Waldfeucht: Hallenbad in Haaren droht Trockenlegung

Waldfeucht: Hallenbad in Haaren droht Trockenlegung

Diskussionen im politischen Raum und im Rathaus gab es schon länger zum Thema. Gerüchte in der Bürgerschaft ebenfalls. Das war ein erstes deutliches Anzeichen dafür, dass sich eine Entwicklung anbahnen würde, die trotz aller Rauchzeichen im Vorfeld viele Einwohner der Gemeinde Waldfeucht mit Enttäuschung, vielleicht Verärgerung registrieren werden:

Die Verwaltung hat, auf Drängen der Politik, ein Schließungsszenario für das Hallenbad Haaren erarbeitet — mit zwei möglichen Schließungsterminen, zum einen ab 31. Dezember 2016, zum anderen ab 30. Juni 2022.

Kosten wurden betrachtet, gegenübergestellt. Das Ergebnis lasse nur einen klaren Schnitt zu, konstatiert die Verwaltung. Bürgermeister Heinz-Josef Schrammen betont: „Wir müssen nach Vorgabe der Kommunalaufsicht 2023 eine schwarze Null schreiben. 2023 ist nämlich unser letztes Jahr in der Haushaltssicherung, und da muss der Haushalt ausgeglichen sein.“ Das Defizit, das die Gemeinde beim Hallenbad einfahre, mache in den kommenden Jahren nahezu die Hälfte des gesamten Haushaltsfehlbetrages in Höhe von 800 000 Euro aus. Das könne die Kommune, die sich nun mal an die Zielvorgabe des Haushaltssicherungskonzeptes zu halten habe, nicht schultern.

Schrammen lässt Zahlen sprechen: „Wenn das Bad Mitte 2022 den Betrieb einstellen würde, dann würden wir hier einen Fehlbetrag von 2,3 Millionen Euro verbuchen, jährlich wären dies etwa 400 000 Euro. Würden wir bereits Dezember 2016 schließen, hätten wir bis 2022 ein Minus von rund 780 000 Euro.“ Die Differenz zwischen beiden Fehlbeträgen ergibt 1,5 Millionen Euro, was, rein buchhalterisch, für eine frühere Aufgabe des Badebetriebes spräche. Aber so Knall auf Fall möchte der Bürgermeister die Einrichtung am Alten Kluser Kirchweg nicht aufgeben. „Wir möchten das Bad solange wie möglich den Bürgern vorhalten. Deshalb haben wir nach Möglichkeiten gesucht, die 1,5 Millionen zu drücken.“

Und gefunden: Die Eintrittspreise wurden deutlich angehoben, die Öffnungszeiten geändert, so dass summa summarum bis 2022 zusätzlich 220 000 Euro eingenommen werden. Außerdem: In den fünfeinhalb Jahren des Weiterbetriebs fände der Schwimmunterricht der gemeindlichen Schulen weiterhin in Haaren statt, Fahrtkosten und Eintrittsgelder für andere Bäder würden nicht erforderlich: Es würden geschätzt 137 000 Euro eingespart. Unterm Strich, rechnet der Bürgermeister, verringert sich somit die Differenz auf rund 1,1 Millionen Euro.

Natürlich muss auch die Frage gestellt werden, ob das Bad, das alles andere als ein modern ausgerichtetes Spaßbad ist, eine frische Politur braucht, um mehr Besucher anzulocken. „Die Möglichkeiten zur Attraktivitätssteigerung sind sicher nicht ausgeschöpft, sie führen aber zu keiner Optimierung des Betriebsergebnisses“, entgegnet Schrammen und fügt eine Erkenntnis der Verwaltung hinzu, die angesichts der jetzt geführten Diskussion doch erstaunt: „Das Bad hat eine sehr gute Resonanz, an schwimmfreudigem Publikum mangelt es bestimmt nicht. Wir zählen über 70 000 Gäste jährlich, auch aus den benachbarten Niederlanden und Belgien. Da können wir uns, wenn wir den Zahlenvergleich mit anderen Kommunen heranziehen, nicht beklagen.“ Im gleichen Atemzug schickt der Bürgermeister das große, alles entscheidende Aber hinterher: „Ein Bad ist, nicht nur in Waldfeucht, ein Zuschussgeschäft.

Das ist seit jeher so. Aber in diesen Zeiten, in denen den Kommunen finanziell immer mehr und immer öfter Aufgaben aufgebürdet werden, kann sich eine kleine Gemeinde wie Waldfeucht mit 9000 Einwohnern das, was sicher wünschenswert ist, nicht mehr leisten.“ Das Aus für das Bad sei ein herber Verlust, aber er sehe keine Alternative, bedauert Heinz-Josef Schrammen. Die Freiwilligen Leistungen seien nicht weiter zu kürzen, diese tendieren eh schon gegen null Prozent. Auch die Steuern und Abgaben für die Bürger könnten nicht gegen unendlich erhöht werden.

Im Haarener Hallenbad wird, irgendwann, der Ablassstopfen gezogen. Früher oder später? Das ist die Frage. Mit der wird sich der Waldfeuchter Gemeinderat im Dezember befassen und eine Entscheidung treffen müssen. Ein einheitliches Meinungsbild scheint es in der Causa Hallenbad nicht zu geben. Bürgermeister Schrammen selbst räumt ein: „Im Vorfeld hat es mehrere interfraktionelle Gespräche gegeben. Das Thema wurde in alle Richtungen diskutiert.“

Ein Beschluss, der die von der Verwaltung favorisierte Schließungsvariante 30. Juni 2022 beinhaltet, bietet nach Worten Schrammens die Chance zur Kehrtwende für den Fall, dass in dem fünfeinhalbjährigen Zeitfenster ein aussichtsreicher Gegenfinanzierungsvorschlag eingebracht oder sich eine wesentliche Etatverbesserung einstellen würde. „Bis 2022 bliebe allen Zeit zum Handeln“, sagt Schrammen. Zeit etwa für Bürgerbefragungen, für einen Bürgerentscheid, für die Gründung eines Fördervereins (Stichwort Bürgerbad) und für die Suche nach einem Privatinvestor.

(dawin)