Heinsberg: Heinsberger Schüler lernen, wie Firmenchefs zu denken

Heinsberg : Heinsberger Schüler lernen, wie Firmenchefs zu denken

Nicht nur den Anforderungen ihres Unterrichts etwa in Deutsch, Englisch oder Mathematik stellen sich derzeit 18 Schülerinnen und Schüler des Heinsberger Kreisgymnasiums, sondern auch den fast ganz realistischen eines Unternehmens. Die Achtklässler gehören nämlich für ein Schuljahr einem Differenzierungskurs Politik-Wirtschaft an, der seinen Schwerpunkt darin gesetzt hat, eine erste Schülerfirma an der Schule zu gründen.

„Viele Schüler wissen nicht, welche Fähigkeiten und Neigungen sie überhaupt haben und ziehen daher bei ihrer Berufswahl viele passende Berufe nicht in Betracht, auch weil ihnen niemand sagt, dass es sie überhaupt gibt“, erklärt Lehrerin Eva Zimmer. Gemeinsam hat sie sich daher mit ihren Schülern in einem Workshop mit einer gemeinnützigen GmbH des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln, der IW Junior gGmbH, auf das erste große Projekt dieser Art am Kreisgymnasium vorbereitet.

Zusammen mit der Vorstandsvorsitzenden Lena Schmitz (vorne, Mitte) und ihrer Stellvertreterin Morgane Specker (vorne, rechts) diskutieren Mitarbeiter erste Designs für die Produktidee, die Julia Deckers (vorne, links) in das Unternehmen „U(h)rschön“ eingebracht hat. Foto: Anna Petra Thomas

Im November waren Lars Nökel und Philipp Brämer, selbst ehemalige Teilnehmer des Unternehmensprogramms „Junior-Wirtschaft erleben“ in der Schule zu Gast. Dabei konnten die Schüler erstmals in die Rolle kreativer Gründer schlüpfen, eigene Geschäftsideen für den Start ihrer eigenen Firma entwickeln und sie gemeinsam mit den beiden Experten auf Chancen und Risiken hin untersuchen. In Teamarbeit feilten sie an ihren Ideen und stellten so ihren ersten sogenannten Businessplan zusammen.

Dienstleistung oder Herstellung?

Inzwischen hat sich das Unternehmen schon ganz gut aufgestellt. Es hat einen Vorstand, Mitarbeiter in der Verwaltung, im Marketing, in der Finanz- und in der Produktionsabteilung. Vor allem aber hat es eine Geschäftsidee: Aus ausgedienten Schallplatten wollen die Schüler ab dem kommenden Monat Wanduhren produzieren und sie anlässlich der Feierlichkeiten zum 175-jährigen Bestehen ihrer Schule in diesem Jahr ebenso verkaufen wie demnächst online. Einen Namen und ein Logo hat die Schülerfirma auch schon: „U(h)rschön“ heißt sie, und das Logo zeigt eine Uhr im Bauch eines Notenschlüssels.

Eine grundlegende Entscheidung sei zunächst gewesen, ob man sich einer Dienstleistung oder der Herstellung eines Produkts widmen wolle, erklärt die Lehrerin. Schnell sei jedoch die Entscheidung für die Fertigung der Uhren gefallen, die Julia Deckers, jetzt Mitarbeiterin der Produktionsabteilung, in das Unternehmen eingebracht habe. Eine Freundin habe diese Idee aus einem Zeltlager mitgebracht, erzählt sie. Und ihren Mitschülern habe sie so gut gefallen, weil hier auch das Thema Recycling berücksichtigt werde.

Bis die Produktion jedoch so richtig an den Start gehen kann, sind noch ein paar wesentliche Schritte notwendig. Zum einen sind die Schüler noch auf der Suche nach Spendern oder auch Verkäufern ausgedienter Schallplatten. Zum anderen benötigen sie noch weitere Anteilseigner für ihr Unternehmen, um mit der Produktion starten zu können. Die Uhren sollen nämlich mit Farbe besprüht oder bemalt, alternativ mit bedruckter Folie beklebt werden. Und die muss das Unternehmen erst einmal einkaufen, ebenso natürlich wie die Laufwerke für die Uhren oder Verpackungsmaterial. Dafür stehen derzeit unbedruckte Pizza-Kartons bei der Ideenfindung ganz hoch im Kurs. Und schließlich sollen die Mitarbeiter ja auch ihren Lohn erhalten in Höhe von 25 Cent pro Stunde. Alle Abläufe sollen möglichst realitätsnah sei, wie in einem richtigen Betrieb.

Ein Anteil kostet 10 Euro

Ein Anteil am Unternehmen kostet zehn Euro. 840 Euro haben die Schüler bisher zusammengetragen, 900 Euro sollen es werden. Bei der professionellen Buchhaltung hilft den Schülern ein Computerprogramm, das ihnen die IW Junior gGmbH zur Verfügung gestellt hat. Und sogar Steuern müssen sie zahlen, wie ein echtes Unternehmen auch. Diese zahlen sie ebenfalls an das betreuende Unternehmen. Wie der Erlös fließen auch diese allerdings nach einem Jahr, wenn die Schülerfirma wieder erlischt, an einen sozialen Zweck. „Ich bin mir sicher, dass alle beteiligten Schüler nach Abschluss dieses Projekts sehr viel mehr über ihre eigenen Potenziale wissen und damit sicher im Leben, vor allem auf ihrem Weg ins Berufsleben stehen“, prognostiziert Lehrerin Eva Zimmer.