Erkelenz: Heimatverein: Neugründung und Neuland

Erkelenz: Heimatverein: Neugründung und Neuland

Der Heimatverein der Erkelenzer Lande befasst sich mit der Identität und Tradition der Stadt. Der Verein selbst hat auch eine wechselhafte Geschichte, wie der Vorsitzende Günther Merkens berichtet. Denn die Ursprünge des Vereins reichen bis in die 20er-Jahre des 20. Jahrhunderts zurück.

Als „Geschichts- und Altertumsverein“ wurde er 1920 gegründet und 1933 nach der Machtergreifung der Nazis „gleichgeschaltet“. 1948 wurde er wiedergegründet. Schon damals sorgte er durch Studienfahrten zu den ehemaligen Feinden für Völkerverständigung. Ab 1952 schuf er durch seinen Heimatkalender ein Forum für Heimatforscher und ihre Arbeitsergebnisse. „Durch die kommunale Neugliederung 1972 wurde dem Verein quasi sein Geschäftsgebiet entzogen“, sagt Merkens. „Mit dem alten Kreis Erkelenz verschwand auch der Heimatverein in der Versenkung.“

Der Vorsitzende Friedel Krings und die rund 160 verbliebenen Mitglieder stellten ihre Aktivitäten ein, bis am 13. Juni 1980 die mittlerweile dritte Gründung des Heimatvereins vollzogen wurde. Franz Josef Pangels wurde zum Vorsitzenden gewählt. Bis zu seinem Tod 2004 hielt er das Amt inne, sein Nachfolger wurde Günther Merkens. Seit der Neugründung dabei sind auch Theo Görtz, der heute die Geschäftsstelle des Heimatvereins leitet, und Hatto Haak.

Unter neuer Führung begann die Erfolgsgeschichte des Heimatvereins: Rund 1300 Mitglieder, ein vielseitiges Programm an Tages- und Studienfahrten in die nähere Umgebung wie ins Ausland und die über die Grenzen der Region hinaus anerkannten wissenschaftlichen Symposien und Ausstellungen sind Belege.

Nicht vergessen werden dürfen die Schriftenreihe, die mittlerweile 28 Bände umfasst, der Bildband über Erkelenz und die Übersetzung und Kommentierung der in Fachkreisen bekannten Bauxchronik, mit der der Verein im kommenden Jahr an die Öffentlichkeit gehen will. Allein für dieses Projekt, bei dem eng mit dem Mannheimer Geschichtsprofessor Hiram Kümper zusammengearbeitet wird, hat der Heimatverein rund 30 000 Euro zur Verfügung gestellt.

Die Zusammenarbeit mit der Wissenschaft macht sich für den Verein bezahlt. So waren die Symposien über das Pilgerwesen im Rheinland, die Hohenbuscher Handschriften und den Heimatbegriff ebenso durch die enge Zusammenarbeit mit dem Düsseldorfer Professor Helmut Brall-Tuchel möglich geworden wie die Ausstellungen über Arnold von Harff und Anton Raky.

„Die Arbeit wird geschätzt“, sagt Merkens. Ein aktuelles Beispiel hatte er parat: Die Anmeldung für eine Tagesfahrt ins niederländische Middelburg hat begonnen. „Ab zehn Uhr konnten sich die Mitglieder melden. 20 Minuten später waren bis auf zwei Plätze alle vergeben.“ Gerade die Tagesfahrten seien ein wichtiger Bestandteil der sozialen Betreuung für viele Senioren — Kunst, Kultur und Stadtführungen anstatt Butterfahrt und Verkaufsprogramm. „Die Qualität unserer Angebote hat sich herumgesprochen“, sagt Görtz. Bei ihm in der Geschäftsstelle ist das Programm für 2016 erhältlich.

Neben dem Blick zurück ist auch ein kritischer Blick auf die Gegenwart Aufgabe des Heimatvereins, erklärte Mercks: „Seit seiner Gründung 1948 hat sich der Heimatverein immer wieder um ein Heimatmuseum in Erkelenz bemüht.“ Das Heimatmuseum unter dem Dach des Alten Rathauses hatte den Weltkrieg nicht überstanden. „Nun bauen wir ein virtuelles Heimatmuseum auf, das sich dem Verlust der Heimat widmet. Damit betreten wir Neuland.“ Am Beispiel des Ortes Keyenberg, der auch dem Braunkohletagebau weichen muss, wolle man diesen Verlust dokumentieren.