Hallenbad Haaren: Im Sommer geschlossen – aber gerettet

Hallenbad Haaren: Im Sommer geschlossen – aber gerettet

Sparpläne für das Hallenbad Haaren: Die Waldfeuchter Verwaltung will mit der Gemeinde Gangelt kooperieren. Von Anfang Mai bis Ende August soll das Hallenbad Haaren geschlossen bleiben, dann ist das Freibad in Gangelt geöffnet. Außerdem möchte man Personal austauschen. Die Politik hat das letzte Wort.

Die Waldfeuchter Gemeindeverwaltung möchte den Fortbestand des Hallenbades in Haaren mit einem neuen Betriebsmodell sichern. Kern dieses Konzeptes ist eine Kooperation mit dem Freibad in Gangelt. Anfang Dezember berät die Politik über die nun von der Gemeinde vorgelegten Pläne.

Ziel der gemeindeübergreifenden Kooperation ist aus Waldfeuchter Sicht, die Kosten und damit auch das Defizit des Bades zu senken. „Meine persönliche Überschrift lautet: den Schwimmbadbetrieb retten“, sagte Bürgermeister Heinz-Josef Schrammen (CDU).

Zuletzt sorgte das Hallenbad für Miese in Höhe von 450.000 Euro im Jahr. Das führte dazu, dass die komplette Schließung des Schwimmbades im Jahr 2022 im Raum stand. Darüber und über etwaige alternative Betreibermodelle sollte im Rahmen eines Bürgerentscheides in Verbindung mit der Kommunalwahl 2020 abgestimmt werden. Im Laufe des Jahres verdichteten sich jedoch die Anzeichen, dass die Verwaltung einen anderen Weg finden könnte, das Bad zu erhalten. Hintergrund ist auch die deutlich verbesserte Haushaltslage der Gemeinde. Während Kooperationsgespräche mit der Stadt Heinsberg scheiterten, fanden die Verantwortlichen der Gemeinden Gangelt und Waldfeucht zusammen. Das Ergebnis: Das Bad zu schließen, sei nun nicht mehr nötig, argumentiert die Verwaltung in einer Vorlage zum Schul- und Kulturausschuss, die am Mittwoch veröffentlicht wurde.

Darin beschreibt sie auch das nun erarbeitete Konzept. Demnach soll das Haarener Hallenbad von Anfang Mai bis Ende August geschlossen bleiben. In diesen vier Monaten ist das Freibad in Gangelt geöffnet. Mit der Gemeinde Gangelt habe man vereinbart, das Personal, insbesondere die Bademeister, nach Bedarf auszutauschen. Die Kosten sollen jährlich zwischen den Kommunen abgerechnet werden. Aktuell verfügt die Gemeinde Waldfeucht über zwei Schwimmmeister.

Weiterhin soll es gemeinsame Jahreskarten für beide Bäder geben. Zudem solle das Frühschwimmen nur noch dienstags und donnerstags stattfinden, in den Herbst- und Osterferien solle das Bad dafür ganztägig von 9 bis 21.15 Uhr öffnen. Das soll „während der achtmonatigen Betriebszeit ein verlässliches Angebot“ schaffen.

Gemeinsame Jahreskarte: Das Freibad in Gangelt (Foto) soll im Sommer auch Anlaufpunkt für Badegäste aus Waldfeucht sein. Foto: Karl-Heinz Hamacher

Bliebe das Hallenbad künftig tatsächlich für ein Drittel des Jahres geschlossen, könnte die Gemeinde beim Personal (80.000 Euro), beim Wasser (26.000 Euro) sowie bei Strom- und Heizkosten (14.000 Euro) sparen – insgesamt 120.000 Euro. Ihr gingen aber auch 40.000 Euro an Eintrittsgeldern durch die Lappen. Es bliebe also ein Defizit von 370.000 Euro.

Diese Zahl wird in dem vorliegenden Papier weiter relativiert: Wäre das Bad dauerhaft dicht, müsse die Gemeinde das Schulschwimmen neu organisieren. Das koste jährlich 25.000 Euro, so die Annahme. Weiterhin gebe es seit diesem Jahr ein Plus beim Sockelbetrag der Sportpauschale, die das Land an die Kommunen zahlt. Die zusätzlichen 20.000 Euro aus dieser Pauschale sollen direkt für das Bad eingesetzt werden.

Am Ende bleibt aber dennoch ein Defizit. Folgt der Rat dem Vorschlag der Verwaltung, dann bedeutet das auch: „Der Rat steht zum Schwimmbad und zu dem Defizit. Das heißt, wir sind bereit, weiterhin 350.000 Euro im Jahr dafür auszugeben“, sagte Schrammen. Gespräche mit einer Beratungsgesellschaft hätten ergeben, dass das Defizit des Haarener Hallenbades im Vergleich zu Bädern in anderen Kommunen nicht sehr hoch sei. Allerdings sei ein solches Defizit für eine kleine Gemeinde viel schwieriger zu tragen als für eine größere Stadt.

Laut Verwaltung seien in die Überlegungen zur Neuausrichtung des Hallenbadbetriebes auch Ergebnisse aus Gesprächen mit den Schulleitungen, der DLRG, verschiedenen Nutzergruppen, der Pächterin der Hallenbadgaststätte und mit dem Badpersonal eingeflossen. „In allen Gesprächen wurde großes Verständnis für die neue Konzeption signalisiert, wenn dadurch der Weiterbetrieb des Hallenbades gewährleistet werden könnte“, heißt es in der Vorlage der Verwaltung.

Die ersten Reaktionen aus dem politischen Raum fielen weitgehend positiv aus. Die CDU-Fraktion befürworte das Konzept, sagte Fraktionsvorsitzender Franz Dieter Janßen. Einerseits sei die CDU für den Erhalt des Bades, andererseits könne man nur das beschließen, was man sich auch leisten kann. Diese Gratwanderung sei mit dem Vorschlag, der nun auf dem Tisch liegt, möglich.

Thorsten Neumann, Fraktionsvorsitzender der SPD, sagte, dass er im Grundsatz mit der Kooperation einverstanden sei. Dass man das Hallenbad dank der Kooperation weiterbetreiben könne, bewertete er positiv: „Eine Schließung wäre ein harter Schlag ins Kontor für Waldfeucht und die Nachbarkommunen gewesen.“ In Stein gemeißelt sei eine Entscheidung pro Hallenbad aber nicht: Denn die Politik müsse sich bei jeder großen Reparatur ohnehin wieder mit dem Thema befassen.

Birgit Frenken, Fraktionsvorsitzende der Grünen, ist erst einmal „heilfroh, dass die Schließung abgewendet werden kann“. Hinter der viermonatigen Schließung im Sommer stehe sie aber nicht hundertprozentig. „Vielleicht könnte man es doch schaffen, das Bad durchgehend geöffnet zu halten“, sagte sie.

Auch Norbert Tholen, FDP-Fraktionsvorsitzender, begrüßt die Überlegungen der Verwaltung im Grundsatz: „Sie gehen in die richtige Richtung. Ob sie weitgehend genug sind, ist im Moment noch fraglich.“

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