Heimatverein übergibt Erinnerungsstücke an die Betty-Reis-Gesamtschule

Vitrine in der Betty-Reis-Gesamtschule : Fesselnde Erinnerungsstücke und Erläuterungen

Im Rahmen einer kleinen Feierstunde hat der Heimatverein Wassenberg der Betty-Reis-Gesamtschule eine Vitrine mit Erinnerungsstücken an das jüdische Leben in Wassenberg übergeben. Was gelebte Erinnerung bedeutet, das lebten Schüler der Gesamtschule vor, hieß es.

Unter der Leitung von Claudia Taube gestaltete der Schulchor den musikalischen Rahmen.

Die kleine Eingangshalle zum Neubau habe eine besondere Bedeutung. Wer sich umschaue, werde Fotos von der Namensgeberin der Schule, Betty Reis, entdecken, die stellvertretend für die Opfer des Nationalsozialismus stehe, leitete die Lehrerin Sabrina Gerres in die Feierlichkeiten ein. Der Raum schaffe mit seinen Bildern und Hinweisen aber auch die Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart. In diesen Kontext passe deshalb auch die Vitrine mit ihren vielen Erinnerungsstücken an das Schicksal und die Geschichte der ehemaligen jüdischen Mitbürger von Wassenberg, ergänzte Gerres. Die Betty-Reis-Gesamtschule sei aus Überzeugung eine Schule gegen Rassismus und Schule mit Courage.

Dass diese Aufgabe gelebt wird, das belegte der Beitrag von Etienne Ipsch und Lara Schmitz aus dem 10. Jahrgang. „Wir beschäftigen uns mit der Erinnerungskultur und dem Leben der Betty Reis“, betonten sie in ihrer Ansprache an die 5. Klassen. Dies verlange auch eine Beschäftigung mit den Menschen, die als Nazis in der Geschichte bekannt seien. „Das sind die Menschen, die andere ausgrenzten und unterdrückten.“

Sich zu erinnern und nicht vergessen, dazu gebe es einige praktische Hinweise, gaben sie den Jüngsten in der Schulgemeinschaft Tipps. „Als erstes setzt unsere Schule ein Zeichen und steht mit ihrem Namen für die Erinnerung“, betonte Etienne Ipsch. Stolpersteine würden Hinweise auf bestimmte Orte in Wassenberg geben, an denen jüdisches Leben einmal stattgefunden habe, ergänzte Lara Schmitz. Neben dem Synagogenplatz erhielten die Fünftklässler auch noch Hinweise auf den jüdischen Friedhof und einen Ahornbaum, den der überlebende Bruder von Betty, Walter Reis, im Jahr 2005 aus Kanada mitgebracht hatte.

Zuvor hatte Sepp Becker sich in seiner Ansprache an die Schüler auch auf Walter Reis bezogen. Anhand von vier Gegenständen – der Hausnummer des Hauses der Familie Reis, Teilen des Silberbestecks der Familie Reis, einem Buch der Mutter von Betty Reis und einer Kaffeekanne – fesselte Becker seine Zuhörer mit den dazugehörenden Geschichten und brachte den jungen Schülerinnen und Schülern das Schicksal der getöteten jüdischen Familien in Wassenberg näher.

Zum Ende formulierte Schulleitungsmitglied Dr. Ludger Herrmann seinen Dank an die Mitwirkenden und wünschte sich in der Tradition der Erinnerungskultur: „Erzählt allen Mitschülern, die nicht teilnehmen konnten, von dem eben Gehörten und Erlebten.“

Die Vitrine mit ihren vielen Exponaten wird zur Wunscherfüllung als roter Faden der Erinnerung dienen können.

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