Heilig-Kreuz-Kapelle in Kipshoven ist nach Sanierung fertiggestellt

Heilig-Kreuz-Kapelle in Kipshoven : Atemberaubende Schönheit aus dem Jahr 1492

Eins kam zum anderen, da ist es dem Kapellenvorstand der Heilig-Kreuz-Kapelle in Kipshoven nicht anders ergangen als jedem, der renoviert. „Angefangen hat es damit, dass Gewölbe und Wandmalereien konserviert und die Wände unterhalb der Fresken gereinigt werden sollten“, erinnert sich Hedwig Klein vom Kapellenvorstand an die Anfänge im Jahr 2014.

Dann stellte sich heraus, dass die Standsicherheit der Gewölbesicherung wieder hergestellt werden musste. Der festgestellte Holzwurmbefall machte die anfänglich überschaubare Renovierung dann zu einem zeit- und kostenintensiven Rundumschlag. „Jedes einzelne Holzteil, Bänke, Statuen und Bilderrahmen sind aus der Kapelle getragen worden, um den Holzwurm zu beseitigen.“

Altarschrein und Altarsockel brauchten ebenfalls eine Restaurierung. Die Regeltechnik der Heizung musste modernisiert werden, die wertvollen Fresken brauchen eine genaue Überwachung des Feuchtehaushalts im Kirchenraum. Da fiel die Restaurierung des barocken Leinwandgemäldes mit der Kreuzigungsszene kaum noch ins Gewicht. Fünf Jahre lang stand die Kapelle im Fokus von Restauratoren, Statikern, Sachverständigen und Fachbetrieben. Nun sind die Arbeiten abgeschlossen und die Heilig-Kreuz-Kapelle erstrahlt in neuem Glanz.

275.000 Euro hat die Renovierung gekostet. Die Mittel dazu kamen von der Prälat-Dr.-Erich-Stephany-Stiftung, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und dem Kulturfonds des LVR. Auch Landes- und Bundesmittel sowie Kirchensteuergelder wurden eingesetzt, wie die kleine goldene Tafel im Innenraum der Kapelle informiert.

Sie ist schon etwas ganz Besonderes, die kleine denkmalgeschützte Kapelle. Die gotische dreischiffige Backsteinhalle mit dem prächtigen neugotischen Altarschrein wurde 1492 erbaut und sorgte bei Renovierungsarbeiten 1968/69 für Furore. Da sollten eigentlich nur die feuchten Stellen im Innenraum beseitigt werden. Der Handwerker wollte aber genau wissen, wie viele Farbschichten in der weißgestrichenen Kapelle übereinander lagen und sorgte für eine kleine Sensation.

Denn unter sieben Farbschichten kam die mittelalterliche Innenbemalung mit spätgotischem Rankenwerk und figürlichen Motiven aus dem Jahr 1522 zum Vorschein. Auch bei der jetzigen Renovierung wurde ein kleiner Schatz gehoben. Ein relativ unbeachtetes Holzkreuz, das in der Sakristei hing, wurde von einer Restauratorin als äußerst wertvoll eingestuft und restauriert. Nun hängt es im Innenraum der Kirche.

Kulturhistorisch ist die Kapelle ein „Kleinod am Niederrhein“, das beweisen auch die vielen Besuchergruppen, die Hedwig Klein durch die Kapelle führt. Aber auch als Mittelpunkt des christlichen Lebens in Kipshoven hat die Kapelle bis heute ihren festen Platz. Davon zeugen regelmäßige Gottesdienste, Rosenkranzgebete und Kreuzwegandachten. Brautpaare aus naher und ferner Umgebung geben sich hier das Ja-Wort, Silber- und Goldhochzeiter bedanken sich hier für den gemeinsamen Lebensweg.

Hedwig Klein ist froh über die Mitstreiter, die sich um das Wohl der Kapelle kümmern: „Als die letzte Küsterin ging, haben wir alle anfallenden Arbeiten auf sechs bis sieben Schultern verteilen können.“ Sie selber ist gleich neben der Kapelle großgeworden, schon ihr Vater war Mitglied des Kapellenvorstandes. „Wir Kinder des Kapellenvorstandes wurden regelmäßig eingesetzt, das Unkraut rund um die Kapelle zu beseitigen“, erinnert sie sich an ihre Kindertage.

Ganz gleich, welcher Grund die Schritte des Besucher in die Kapelle führt, ob kulturhistorisches Interesse oder die Suche nach Gebet und Gemeinschaft, alle heißt die Kapelle mit atemberaubender Schönheit und wohltuender Stille willkommen.

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