Heinsberg: Hörgenuss: Gemeinsamer Auftritt der Brüder Jörg und Heinz Lengersdorf

Heinsberg: Hörgenuss: Gemeinsamer Auftritt der Brüder Jörg und Heinz Lengersdorf

Seltenheitswert gleich in zweifacher Hinsicht hatte das Konzert der aus Hückelhoven-Baal stammenden Brüder Jörg und Heinz Lengersdorf im Rondell im Heinsberger Klevchen. Nicht nur, dass ihre Wohnorte derzeit weit auseinanderliegen und gemeinsames Musizieren von Jörg Lengersdorf mit der Geige und Heinz Lengerdorf am Klavier gar nicht so einfach zu terminieren ist.

Nein, die beiden hatten für ihr Konzert in Heinsberg auch ganz seltene Stücke ausgewählt, die sie zu Gehör brachten.

Heinz Lengersdorf begann am Flügel des Rondells mit einer Toccata des argentinischen Komponisten Antonio Tauriello (1931-2011). Kraftvoll schon da, beeindruckte der Pianist noch mit einer Arabesque der französischen Komponistin Cécile Chaminade (1857-1944).

In Amerika habe es sogar Chaminade-Vereine gegeben, wusste Jörg Lengersdorf, zugleich Moderator im WDR-Hörfunk, zu den „kleinen Edelsteinen“ der Komponistin zu berichten. „Heinz hat noch ein paar Töne dazu komponiert“, schmunzelte er, bevor er seinem Bruder wieder das Feld am Flügel überließ.

Danach begeisterte er selbst, begleitet von seinem Bruder am Flügel, mit der Sonatine G-Dur Op. 100 in vier Sätzen von Antonín Dvoák (1841-1904). Jörg Lengersdorf wies in seiner Einführung vor allem auf die einleitende Melodie des zweiten Satzes hin, die Dvoák beim Betrachten des glitzernden Farbenspiels des Wasserfalls Minnehaha Falls bei Saint Paul in Minnesota (USA) aufgezeichnet haben soll.

Nach der Pause ging es weiter mit „Mélancolie“, dem längsten, von dem Franzosen Francis Poulenc (1899-1963) geschriebenen Stück für Soloklavier. Französisch setzte Heinz Lengersdorf sein kraftvolles Spiel am Flügel fort mit dem Einzelstück L‘Isle Joyeuse von Claude Debussy (1862-1918). Es gehört zu den berühmtesten Klavierwerken dieses Komponisten und ist eines der populärsten Werke des Impressionismus.

Spielkunst bewiesen

Den offiziellen Schlusspunkt setzte Jörg Lengersdorf, wieder von seinem Bruder begleitet, mit der Sonate für Geige und Klavier Nr. 2 des ungarischen Komponisten Leo Weiner (1885-1960).

Dieses Werk sei 1957 noch einmal erschienen als Orchesterfassung, erzählte Jörg Lengersdorf, bevor er auch selbst wieder mit der Urfassung seine Spielkunst bewies, mit einer atemberaubenden Geschwindigkeit und einem zugleich grandiosen Zusammenspiel mit seinem Bruder, vor allem im zweiten Satz.

Ohne zwei Zugaben — den rumänischen Volkstänzen von Bela Bartók, und dem Tambourin Chinois von Fritz Kreisler — ließ das begeisterte Publikum die beiden nicht gehen.

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