Kreis Heinsberg: Harte Auflagen und viele Probleme beim Bau der Karnevalswagen

Kreis Heinsberg: Harte Auflagen und viele Probleme beim Bau der Karnevalswagen

Man stelle sich einmal vor, Prinz Franz II. müsste beim diesjährigen Rosenmontagszug zu Fuß durch die Erkelenzer Straßen wandern. Ohne Prinzenwagen. Mitten in den Fußgruppen. Selbst der größte Karnevalsmuffel wird bei dieser Vorstellung wohl zugeben müssen, dass dies ein ungewohntes Bild darstellen würde.

Doch kein Grund zur Panik: Die Zeichen stehen sehr gut, dass der Erkelenzer Straßenkarneval auch in diesem Jahr wieder mit dem festlich geschmückten Prinzenwagen ein wahres Highlight zum Abschluss des Rosenmontagszuges im Gepäck haben wird. Selbstverständlich ist das allerdings nicht. Denn bevor Prinz Franz II. seinen Prinzenwagen erklimmen kann, hat sein Gefährt bereits ein echtes Mammutprogramm absolviert.

Die Zeiten, in denen die Narren in ihren Vereinen und Gesellschaften munter ihre Wagen bauten, dekorierten und einfach auf den Straßen den Jecken präsentierten, sind längst passé. Inzwischen sind die Verantwortlichen seit mehreren Jahren angehalten, ihren Karnevalswagen durch den TÜV Rheinland prüfen zu lassen. Und zwar auf Herz und Nieren. „Die Vorgaben, die man als Karnevalsgesellschaft oder -verein beim Bau des Wagens beachten muss, sind nicht zu unterschätzen“, weiß auch Helmut Jopen, Vorsitzender der EKG.

Die Erkelenzer Gesellschaft wird auch in diesem Jahr den Rosenmontagszug veranstalten. Ganze 46 Wagen werden dann durch die Straßen rollen, allein fünf Wagen stellt die EKG. Doch noch bevor sich die bunten Gefährte überhaupt in den Zug einreihen dürfen, muss für jeden Wagen ein vom TÜV Rheinland ausgestelltes Gutachten vorliegen und beim Veranstalter eingereicht werden. „Wer keins hat, kann nicht dabei sein“, sagt Jopen.

Das gilt selbstverständlich auch für die Karnevalsfahrzeuge des Veranstalters. Eine gute Woche vor dem diesjährigen Rosenmontagszug werden die Prüfer des TÜV Rheinlands auf Seiten der EKG erwartet — ein knappes Zeitfenster. Denn sollten Mängel an den fünf Wagen festgestellt werden, müssten diese innerhalb weniger Tage behoben werden.

Bei größeren Mängeln droht sogar wegen fehlender Zulassung der Ausschluss vom Zug. „Soweit wird es bei uns nicht kommen. Wir sind vorbereitet und wissen, welche Vorgaben wir einhalten müssen“, sagt der gelassene EKG-Vorsitzende. Probleme habe es in den vergangenen Jahren ohnehin nie gegeben, sagt Jopen. „Wir bauen ja nicht jedes Jahr einen neuen Wagen, das ist zu teuer. Wir nutzen etwa den Prinzenwagen mehrere Jahre und schmücken ihn lediglich neu“, verrät er.

Beim TÜV Rheinland lobt man indes das gestiegene Verantwortungsbewusstsein der Karnevalsvereine. „In den vergangenen Jahren hat sich der Zustand der Umzugsfahrzeuge stetig verbessert“, sagt Hans-Ulrich Sander, Kraftfahrtexperte beim TÜV Rheinland. „Die Vereine sind in Sachen Sicherheit sehr sensibel.“

Auch in Heinsberg-Oberbruch haben sich die strengen Vorschriften des TÜV Rheinland herumgesprochen. Trotz der zahlreichen Auflagen, die die Wagenbauer beachten müssen, herrscht bei der KG Brööker Waaterratte als Veranstalter des Rosenmontagszuges in Oberbruch pure Gelassenheit. „Wer an unserem Zug teilnimmt, weiß, worauf er achten muss“, sagt Helmut Frenken, Präsident der KG. Auch ihm sind größere Probleme beim Erlangen der TÜV-Zulassung aus den vergangenen Jahren nicht bekannt. Viel mehr beschäftigen Frenken die Auflagen abseits des Wagenbaus, etwa die Regulierung der Musiklautstärke auf den Wagen.

„Mancher Teilnehmer übertreibt da ganz gerne ein bisschen“, bemängelt der Präsident. „Es wird für uns von Jahr zu Jahr schwerer, Musikvereine für unseren Zug zu gewinnen. Die sind nämlich der Meinung, dass man ihre Musik angesichts der zahlreichen Wagen mit ihren dröhnenden Boxen eh nicht wahrnimmt“, sagt Frenken. Mit den nötigen Ordnungskräften werde man für eine angemessene Musiklautstärke sorgen, versichert er.

Auch in Erkelenz müssen sich die Zuschauer des Zuges keine Sorgen um bleibende Hörschäden machen, obwohl man auch dort mit der Problematik zu lauter Musik vertraut ist. „Beim An- und Abfahren des Platzes darf keine Musik gespielt werden“, sagt Jopen. „Ich bin zuversichtlich, dass es keine größeren Probleme geben wird.“