Hastenraths Will ermittelt

„Die Stunde der Wahrheit“ : Elegante Mischung aus Literatur und Kabarett

Gut gewählte Zutaten sind der Garant von erfolgreichen Rezepten beim Kochen und Backen. Das gilt im übertragenen Sinne auch für erfolgreiche Romane. Und dass die Protagonisten wie der Landwirt Hastenraths Will und die weiteren Figuren in der Dorfkrimireihe von Autor und Kabarettist Christian Macharski für gute Unterhaltung sorgen, ist weit über die Grenzen der Region bekannt. Bei seiner Lesung zum neuen Buch „Die Stunde der Wahrheit“ in der Buchhandlung Gollenstede in Heinsberg erlebte das Publikum einige Überraschungen.

Zu den Zutaten seiner sorgfältig geplanten Lesung gehörten die richtige Beleuchtung, ein Monitor als modernes Medium, ausgewählte Kapitel aus seinem neuen Buch und die gewohnten Sprachfertigkeiten, mit der Macharski sein Publikum sofort auf seine Seite zog.

Sein neuer Krimi mit Hastenraths Will als ermittelnder Landwirt im Mittelpunkt der Handlungen sei wieder ein extrem spannender Fall. Nach eigener Einschätzung sei ihm wieder Hochliteratur gelungen, die zwischen Rosamunde Pilcher und Thomas Mann anzusiedeln sei, betonte Autor Macharski und erntete damit die ersten Lachsalven.

Mit einer Mischung aus derb-realistisch beschriebenen Situationen und Handlungen und den fachlich kompetenten Schilderungen von Verletzungen und Unfallfolgen wusste Macharski seine Zuhörer zu fesseln und gleichzeitig zu unterhalten. Dramaturgisch geschickt ließ er in den vorgelesenen Textteilen Einblick in den roten Faden des neuen Krimifalls nehmen, ohne zu viel zu verraten. Die Überleitungen und Zusammenfassungen gestaltete der Autor in der Lesung durch die Erläuterungen Hastenraths Will am Monitor. So erfolgte die elegante und unterhaltsame Mischung aus Literatur und Kabarett im Rahmen der Lesung.

Dass Macharski sorgfältig recherchierte, war einerseits abzulesen an der Fachsprache wie der fachlich richtigen Diagnose von „dissoziativer Amnesie“ bei Walter, einer der Hauptfiguren im Roman, der sein Gedächtnis verloren hat, sowie andererseits an den korrekten Fachbegrifflichkeiten zu Verwaltungsvorgängen wie der „steuerlichen Betriebs- und Außenprüfung“, mit der Hastenraths Will konfrontiert wurde. Gleichzeitig gaben diese Begrifflichkeiten dem Autor Gelegenheit, seine kabarettistischen Kabinettstückchen in die Lesung einzuflechten. So war sein Lehrvortrag zum Gehirn und dem Gedächtnis ein Sternstündchen seiner Kabarettkunst in der Lesung.

Das Erfolgsgeheimnis lag in der Bedienung des Publikumsgeschmacks, in seiner Beschreibung der derb-herzlichen bis dreist-bäuerlich schlauen Verhaltensweisen seiner Protagonisten und den erlebten Missgeschicken begründet. Seine Figuren ließ der Autor pikante Situationen erleben. Mit der Beschreibung einer Hodenprellung, die Fredi Jaspers bei einem Fußballspiel erlitt, und der dazu notwendigen Therapie und Behandlungsmethode (Hodenbänkchen) ging der Autor bis an die Grenzen des Lachanfalls, aber auch der Zweideutigkeiten. Die Überzeichnung der Romanfiguren wie beim Autohausbesitzer Heribert Oellers und seine Schimpfkanonaden waren Zeugnis der Sprachkreativität des Autors und Baustein der Lacherfolge bei seinen Fans.

Macharskis überregionaler Erfolg war jederzeit nachvollziehbar. Das belegte er auch bei seiner Lesung in der Buchhandlung Gollenstede, ohne das Ende und die weiteren heiter-spannenden Episoden zu verraten. Das bleibt dem Käufer des Buches, das zu lesen sich lohnt, vorbehalten.

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