Heinsberg: Grundwasserproblem: längst bekannt, aber nie gelöst

Heinsberg: Grundwasserproblem: längst bekannt, aber nie gelöst

Wasser schlägt Wellen, offenbar selbst dann, wenn es „nur“ als Feuchteschaden im Keller auftritt. Und manchmal legt es dabei auch noch alte Probleme frei, die seit Jahren bestehen und für die es bislang keine rechte Lösung gab.

Den früheren CDU-Stadtverbandsvorsitzenden von Heinsberg, Hans-Josef Heuter, ließen die Anfrage der Sozialdemokraten im Hinblick auf den baulichen Zustand der Grundschule in Grebben und die kurze Stellungnahme von Bürgermeister Wolfgang Dieder gegenüber unserer Zeitung jedenfalls nicht ruhen. Denn für ihn ist das „ausgemachte Problem seit mehr als 15 Jahren bekannt“ und hätte längst behoben werden können.

Am Beispiel der Grundschule Grebben-Schafhausen, die seit Jahren mit Feuchteschäden zu kämpfen hat, zeigt sich ein grundsätzliches Problem, mit dem sich offenbar viele Anwohner herumärgern. Foto: Rainer Herwartz

Die Feuchtigkeit im Keller der Grundschule sei lediglich die Spitze eines Eisbergs, erklärt Heuter, der sein eigenes Haus im Jahr 1975 an der Schafhausener Straße baute und, wie viele Anwohner, mit dem gleichen Problem zu kämpfen hat.

Der Pumpensumpf hat in vielen, vom gestiegenen Grundwasser betroffenen Häusern längst einen festen Platz.

„Damals war an der Schafhausener Straße der Grundwasserspiegel etwa zweieinhalb bis drei Meter tiefer als heute, weil die Vereinigten Glanzstoffwerke und ihre Folgeunternehmen ein Wasserrecht besaßen, das ihnen ermöglichte, Grundwasser aus tieferliegenden Grundwasserstockwerken in großen Mengen zu fördern.

Hans-Josef Heuter sieht die Feuchtigkeit in der Grebbener Grundschule nur als Spitze eines Eisbergs.

Aufgrund dieser Förderung entstand in einem Gebiet etwa von der Realschule zur Kreisverwaltung auf der einen Seite und dem Ortseingang Dremmen bis Auto Conen auf der anderen ein Sümpfungstrichter. Dadurch konnte in der gesamten Einflussniederung gebaut werden.

Mit Rückgang der Produktion von Chemiefasern am Standort wurde zunehmend weniger Wasser benötigt und in die Wurm geleitet, was am Ende dazu führte, dass die Pumpen abgestellt wurden und der Grundwasserspiegel allgemein wieder angestiegen ist, was zu Verwässerungsschäden in Gebäuden in dem Bereich führte.“

Als langjähriger Unternehmensbereichsleiter der oberirdischen Gewässer beim Wasser-Verband Eifel Rur ist Heuter mit seinem Einfamilienhaus, in das er längst einen Pumpensumpf einbauen lassen musste, nicht nur selbst in Mitleidenschaft gezogen. Er ist zudem ein „Mann vom Fach“, der sich auskennen sollte.

Mehrfach habe er in der Vergangenheit mit Bürgermeistern und CDU-Stadtverordneten gesprochen, „wozu ich auch Lösungen präsentiert habe. Nur eine schlüssige Antwort haben ich und die betroffenen Bürger bis heute nicht erhalten“.

Erst vor etwa drei Jahren sei er gemeinsam mit dem Ortsvorsteher von Schafhausen/Schleiden, Guido Schluns, und dem Kreistagsabgeordneten Herbert Esser wegen der Nässeproblematik in der Niederung von Schafhausen und Grebben beim Bürgermeister zum Fachgespräch gewesen — bis heute jedoch ohne Ergebnis.

„Dabei hatte ich die Lösungsansätze bereits mit dem Erftverband, der Unteren und Oberen Wasserbehörde vorbereitend eingestielt. Mein Lösungsvorschlag war und ist immer noch, das Pumpen-Know-how für ein temporäres Wasserrecht wieder auf Dauer zu nutzen durch die Stadt, die dann die entstehenden Kosten als Umlage im betroffenen Gebiet geltend machen könnte.“

Heuter ist sicher, dass die Anwohner sich gerne beteiligen würden, denn schließlich schlügen die Anschaffung und der Betrieb eigener Pumpen ja auch erheblich in der privaten Haushaltskasse zu Buche. Von den Unannehmlichkeiten ganz abgesehen.

Das „teure Gutachten von Prof. Fastabend“ sei nach Heuters Ansicht nicht nötig gewesen. „Meine fachlichen Ratschläge waren umsonst, nur das Handeln in Sachen Verträge zum Beispiel mit Glanzstoff oder Vereinbarungen mit den staatlichen Stellen hätten vom Bürgermeister und vom Stadtrat in die Wege geleitet werden müssen.“

Nicht verkneifen kann sich Heuter zum Schluss noch einen verbalen Seitenhieb: „An diesem Beispiel zeigt sich schon wieder einmal mehr die Ignoranz der Verantwortlichen in unserer Stadt.“ Ob seine erklärte Bereitschaft zu „einem offenen Dialog“ mit Entscheidern und betroffenen Bürgern eine neue Runde einläutet, wird sich zeigen.

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