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Hermann Josef Mispelbaum zeigt „Ene mene mei“ im Kunstverein Heinsberg

Horster Hof : Rätselhafte Werke wie aus anderer Welt

Der Übach-Palenberger Künstler Hermann Josef Mispelbaum zeigt in der Ausstellung „Ene mene mei und Du bist frei“ im Kunstverein Heinsberg einen Querschnitt seiner Arbeiten.

Kulturarbeit, ob auf dem Land oder in der Stadt, funktioniert dann am besten, wenn kulturinteressierte Menschen zusammenfinden und gemeinsam eine Vision verwirklichen.

Ein gutes Beispiel einer solchen Initiative ist zweifellos der Kunstverein Region Heinsberg. Was der Verein in den vergangenen, mittlerweile über 30 Jahren geleistet hat, ist beachtlich. Die jährlich bis zu fünf Ausstellungen haben zum Ziel, Kunstinteressierte zu begeistern und zu inspirieren, sie sollen einen Überblick über zeitgenössische Kunst in Malerei, Skulptur, Installation und Fotografie geben.

In der Abgeschiedenheit der denkmalgeschützten ehemaligen fränkischen Vierkanthofanlage lassen sich die Kunstwerke der ausstellenden Künstler, in lichtdurchflutenden, liebevoll restaurierten Räumen optimal präsentieren.

Der Kunstverein eröffnet traditionell die zweite Jahreshälfte mit einer neuen Ausstellung und einem Sommerfest. In diesem Jahr stellt, auch aus Anlass seines 75. Geburtstages, der Übacher Künstler Hermann Josef Mispelbaum, unter dem Motto: „ene mene mei und du bist frei“ einen adäquaten Querschnitt seiner Arbeiten aus.

Die ausgestellten Werke – Plastiken, Collagen und Zeichnungen – geben Einblicke in die Arbeitsweisen und Schaffensprozesse des einheimischen Künstlers. Formal wie inhaltlich bringen sie Mispelbaums konsequentes künstlerisches Schaffen auf den Punkt. Die Arbeiten bewegen sich zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit. Dynamik und Statik oft in ihr Gegenteil verkehrt rufen überraschende Wirkungen hervor.

Die zweite Vorsitzende und Kuratorin des Kulturvereins Ingrid Trantenroth-Scholz beschreibt anhand einer Skulptur die Arbeiten des ausstellenden Künstlers. Sie führt aus, dass die Werke auf Anhieb in seiner Komplexität nicht so leicht zugänglich sind, obwohl einige Alltagsgegenstände darin eingeführt sind (zum Beispiel: Stuhl ohne Sitz, Kuckucksuhr, Kuchenhaube).

Rätselhaft bleibt zunächst ihre Zuordnung zueinander und deren Bedeutungszusammenhang. In den Arbeiten könne die Verschlüsselung der einzelnen Teile und deren Gesamtaussage nur dann erschlossen werden, wenn man die Herkunft der Dinge, ihre Form und Funktion erkenne. Dann erschließe sich ihre Zuordnung und Bedeutung, und die Objekte und Collagen offenbaren eine überbordende Gedankenwelt und die Auseinandersetzung mit der Welt, in der wir Menschen miteinander leben.

In der großen Vielfältigkeit der eingesetzten Bildmittel und Dringlichkeiten, formiert sich eine Bildsprache, in der die Innenwelt des Künstlers sich explosionsartig nach außen drängt – sie muss sich Luft machen, weil es sonst nicht auszuhalten wäre.

„Nimmt man die Titel: Euregio Express, Garten der Endlichkeit seiner Arbeiten hinzu, können sie ein Tor zum Verständnis sein, vielleicht führen sie aber auch zunächst in die Irre, um den Betrachter herauszufordern, sich intensiver mit dem Werk auseinander zu setzen. Dann entdeckt man in ihm auch die humoristische und satirische Seite des Künstlers Hermann-Josef Mispelbaum“, betonte Trantenroth-Scholz. „Diese satirische Seite scheint gleichfalls ein Ventil zu sein, nicht an der Unzulänglichkeit dieser Welt zu verzweifeln und im schöpferischen Tun die Möglichkeit zu haben, die eigene Empfindsamkeit zu kompensieren.