Hawaii-Sieg nach vielen Rückschlägen

Serie „In der weiten Welt“ : Hawaii-Sieg für Beate Görtz nach vielen Rückschlägen

Als Beate Görtz aus Doveren noch das Gymnasium in Hückelhoven besuchte, schickte ihre Sportlehrerin sie einmal auf die Laufbahn im Stadion. Es ging um Ausdauer. Wie viele Runden würde sie schaffen? Beate Görtz drehte eine Runde nach der anderen. Sie hörte einfach nicht auf zu laufen.

„Da habe ich gemerkt, dass ich ein Ausdauertalent habe“, sagt sie. Aber das Talent wurde damals nicht weiter gefördert. Wäre sie damals schon in den Leistungssport eingestiegen, vielleicht würde sie heute in einer Reihe mit Jan Frodeno und Anne Haug genannt.

Den Sprung in die Weltspitze hat Beate Görtz trotzdem geschafft. Sie hat den Ironman auf Hawaii in der Altersklasse 50 bis 54 gewonnen. Weltmeistertitel in Weltrekordzeit. Fordeno und Haug, die großen Stars dieses Sports, gewannen bei den Profis.

Beate Görtz, 50 Jahre, hat im Triathlon-Zirkus schon viel erlebt. 2007 schnupperte sie zum ersten Mal in diesen Dreikampf hinein. Das war für Görtz damals spannender, als Marathon zu laufen. Sie arbeitete hart und verbesserte sich auch dank eines Spezialtrainers sehr schnell. 2009 startete sie in Roth, bei einem deutschen Triathlon-Klassiker, im gleichen Jahr gewann sie in Köln. 2010 und 2011 holte sie ihre ersten beiden WM-Titel (in ihrer Altersklasse) auf Hawaii. 2013 bis 2017 hatte sie eine Profilizenz. „Das waren vier megaerfolgreiche Jahre“, sagt sie. „Ich war in der kompletten Welt unterwegs. Es ist ein Traum, das alles erleben zu können“, sagt Görtz. Trotz Profi-Status arbeitete sie übrigens voll in ihrem Job weiter.

Dass es nun beim Rennen auf Hawaii wieder so gut lief, wusste Beate Görtz jedoch lange gar nicht. Sie hatte zwar ein paar Leute am Streckenrand, die sie immer wieder mit Informationen versorgten. Sie kam als Sechste aus dem Wasser und konnte sich dann an den Startnummern ihrer Konkurrentinnen in der Altersklasse orientieren. Zwischendurch „irrte“ sie durch die Wüste. Bei Kilometer 40 des abschließenden Marathon hörte sie dann: „Genieße den Zieleinlauf!“ – „Da wusste ich: Ich habe Zeit.“ Am Ende hatte sie 45 Minuten Vorsprung auf ihre erste Verfolgerin.

Auch wenn Görtz überlegen gewann, bleibt der Ironman doch eine gewaltige „Quälerei“, bei der man immer wieder einen Weg finden müsse, sich zu motivieren. „Das ist der absolute Wahnsinn, Hawaii ist ein Biest“, beschreibt Görtz den Mythos Ironman Hawaii. „Diese Hitze gepaart mit dem Alleinsein. Da muss man mental stark sein“, sagt sie. Jeder, der an der Weltmeisterschaft der Langstreckentriathleten teilnehme, sei in der Lage, die 3,86 Kilometer zu schwimmen, die 180,2 Kilometer Rad zu fahren und 42,195 Kilometer zu laufen. Ein gutes Resultat zu schaffen, sei dann am Ende aber vor allem Kopfsache, sagt Görtz. Es sei schließlich die WM, der absolute Höhepunkt, da wollten manche Starter einfach zu viel.

Beate Görtz beim Ironman auf Hawaii. Foto: Görtz

Trotz all ihrer Erfolge ging es jedoch auch für Beate Görtz nicht immer nur steil bergauf. Weil sie so spät zum Triathlon gekommen ist, habe sie immer extrem viel in kurzer Zeit erreichen wollen. Und sie hat ihrem Körper eine Menge zugemutet. Vier Langdistanzrennen in einem Jahr, zwei Langstrecken in zwei Wochen. „Irgendwann hat mir mein Körper die Rote Karte gezeigt“, sagt sie. Mehrere Ermüdungsbrüche und andere Verletzungen sorgten für eine längere Zwangspause. Bis sie von Orthopäden und Physiotherapeuten „richtig behandelt“ wurde und wieder ins Training einsteigen konnte. Im Jahr 2018 schaffte sie dann beim Ironman in Vichy, in Frankreich, die Qualifikation für Hawaii. Also konnte sie sich ein ganzes Jahr auf diesen Höhepunkt vorbereiten. Sie drosselte die Belastung etwas und achtete besser auf ihren Körper. Mit Erfolg.

Beate Görtz lebt mittlerweile in Köln. Aber sie hat den Bezug zu ihrer Heimat nie verloren. Ihr soziales Umfeld in der alten Heimat sei ihr sehr wichtig. Sie fahre zum Beispiel zu Klassentreffen, 50. Geburtstagen und zu ihrer Familie in Doveren. Und vor zwei Jahren hat sie ihren Mann, der aus Köln kommt, in Hückelhoven geheiratet.

Wenn Beate Görtz mit ihren Freunden aus Hückelhoven unterwegs ist, dann sind sie immer auch mit der Sportlerin Beate Görtz unterwegs. Mit der Tanzgruppe „Die Frottee-Bomber“ der Ratheimer KG „All onger eene Hoot“ macht sie einmal im Jahr Urlaub. Morgens um 6 Uhr dreht Görtz dann immer ihre Laufrunde. Etwa 21 Kilometer, und immer bei einem Bäcker vorbei. Denn dann bringt sie die Brötchen für das gemeinsame Frühstück mit.

Einen weiteren Hawaii-Start für das kommende Jahr hat Beate Görtz sich übrigens nicht vorgenommen. Sie verfolgt aktuell ein anderes Ziel: Es sei zwar noch nichts in trockenen Tüchern, aber das „Race across America“ würde sie reizen. Dabei handelt es sich um ein ultralanges Radrennen, das von der Westküste der USA zur Ostküste verläuft. Ziel ist es, die Strecke von etwa 5000 Kilometer in einem festen Zeitlimit zurückzulegen.

Die Frage, „Was wäre wenn?“, hat Beate Görtz sich übrigens mitunter selbst gestellt. Was wäre, wenn sie früh gefördert worden wäre? Wenn sie früh zum Triathlon gekommen wäre? Wäre sie so erfolgreich geworden wie Jan Frodeno und Anne Haug? „Aus heutiger Sicht bin ich extrem dankbar, dass es nicht so gekommen ist“, sagt sie. Profisportler würden schnell hochgejubelt und seien genauso schnell wieder vergessen. Die Verdienstmöglichkeiten seien nur für die wenigen Stars gut. Und man sei extrem abhängig vom eigenen Körper. „Ein Glück, dass es nicht so gekommen ist“, sagt Beate Görtz

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