Erkelenz-Schwanenberg: Heinrich Heine hat den Blues: Gedichte und Prosa mit Musik präsentiert

Erkelenz-Schwanenberg: Heinrich Heine hat den Blues: Gedichte und Prosa mit Musik präsentiert

Einen besonderen Abend bereiteten Wolfgang Wittmann und Robert Scholtes den Besuchern in der evangelischen Kirche. Mit dem Titel „Heine hat den Blues“ präsentierten sie Gedichte und Prosa des berühmten Dichters, der wegen seiner kritischen und zornigen Texte zuerst geschmäht und heute gefeiert wird.

Wittmann brachte dem Publikum die Texte Heines auf besondere Weise näher: mit Musik. Das haben zwar schon viele getan, doch Wittmann wählte dafür den Blues. „Blues ist der verkörperte Widerspruch, voller Ironie und Doppeldeutigkeit“, verriet er dem Publikum. Daher passe die Musik zum Werk Heines. Und so erstaunt, wie man über die Vielfalt des Werkes Heines sein konnte, so sehr überraschte auch, wie vielseitig der Blues sein kann, wenn zwei Musiker wie Wittmann und Scholtes ihn spielen.

Mit Leichtigkeit gelang es den beiden, den passenden rhythmischen Teppich unter die Texte zu legen, wodurch Heine posthum zum Bluespoeten wurde. Heines Verhältnis zu den Frauen wurde ebenso dargestellt wie das zur Religion und den politischen Gegebenheiten der Zeit.

Spitze Polemiken

Aber auch spitze Polemiken, etwa über den damaligen Gassenhauer vom „Jungfernkranz“, der ihm wohl gehörig auf den Wecker gegangen sein muss, wussten die beiden Musiker lebendig und pointiert zu präsentieren. Da war „das rote Sefchen“, die feurige Tochter des Scharfrichters, zu der sich der junge Heine hingezogen. Und auch seine Cousine Amalie begehrte er.

Auch die gerne weinselig vorgetragene „Loreley“ bekam durch Wittmanns Interpretation eine andere, für viele vielleicht erstmals tiefere Bedeutung. Der Autor, der im französischen Exil von seiner Düsseldorfer Heimat träumte, behielt zeitlebens ein zwiespältiges Verhältnis der Hassliebe zu seiner Heimat.

Durch die Musik hatten die Zuhörer die Möglichkeit, den oft missverstandenen Künstler von einer neuen Seite kennenzulernen. Denn wirklich viel ist eigentlich nicht bekannt über Heine, der heute als einer der größten deutschen Dichter gilt.

Stilistisch schwebt er mit seinen Texten, die er mit spitzer Feder schreiben verstand, zwischen Romantik, Vormärz und Jungem Deutschland. Den reaktionären Kräften war der „Jude Heine“ ein Dorn im Auge, den Linken war er zu „großbürgerlich und dekadent“. Bei den Nazis wurden seine Bücher verbrannt und verboten, obwohl sie seine Ode an die Loreley auch irgendwie „völkisch“ und sexy fanden.

Neben den Texten erzählte Wittmann aber auch viel Wissenswertes über Heine als Mensch. „Sein Schicksal war, dass er immer Teil von etwas war, an dem er nicht Anteil hatte“, erläuterte Wittmann. Robert Scholtes ist Musiklehrer und war an den Tasten dabei. Neben der Zusammenarbeit mit Wittmann spielt er aber auch in anderen Bands, zum Beispiel dem Trio Gedankenspiel.

Wolfgang Wittmann war Lehrer am Cornelius-Burgh und ist seit Jahren mit seinen anspruchsvollen Bühnenprogrammen, unter anderem über Büchner und Goethe, zu sehen. In Schwanenberg hätte man ihnen ein größeres Publikum gewünscht.