Heinsberg: Parkproblem stoppt die Kauflust nicht

Vitale Innenstädte 2018 : Parkproblem stoppt die Kauflust in Heinsberg nicht 

Die Heinsberger Innenstadt ist beliebt – und das längst nicht nur bei den Heinsbergern selbst, sondern insbesondere bei den unzähligen Menschen, die der Kreisstadt jedes Jahr einen oder mehrere Besuche abstatten.

Die neueste Untersuchung im Rahmen des Projektes Vitale Innenstädte der IFH Köln belegt eindeutig, dass die Zahl der Gäste von außerhalb mit 53,8 Prozent im Jahr 2018 nahezu unverändert hoch wie im Jahr 2016 und vor allem deutlich höher als bei Städten vergleichbarer Größe liegt. Hier ergibt der Anteil der Innenstadtbesucher von außerhalb der Stadtgrenzen gerade einmal 37,3 Prozent. Und das Tollste: Letztlich führt der Besucherstrom dazu, dass der Einzelhandel seinen Umsatz zwischen 2016 und 2018 um 29 Millionen Euro steigern konnte – einem allgemein boomenden Online-Handel zum Trotz.

Nur 116 Städte in Deutschland seien letztlich bereit gewesen, am Projekt Vitale Innenstädte 2018 mitzuwirken, erklärt Gewerbevereinsvorsitzender Peter Heinrichs. „Wir trauen uns, da mitzumachen. Man läuft natürlich Gefahr, dass auch Dinge aufgezeigt werden, bei denen man nicht so gut wegkommt. Die Benotung der Parkplatzsituation durch die Befragten hat sich zum Beispiel verschlechtert.“

Von 3,3 auf 3,6 sei sie gesunken, sagt er. Für Bürgermeister Wolfgang Dieder aber kein Grund, zu kneifen. „Es ist  wichtig, die Leute zu fragen, die betroffen sind, wie sie die Infrastruktur empfinden. Sonst bleibt man stehen. Da muss man wissen, wo der Schuh drückt.“ Bei der Parkplatzsuche ist dies immer wieder der Fall. Wenn spätestens in den Sommerferien das alte Gebäude der Sonnenscheinschule an der Westpromenade abgerissen werde, sollen 80 bis 100 dadurch neu zu gewinnende Parkplätze Erleichterung verschaffen.

Ob das reichen wird, ist fraglich, denn Dieder weiß: „Die Attraktivität Heinsbergs als Einkaufs- und Arbeitsstadt steigt ständig.“ Waren im Jahr 2014 15.300 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte registriert, so lag deren Zahl im Jahr 2017 schon bei 16.600. Dass der Einzelhandelsumsatz von 255 Millionen Euro im Jahr 2016 auf 284 Millionen Euro im letzten Jahr gestiegen sei, bleibe ja auch nicht ohne Folgen, meint Dieder. „Irgendwer muss ja gekommen sein und gekauft haben.“ Heinsberg liege nunmal auf Platz eins in der Einzelhandelsbilanz auf Kreisebene.

„Bei der Demografie fällt auf, dass sich bei uns vielmehr junge Leute aufhalten, als in den Vergleichsstädten“, ergänzt Heike Northemann, die Geschäftsführerin des Gewerbe- und Verkehrsvereins. „Das Durchschnittsalter ist bei uns mit 44 Jahren vier Jahre niedriger.“

Obwohl sich herausgestellt hat, dass die Besucher das gastronomische Angebot in der Innenstadt mit der hervorragenden Note 1,9 bewerten, scheint dies dennoch nicht der primäre Grund für einen Besuch zu sein. Heinrichs sieht es so: Die Leute kommen wegen des Einzelhandels in die Stadt und bleiben wegen der Gastronomie. Man muss es wie ein Gesamtkunstwerk sehen. Das Einzelhandelsangebot in Verbindung mit der Gastronomie ist die perfekte Kombi. Selbst temporäre Leerstände tun da keinen Abbruch.“

Die Befragten hätten sich auch grundweg positiv zu den in der Stadt kontinuierlich stattfindenden Veranstaltungen geäußert, ergänzt Northemann. Ob nun Bier- und Bratwurstfest, Weinfest, Weihnachtsmarkt oder die Verlegung der Kirmes in der Innenstadt. „Alles, was mit Kulinarik zu tun hat, bringt die Leute zusammen. Und sie bleiben stundenlang“, weiß Dieder aus eigener Erfahrung.

Hatten sich die Heinsberger 2016 noch gewundert, dass die Erreichbarkeit der Stadt mit öffentlichen Verkehrsmitteln nur mit der Note 3,0 bewertet worden war, sind sie mit der 2,7 in 2018 eher zufrieden.

Einen Wermutstropfen sieht Heinrichs allerdings im Hinblick auf die Fußgängerzone. Hier würde er sich eine Öffnung für den normalen Straßenverkehr wünschen, weil dadurch die dortigen Geschäfte besser in den Fokus gerückt werden könnten. Nicht alle Anlieger macht der Gedanke jedoch glücklich, weil ihnen vielleicht zu viel Bewegung und Enge durch Pkw entstehen könnte. Doch Heinrichs vertraut da ganz auf eine alte Händlerweisheit, die da laute: „Wo die Ärsche sich reiben, ist das Geschäft.“