Kreis Heinsberg: Hilfe aus Oberbruch für die Kinder in Ruanda

Kreis Heinsberg: Hilfe aus Oberbruch für die Kinder in Ruanda

Die Vertreibungen und der Völkermord in Ruanda an hunderttausenden Menschen haben bei Dr. Bernd Bierbaum ihre Spuren hinterlassen. Tief erschüttert von den Grauen der Bürgerkriege zu Beginn dieses Jahrtausends, entschied sich der Oberbrucher Mediziner zum Eingreifen. Der Verein „Wir für Ruanda“ wurde aus der Taufe gehoben.

Und vieles von dem, was die inzwischen mehr als 200 Mitglieder des Vereins sich zum Ziel gesetzt hatten, wurde bereits realisiert. Mit Hilfe und finanzieller Unterstützung zahlreicher Menschen aus dem gesamten Kreis Heinsberg, konnte der Verein in den betroffenen Gebieten schon so manche große Not lindern. Eines der Projekte, das Bierbaum realisierte, ist das Ausbildungszentrum Amizero Y’Ubuzima, „Lebenshoffnung“ . Hierbei handelt es sich um ein Zentrum für Kinder mit leichter geistiger Behinderung, das 2011 in der Nähe der Ortschaft Kibilizi in Ruanda seinen Dienst aufnahm.

Das Projekt „Lebenshoffnung“ wird in Ruanda von Peter Mpolokoso (rechts) und seiner Assistentin Laurette Mushimiyimana geleitet, die für die Verwaltung und die Buchhaltung des Komplexes verantwortlich ist.

Schönheit und Armut

Einblick in die Personalküche einer Aids-Station in Burundis Hauptstadt Bujumbura.

Von Bujumbura, der Hauptstadt Burundis, kommend führt der Weg durch die Bergregion Burundis. Durch kleine Dörfer geht die Fahrt, vorbei an malerischen Märkten, wo die in bunten Kleidern gewandeten burundischen Frauen Früchte und Gemüse verkaufen. Dem Europäer bietet sich trotz der Armut ein malerisches Bild. Weiter geht die Fahrt in Richtung ruandische Grenze. Nach einer Fahrtdauer von gut drei Stunden ist der Grenzort erreicht. Die Grenzkontrollen bei der Ausreise aus Burundi verlaufen reibungslos. Ebenso schnell erfolgt die Einreise nach Ruanda. War die Einreise für deutsche Staatsbürger bis November des vergangenen Jahres noch kostenlos, müssen nun pro Person dreißig US-Dollar an Visumgebühren entrichtet werden.

Festlicher Anlass: Ein burundisches Kleinkind wird getauft.

Weiter geht die Fahrt in Richtung Kinderheim, das in gut dreißig Kilometern Entfernung, in der Nähe der Universitätsstadt Butare gelegen ist. Kurz vor dem Ziel führt der Weg von der Hauptstraße auf eine Sandpiste. Die ist allerdings gut zu befahren. Dieser Weg führt direkt in den Ort Kibilizi. Ein letztes Mal rechts abgebogen, erreichen wir nach fünfhundert Metern das Kinderzentrum Amizero Y’Ubuzima. Schnell von den kleinen Heimbewohnern umringt und bestaunt, werden wir von Laurette Mushimiyimana, der Verantwortlichen für die Buchhaltung und Verwaltung des Zentrums Lebenshoffnung, begrüßt.

Deutsche Gründlichkeit

Der erste Weg führt zu Peter Mpolokoso, dem die Leitung des gesamten Komplexes unterliegt. Auch er zeigt sich freudig überrascht über die drei Besucher aus dem Kreis Heinsberg. Mpolokoso, der gerade angehenden Heilpädagogen Unterricht erteilt, verspricht, sich nach Beendigung des Unterrichtes um die weit gereisten Gäste zu bemühen. Zunächst aber steht ein Rundgang durch den gesamten Heimbereich an, dem sich zahlreiche kleine Heimbewohner anschließen. Die Gäste aus Deutschland zeigen sich allerdings angenehm überrascht über die Ordnung und Sauberkeit des gesamten Komplexes. Die Gebäude befinden sich in einem tadellosen Zustand. Die Blumenbeete und Anlagen, allesamt von sehr exakt und gründlich geschnittenen Hecken umgeben, sind in einem makellosen Zustand. Hier herrscht im wahrsten Sinne des Wortes deutsche Gründlichkeit.

Wichtige Aufklärungsarbeit

Später, Peter Mpolokoso hat seinen Unterricht zu Ende geführt, erläutert er den Gästen aus Europa die Aufgaben, die es innerhalb des Zentrums zu erfüllen gilt. „Unser Ziel ist es, Kinder mit leichter geistiger Behinderung, die ansonsten von der einheimischen Bevölkerung ausgegrenzt würden, eine Grundrehabilitation zu vermitteln. Weiter bilden wir selbst Fachkräfte aus und klären Gemeindevertreter, Lehrer und die Bevölkerung über die Integration von Menschen mit leichter geistiger Behinderung auf. Es ist auch eine spätere Integration in die jeweiligen Heimatschulen angedacht“, erklärt der Leiter des Zentrums die Hauptaufgaben.

Nachdem das Zentrum im Jahre 2011 mit neun Schülern die Arbeit aufnahm, sind es inzwischen 42 Kinder, die von montags bis freitags im Zentrum untergebracht, beaufsichtigt und betreut werden. Weitere zwölf Kinder erhalten in familiärer Umgebung von den insgesamt 14 im Zentrum tätigen Lehrern Unterricht.

Spenden aus dem Kreis

Neben der Küche — alle im Zentrum tätigen Personen, wie auch die Kinder, werden voll beköstigt — ist dem gesamten Komplex eine Schreinerei angegliedert. Auch hier findet eine Aus- und Weiterbildung der angehenden Tischler, aber auch der hier tätigen Kunsthandwerker statt.

Damit der Betrieb auch weiterhin aufrecht erhalten werden kann, sind die Betreiber auf Spenden angewiesen. Ohne weitere finanzielle Hilfe aus dem Kreis Heinsberg wäre eine Weiterführung dieser Anlage, die gegenwärtig um zwei kleine Häuser erweitert wird, nicht denkbar — und die gut angelaufene Arbeit nicht fortsetzbar.