vorbei.

Vor drei Jahren begonnen

Dieser starke Lkw-Durchfahrtverkehr durch den Ort geht inzwischen nicht nur Diart, sondern auch weiteren Einwohnern des Ortes ganz massiv auf die Nerven. Er stamme aus Dremmen und lebe jetzt seit neun Jahren in Horst, erzählt der Maschinenbautechniker. Sechs Jahre lang sei es hier sehr ruhig gewesen, außer einem Traktor, der ab und an mal durchs Dorf gefahren sei. Vor drei Jahren jedoch habe der Ärger mit den Lkw angefangen. Über die Autobahn 46 würden sie Erdaushub zum Kieswerk Himmerich fahren, wo derzeit eine Kiesgrube verfüllt werde. „Schon morgens, kurz nach fünf geht´s los“, klagt Diart. Allein beim Frühstück habe er dann schon 18 Lkw gezählt, die an seinem Haus vorbeigebraust seien. „Also Hunderte pro Tag“, klagt er. Das mache nicht nur Lärm und Dreck, der bis ins Haus eindringe.

Die Stadt habe inzwischen zwar überall auf der Straße Parkverbotsschilder aufgestellt. Das löse aber das Problem nicht, pflichten ihm Barbara Volkmann und Steven McLarren bei, die ebenfalls Anwohner der Randerather Straße sind. „Dadurch rollt man den Lkw doch jetzt den roten Teppich aus, statt ihnen den Weg zu erschweren“, erklärt Diart. Zudem seien dadurch jetzt die Seitenstraßen verstopft, ergänzt McLarren.

Situationen, in denen es ganz besonders eng wurde vor seiner Haustür, hat Robert Diart auch in kurzen Videosequenzen festgehalten. Foto: Anna Petra Thomas

Das Kieswerk Himmerich, gelegen zwischen Himmerich und Hilfarth, wäre eigentlich viel einfacher über die Kreisstraße 22, den Kaphofweg, erreichbar, aber die Lkw-Fahrer nutzen ihr Navigationsgerät und werden von diesem über die Dörfer geschickt, wie Diart recherchiert hat: von der Autobahnausfahrt in Dremmen durch Porselen, Horst und Randerath, wo sich dann unmittelbar hinter dem Ortsausgang Richtung Lindern die Einfahrt zum Kieswerk befindet.

„Viel einfacher wäre jedoch der Weg an Oberbruch vorbei über die L 227 und die K 22, da dieser fast nur aus Landstraßen besteht und keine Orte durchquert. Und der wäre nur 1,6 Kilometer länger“, hat er errechnet. Daher hat er inzwischen schon ein großes Schild in sein Fenster gestellt: „Liebe Trucker, bitte fahrt nicht nach Navi!“, steht darauf zu lesen. „Der Chef ‚Eurer‘ Kiesgrube kennt einen einfacheren Weg, das ist für Euch und für uns angenehmer! Fragt ihn einfach!“, lautet der Aufruf.

Tatsächlich ist Yvonne Hensing, eine von drei Geschäftsführern der Kieswerk Himmerich GmbH, das Thema bekannt, und sie ist hier auch kontinuierlich um Abhilfe bemüht. „Wenn ich erfahre, dass wieder Lkw durch Horst fahren, rufe ich die Unternehmer gleich an“, sagt sie. Das Problem sei aber, dass immer wieder andere Fahrer am Steuer der Lkw säßen und die Fluktuation der Mitarbeiter in den Unternehmen sehr groß sei. Zudem würden die Fahrer morgens sehr früh losfahren, dann vor der Kiesgrube ihre Pause machen, bis sie um 6 Uhr öffne, um ihre Lenkzeiten einzuhalten. „Wir haben ihnen schon angeboten, am Kieswerk Kaphof ihre Pause zu machen und dann nach Himmerich weiterzufahren, aber das wird leider nicht angenommen“, sagt sie.

Derzeit ist sie im Gespräch mit dem Ordnungsamt der Stadt Heinsberg, um für das Problem eine Lösung zu finden. Ein Lkw-Durchfahrtverbot für Horst sei nicht möglich, erklärt dessen Leiter Alexander Reiners. Die Randerather Straße sei eine sogenannte klassifizierte Straße, die überörtlichen Verkehr aufnehmen müsse. Geprüft werden soll aber jetzt die Möglichkeit, das Kieswerk Himmerich für den Weg an Oberbruch vorbei und über den Kaphofweg von der Autobahnausfahrt Dremmen aus zu beschildern.

Mit dem Reparieren der Schrammen an seiner Hauswand kommt Robert Diart derzeit kaum noch hinterher. Sie stammen von Lkw, für die es bei Gegenverkehr zu eng wird in der scharfen Kurve an der Horster Linde. Foto: Anna Petra Thomas

Öffentlich machen wollen Diart, Volkmann und McLarren ihre Sorgen jetzt auch mit einem Einspruch gegen die geplante Erweiterung der Kiesgrube Himmerich. Es wurde nämlich beim Landrat gemäß § 5 des Abgrabungsgesetzes NRW ein Antrag auf Erteilung eines Vorbescheids für eine Erweiterung gestellt. Demnach soll die derzeit genehmigte Abgrabung mit einer Größe von 9,97 Hektar um insgesamt 49,2 Hektar  vergrößert werden.

„Wir haben nichts gegen den Betrieb der Kiesgrube an sich“, betont Diart. Doch zunächst müsse es eine passende Infrastruktur in Form einer Verkehrsführung geben, welche die Einwohner der anliegenden Orte nicht belaste. Als die Kiesgrube Himmerich einst genehmigt worden sei, seien ein Industriegebiet Lindern und eine Umgehung der betroffenen Dörfer, eine K5n um die betroffenen Dörfer Porselen, Horst und Randerath herum, geplant gewesen. „Beides wurde aber nicht realisiert. Die Kiesgrube jedoch wohl“, schreibt er in seinem Einspruch. Ohne die K5n fordert er jetzt zumindest die Zufahrt an Oberbruch vorbei und nicht durch die drei Dörfer.