Hallenbad Haaren: Das Kooperationskonzept bleibt umstritten

Hallenbäder Haaren und Gangelt: Das Kooperationskonzept bleibt umstritten

Dass das Hallenbad in Waldfeucht-Haaren im Sommer geschlossen werden soll, geht den Grünen zu weit. Die FDP sieht in dem Konzept der Verwaltung keinen großen Wurf. Trotzdem ist die Zustimmung im Ausschuss groß.

Nach kontroverser Diskussion war das Abstimmungsergebnis am Ende trotzdem recht deutlich: Der Schul- und Kulturausschuss der Gemeinde Waldfeucht hat das neue Betriebsmodell für das Hallenbad Haaren, das eine Kooperation mit der Gemeinde Gangelt vorsieht, mit großer Mehrheit gebilligt. Es gab eine Gegenstimme von Birgit Frenken (Grüne) und wenige Enthaltungen. Mit diesem Konzept (siehe Infobox) möchte die Gemeinde das Defizit von aktuell 450.000 Euro reduzieren. Die Einsparungen beim Personal, bei Wasser, Strom und Heizung sollen 120.000 Euro bringen. Dagegen muss die Gemeinde voraussichtlich auf Eintrittsgelder in Höhe von 40.000 Euro verzichten.

Strittig blieben die Fragen, ob das Bad tatsächlich im Sommer vier Monate lang geschlossen bleiben muss und ob die Einspareffekte groß genug sind. Auch wenn die Abstimmung ein deutliches Bild ergab, führte die Diskussion in diesen Punkten nicht zu einem Konsens.

Dass das Hallenbad im Sommer vier Monate lang geschlossen werden soll, „geht uns zu weit“, sagte Frenken. Sie sagte, dass ein Großteil der Nutzer an Kursen teilnehme, zum Beispiel bei der Rheuma-Liga oder der Lebenshilfe. „Ich sehe die Gefahr, dass die Kurse abwandern und sich ein anderes Schwimmbad suchen. Das wäre dramatisch für uns“, sagte Frenken. Denn das führe dauerhaft zu geringeren Eintrittseinnahmen.

Bürgermeister Heinz-Josef Schrammen (CDU) sagte, dass es sich in der Tat um einen großen Einschnitt für die Vereine und Gruppen handele. Er sei jedoch überzeugt, dass die Gemeinde handeln müsse, um die Zukunft des Bades zu sichern. Frenkens Sorge teilte er allerdings nicht. „Uns ist keine Gruppe bekannt, die nicht mehr kommen will“, sagte er. Im Gegenteil: Es gebe bereits Anfragen von Gruppen aus dem Gangelter Raum, die wegen der Kooperation der beiden Bäder auch gerne nach Haaren kommen würde. Zudem werde auch das Schulschwimmen dank der neuen Gesamtschule Heinsberg-Waldfeucht ausgebaut. Alle sechsten Klassen der Standorte in Oberbruch und Haaren sollen demnächst im Haarener Hallenbad Schwimmunterricht bekommen. „Wir haben nicht die Befürchtung, dass uns die Eintrittsgelder wegbrechen“, sagte Schrammen.

Mit Blick auf die Eintrittsgelder sagte Kämmerer Johannes Blank, dass die Einnahmen im Sommer mit rund 5000 Euro im Monat ohnehin nur halb so hoch seien wie in den Wintermonaten. Außerdem schaffe man in den acht Monaten, in denen das Bad geöffnet sein soll, Planungssicherheit: „Die Gruppen haben die Möglichkeit, sich in den acht Monaten zu arrangieren. Das ist ein verlässliches Angebot“, sagte Blank.

Jörg van den Dolder (Grüne) machte eine andere Kosten-Nutzen-Rechnung auf: In dem neuen Konzept sei das Bad ein Drittel des Jahres geschlossen. Die Kosten reduzieren sich aber nicht einmal um 20 Prozent: „Man bekommt für viel Geld noch weniger Schwimmbad.“

Schrammen erwiderte, dass es nun erst einmal darum gegangen sei, das Bad zu retten. Und das komme seiner Wahrnehmung nach in der Bevölkerung gut an. Norbert Tholen (FDP) sagte, dass man nicht auf den eigentlich angedachten Bürgerentscheid verzichten solle. „Ein Hallenbad ist Luxus. Dann sollte man den, der ihn bezahlt, auch fragen, ob er sich diesen Luxus leisten will“, sagte er. Schrammen befürchtete jedoch, dass eine solche Befragung zum Aus des Bades führen könnte – was nicht im Sinne der Verantwortlichen sei.

Im Grundsatz findet Tholen, dass der Vorschlag der Verwaltung in die richtige Richtung geht. Aber: „Das ist nicht der große Wurf.“ Tholen: „Ich weiß nicht, ob diese relativ geringe Einsparung dazu führen muss, das Hallenbad in den Sommermonaten komplett zu schließen.“ Andererseits befürchtet er, dass die Kosten für das Bad wieder Bauchschmerzen verursachen, sobald es der Gemeinde finanziell wieder schlechter geht. Ein großer Teil des Haushaltsausgleich resultiere aus Grundstücksverkäufen, sagte Tholen: „Irgendwann haben wir keine Grundstücke mehr, die wir verkaufen können, um Löcher zu stopfen.“ Und auch der nächste wirtschaftliche Abschwung komme früher oder später. Und dann stehe das Defizit wieder auf der Agenda.

Forderungen von Frenken und Tholen, das Hallenbad in den Sommermonaten zeitlich oder räumlich eingeschränkt nur für Gruppen zu öffnen, wies Schrammen zurück: „Dann machen wir uns unseren Einspareffekt kaputt.“

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