Heinsberg und Erkelenz verleihen Heimatpreise

Engagement gewürdigt : Heinsberg und Erkelenz verleihen Heimatpreise

In den beiden größten Städten des Kreises Heinsberg, Erkelenz und Heinsberg, sind die ersten Heimatpreise vergeben worden. In Heinsberg ging der Hauptpreis in den Ortsteil Kirchhoven. In Erkelenz wurden drei Initiativen, die sich für die Menschen am Rande des Braunkohletagebaus einsetzen, ausgezeichnet.

Unter sieben Bewerbungen hatte der Schul- und Kulturausschuss der Stadt Heinsberg die Qual der Wahl, dem Stadtrat für seine Sitzung am 9. Oktober drei Preisträger vorzuschlagen. Zuvor hatte der Ausschuss nämlich entschieden, das vom Land für diesen Preis zu Verfügung gestellte Preisgeld aufzuteilen: 2500 Euro für den ersten Preisträger, 1500 Euro als zweiten und 1000 Euro als dritten Preis.

Das Thema des diesjährigen Heinsberger Heimatpreises lautet „Ehrenamtliche Arbeit im Quartier“. Bei der Abstimmung mit einem Punktesystem kam der Naturlehrpfad „An de Sondkull“ des Vereins für Gartenkultur und Ortsverschönerung in Kirchhoven auf Platz eins. Zweiter wurde das Heimat-Bilderbuch in einfacher Sprache, ein gemeinsames Projekt der Lebenshilfe Heinsberg und des Heimatvereins der Heinsberger Lande. Auf den dritten Rang wählten die Ausschussmitglieder die Heimat-AG des Heimatvereins der Heinsberger Lande, die im vergangenen Jahr am Kreisgymnasium durchgeführt wurde und jetzt an der Realschule im Klevchen zum AG-Angebot gehört.

Weitere Vorschläge waren die Broschüre Heimatkunde der Heimatfreunde Kirchhoven, das Engagement des Heimatvereins Schafhausen für seinen Ort, der Heimat- und Bürgerverein Horst mit dem Projekt „Kunst im Dorf – Kunst mit dem Dorf“ und der Skulptur „hurst… über die Jahre“ sowie der Heimatverein der Heinsberger Lande mit dem Digitalen Museumsdepot. Verliehen werden die Preise bei der Eröffnung des Weihnachtsmarktes durch Bürgermeister Wolfgang Dieder.

Hauptpreis geht nach Kirchhoven: Naturlehrpfad „An de Sondkull“ wird von der Stadt Heinsberg ausgezeichnet. Foto: Anna Petra Thomas

Erstmals hat nun auch die Stadt Erkelenz einen Heimatpreis verliehen. Die Wahl fiel auf Gruppen und Initiativen, deren Engagement den Menschen aus den Umsiedlungsorten gilt. Anlässlich des Ratsfestes auf dem Burghof wurden die drei Preisträger verkündet.

Dabei betonte Bürgermeister Peter Jansen, dass es der Jury nicht gelungen war, eine Reihenfolge festzulegen. Und so wurden die Bürgerinitiative Stop Rheinbraun aus Venrath, der Seilerdorf-Treff aus Holzweiler und die Niershelden aus Keyenberg gleichermaßen mit 1700 Euro für ihre Arbeit unterstützt. Heimat, so betonte Jansen in seiner Ansprache, habe in Erkelenz derzeit stets auch mit dem Schicksal der Menschen zu tun, die vom Tagebau betroffen sind. Daher sei die Auswahl der drei Preisträger entsprechend zustande gekommen.

 Die Bürgerinitiative Stop Rheinbraun würdigte Jansen als Symbol für den friedlichen und bürgerlichen Protest. Seit ihrer Gründung in den 80er Jahren hat sich die Bürgerinitiative immer wieder gegen den Tagebau und seine Auswirkungen eingesetzt. Zuerst wurde mit Fackelzügen auf das Ausmaß der Zerstörung aufmerksam gemacht, später auch eine Gaststätte erworben, um das Leben im Dorf am Tagebaurand aufrecht zu erhalten. Die Gaststätte Bruns in Venrath sei heute ein Zeichen des Widerstandes gegen Garzweiler II.

In Holzweiler hat sich die Situation nach einer Leitentscheidung der Landesregierung geändert, der Ort ist vom Umsiedlungs- zum Tagebaurandort geworden. Dies bringt auch neue Herausforderungen für die Bewohner mit sich. Diesen stellt sich der Seilerdorf-Treff mit einer Vielzahl von Angeboten. Sie reichen vom Sonntagsbrötchen-Service über das Café im Pfarrheim bis zum Wochenmarkt, der auf dem Hof der alten Schule stattfindet. Somit setze der Verein neue Impulse für das Leben in Holzweiler, betonte Jansen.

Um Heimat und Zukunft geht es auch den dritten Preisträgern, den Niershelden. Die Gruppe aus Keyenberg spricht vor allem die Kinder in den Umsiedlungsorten Keyenberg, Kuckum, Unter- und Oberwestrich und Berverath an. Ihr Zusammengehörigkeitsgefühl soll gestärkt und auch in Zeiten der Umsiedlung eine unbeschwerte Kindheit durch regelmäßige Aktivitäten erhalten werden.

Neben dem offiziellen Heimatpreis hat der Rat auch einen Anerkennungspreis in Höhe von 750 Euro ausgelobt, der an die Dorfgemeinschaft Golkrath-Hoven verliehen wurde. Ihr sei es gelungen, im Rahmen der 900-Jahr-Feier
Golkraths nachhaltige Werte zu schaffen und den Gemeinschaftsgedanken neu zu beleben, erklärte Jansen.

Der Heimatpreis wurde vom Land Nordrhein-Westfalen ins Leben gerufen und soll an Gruppen, Vereine und Personen verliehen werden, die „rein bürgerliches Engagement für Heimat zum Ausdruck bringen und eine möglichst breite Beteiligung aus der Bürgerschaft mobilisieren können“. Dies sahen Jansen und die Jury gleichermaßen in den geehrten Initiativen erfüllt.

Stellvertretend für die Freunde der Burg wurde auch deren Vorsitzender Peter Fellmin für das Engagement um den Erhalt der Erkelenzer Burg als Wahrzeichen der Stadt gewürdigt.

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