1. Lokales
  2. Heinsberg

Gaskrise: Heinsberger Bauverein verschenkt Elektroheizungen an seine 158 Mieter

Gaskrise : Heinsberger Bauverein verschenkt Elektroheizungen an seine 158 Mieter

Der Heinsberger Bauverein verschenkt Elektroheizungen an seine Mieter, damit die Wohnungen auch ohne Gas im Winter warm bleiben. Kritik sieht der Verein gelassen entgegen.

Neben privat oder durch Unternehmen vermieteten Wohnraum gibt es in der Heinsberger Innenstadt auch einen gemeinnützigen, als Genossenschaft geführten Bauverein, dem 158 Wohnungen und 33 Garagen gehören. Diese werden ausschließlich an Mitglieder der Genossenschaft vermietet. In einer bisher einzigartigen Aktion hat der Bauverein jetzt jedem Mitglied eine sogenannte Konvektor-Heizung geschenkt. Sie soll für den Notfall, das heißt beim Ausfall der eigentlichen Heizung im kommenden Winter dafür sorgen, dass die Mieter in ihren Wohnungen nicht frieren müssen.

„Wie bereits auf der Mitgliederversammlung bekanntgegeben, bekommt jede Mietpartei einen Heizkonvektor für den Fall, dass tatsächlich kein Gas geliefert wird, als Geschenk“, hatte es in einem Brief an alle Mieter geheißen. Und weiter: „Die Konvektoren laufen über Strom. Wir wissen, dass Strom auch teurer wird, aber wir haben möglicherweise Glück, dass Strom geliefert wird und Sie einen Raum heizen können.“ Wie gut dieses Angebot angenommen wurde, zeigte sich schon beim ersten Ausgabetermin, an einer Garage im Wohngebiet. Als Vorstandsmitglied Marion Nowozin dort ankam, habe es schon eine lange Schlange vor der Ausgabe gegeben, berichtet sie.

Alle Mieter hätten sich über diese Zuwendung sehr gefreut. Die Frage, ob der Bauverein durch diese Ausstattung der eigenen Mieter nicht Gefahr laufe, einen möglichen Ausfall des gesamten Stromnetzes wegen Überforderung noch zu befördern, beantwortet Marion Nowozin gelassen: „Das sehen wir dann“, sagt sie. Wenn es kein Gas fürs Heizen mehr gebe, würden die Menschen ohnehin auf Strom zurückgreifen. In weiser Voraussicht habe der Bauverein die Konvektoren bereits im Mai bestellt, freut sich Marion Nowozin. So habe man die Geräte noch zu einem angemessenen Preis beschaffen können. Heute lägen die Preise für diese Heiz-Konvektoren weitaus höher.

Der Gemeinnützige Bauverein Heinsberg wurde vor nahezu 100 Jahren, im Jahr 1924, gegründet. Am 16. Februar 1925 wurde er in das Genossenschaftsregister beim Amtsgericht Heinsberg eingetragen. Wer eine Wohnung des Bauvereins mieten möchte, muss zuvor Mitglied werden. Durch die Mitgliedschaft begründet sich ein Dauerwohnrecht. Alle Rechte und Pflichten der Mitglieder sind in der Satzung des Bauvereins geregelt. Die Mitgliedschaft wird begründet durch die Beitrittserklärung und den Erwerb von zwei Geschäftsanteilen im Wert von 300 Euro. Für volle Geschäftsanteile wird jährlich eine Dividende ausgeschüttet.

Die Wohnungsgrößen beziehungsweise die Anzahl der Zimmer variieren zwischen 33 Quadratmetern und zwei Zimmern bis zu 124 Quadratmetern und drei Zimmern. Da die Mietobjekte des Bauvereins sehr begehrt seien, würden jedoch Wartezeiten entstehen, erklärt Marion Nowozin. Sie bildet mit Wolfgang Weiss und Helmut Gülpen derzeit den Vorstand. Vorsitzender des Aufsichtsrates ist der ehemalige Bürgermeister Wolfgang Dieder.

Marion Nowozin engagiert sich bereits seit 22 Jahren im Bauverein. „Dann kennt man jeden Mieter mit Namen“, sagt sie lächelnd. „Und unsere Mieter wissen das zu schätzen“, nennt sie als weitere Vorteile den eigenen Hausmeister und die enge Verbindung zu regionalen Handwerkern, die für den Bauverein tätig seien. Der meiste Mietbestand befinde sich zwar in Altbauten, die jedoch alle inzwischen saniert seien, erklärt sie.