Heinsberg: Grundwasserprobleme: Keine schnelle Lösung in Sicht

Heinsberg: Grundwasserprobleme: Keine schnelle Lösung in Sicht

Schon mehrfach habe er der Stadt Lösungen für das Problem des hohen Grundwasserpegels und der vielen feuchten Keller in Schafhausen, Grebben und Oberbruch präsentiert, sagte Hans-Josef Heuter als ehemaliger Unternehmensbereichsleiter der oberirdischen Gewässer beim Wasser-Verband Eifel Rur. „Nur eine schlüssige Antwort haben ich und die betroffenen Bürger bis heute nicht erhalten.“

Sein Lösungsvorschlag, das Pumpen-Know-how des Industrieparks in Oberbruch zur Absenkung des Grundwassers für ein temporäres Wasserrecht wieder auf Dauer zu nutzen durch die Stadt, die ja dann die entstehenden Kosten als Umlage im betroffenen Gebiet geltend machen könne, war verpufft. Und das aus Sicht von Bürgermeister Wolfgang Dieder zu Recht, wie dieser jetzt in einem Gespräch darlegt.

„Die Grundwassersituation in Schafhausen, Grebben und Oberbruch ist von verschiedenen Faktoren abhängig“, erläutert Dieder. Die Orte lägen im sogenannten Rurgraben. Welche Bedeutung dies habe, erklärt der Leiter des Tiefbauamtes, Peter Pelzer. „Im Rurgraben stehen Talkiese, die stark wasserführend sind. Der Bodenbereich ist sehr durchlässig. Das führt je nach Wasserstand der Rur mit fünf bis sieben Tagen Verzögerung zu höheren Grundwasserständen.“

Früher hätten sich die Schwankungen im Grundwasserstand nicht so bemerkbar gemacht wie heute, sagt Dieder. Der Grund lag im hohen Wasserverbrauch am Industriestandort durch die Glanzstoffwerke, die fleißig Grundwasser pumpten. „Von 1974 bis 1983 bestand ein Wasserrecht im Industriepark von 32 Millionen Kubikmetern pro Jahr, die von Glanzstoff genutzt werden durften. Das Wasserrecht wurde 1984 dann um knapp zehn Millionen Kubikmeter gesenkt, weil die Wassermengen nicht mehr benötigt wurden“, blickt Dieder auf die historische Entwicklung.

„Man muss in diesem Zusammenhang wissen, dass nur der ein Wasserrecht durch die Bezirksregierung erhält, der die Nutzung nachweisen kann zum Beispiel zur Produktion, Reinigung, Kühlung oder Trinkwasserversorgung. Diese Nutzung wird überprüft. Auch die Wasserwerke erhalten ihr Wasserrecht nur im Umfang der tatsächlich benötigten Mengen.“

Und genau hier liege der Hase im Pfeffer, meint der Bürgermeister: „Insofern trifft es werde zu, dass der Industriepark Wasser abpumpen darf zur bloßen Einleitung in die Wurm, noch kann die Stadt das Wasserrecht übernehmen, da auch die Stadt dann das Wasser im vorgenannten Sinne benutzen müsste.“ So einfach, wie Hans-Josef Heuter die Lösung des Grundwasserproblems öffentlich dargestellt habe, sei dies also keineswegs. „Selbst in solchen Fällen, in denen die Stadt eventuell dauerhaft Wasserschäden abwehren möchte, lässt das Wasserrecht hierzu keinen Spielraum.“

Untätig sei die Stadt dennoch keineswegs gewesen, bestätigt Jakob Gerards, der Chef der Stadtwerke Heinsberg GmbH. Doch die Dimension, in der sich das Wasserproblem erstreckt, sei weit größer als die meisten Bürger sich vorstellen würden. „Die Stadt hat im Rahmen eines Gutachtens untersuchen lassen, ob der Bezug von Frischwasser aus dem Industrieparkgelände einen Beitrag zur Entschärfung der Situation leisten könne. Insgesamt ist der Bedarf der Stadtwerke Heinsberg aber zu gering, um der Grundwasserproblematik in diesem Gebiet zu begegnen. Hinzu kommt, dass die Frischwasserförderung aus tiefer gelegenen Schichten erfolgen muss, die mit den oberen keine Verbindung haben und daher zur Grundwasserabsenkung nicht beitragen würden.“

Um den Grundwasserpegel so zu senken, dass es zu einer spürbaren Verbesserung komme, müssten rund fünf Millionen Kubikmeter Wasser im Jahr abgepumpt werden. Um die gesamte Stadt mit Frischwasser zu versorgen, benötigen die Stadtwerke jedoch nur zwei Millionen. Bürgermeister Dieder möchte sich in dem Zusammenhang auch nicht vorstellen, was mir der Wurm geschehe, wenn sie täglich etwa 14.000 Kubikmeter Wasser zusätzlich aufnehmen müsse.

Dieder räumt in einem Atemzug auch noch mit einem weiteren „Irrtum“ auf. „Was die Annahme von Herrn Heuter zur Entstehung eines Sümpfungstrichters angeht, muss festgestellt werden, dass dieser nicht durch den Betrieb von tiefen Brunnen entstanden ist, sondern durch die oberflächennahe Wasserentnahme.“ Von den 23 Millionen Kubikmetern Wasser im Jahr, die nach 1984 noch im heutigen Industriepark genutzt wurden, seien 16,4 Millionen aus oberen Stockwerken abgepumpt worden.

Gibt es also für die betroffenen Bürger kein Licht am Ende des Tunnels? „Ein Hoffnungsschimmer könnte die Weichmacher-Produktion von Hil-Diolen Polymers am Standort sein“, sagt Dieder. Nach Auffassung der Wasserbehörden wäre die ins Auge gefasste Wassermenge, die als Produktionswasser benutzt würde, ausreichend, um das Problem zu entzerren.“