„Future Site InWest“: Großer Wurf für den Industriestandort Lindern

„Future Site InWest“ : Großer Wurf für den Industriestandort Lindern

Der Wirtschaftsstandort Kreis Heinsberg könnte massiv wachsen. Geplant wird ein rund 240 Hektar großes Industriegbiet zwischen Lindern, Randerath und Brachelen. Die Investitionskosten werden auf knapp 100 Millionen Euro geschätzt.

Es könnte ein großer Wurf für den Wirtschaftsstandort Kreis Heinsberg werden. In Lindern soll ein Industriegebiet von gigantischem Ausmaß entstehen. Lange schlummerten die Pläne unter dem angestaubten Stichwort „LEP VI - Fläche Geilenkirchen-Lindern“ tief in der sprichwörtlichen Schublade. Jetzt werden sie wieder hervorgeholt.

Am Dienstagmorgen haben Vertreter von Politik, Verwaltung und Wirtschaftsförderung aus dem Kreis Heinsberg in Düsseldorf einen 90-seitgen Abschlussbericht über den Industriestandort an Wirtschafts-Staatssekretär Christoph Dammermann übergeben. Das Papier ist Ergebnis einer rund einjährigen Untersuchung der Landesgesellschaft NRW.Urban und der Wirtschaftsförderungsgesellschaft für den Kreis Heinsberg (WFG). Das Ergebnis, so hieß es nach der Übergabe des Berichts, seien „gute Aussichten für die Entwicklung und Vermarktung einer der größten Industrieflächenreserven des Landes NRW durch Fördermittel für das Rheinische Revier“.

Die Fläche zwischen Geilenkirchen-Lindern, Heinsberg-Randerath und Hückelhoven-Brachelen befindet sich bereits zu einem großen Teil im Besitz des Landes, das Areal ist für „landesbedeutsame und besonders zukunftsorientierte gewerblich-industrielle Großvorhaben“ vorgesehen. Von diesen Flächen gibt es nur vier in NRW. Die Linderner Fläche ist 240 Hektar groß, das entspricht der Fläche von gut 336 mittleren Fußballfeldern.

Welche Unternehmen konkret an den neuen Industriestandort kommen sollen, ist bislang noch Zukunftsmusik. Klar ist aber, dass Logistik und großflächiger Einzelhandel explizit ausgeschlossen sind. Es gehe in die Richtung Technologie und innovationsorientierte Unternehmen, sagt WFG-Geschäftsführer Ulrich Schirowski. Aktuell laufen auch Kooperationsgespräche mit der RWTH Aachen und dem Forschungszentrum Jülich.

Das Groß-Industriegebiet soll in mehreren Abschnitten entstehen. Es gibt drei Entwicklungsbereiche mit jeweils rund 50 Hektar Fläche. Diese können über drei Erweiterungsflächen noch größer werden. In einem ersten Planungsschritt sollen zwei dieser drei Bereiche auf den Weg gebracht werden. Es geht also im ersten Schritt um 100 Hektar Fläche. Dafür werden 35 Hektar an Kompensationsflächen für die Landschaftspflege benötigt.

„Dieser erste Planungsabschnitt kann im Prinzip umgehend angegangen werden, denn bereits seit 1992 wurden insgesamt rund 142 Hektar Flächen von NRW.Urban im Treuhandauftrag des Landes und von der Stadt Geilenkirchen im Plangebiet erworben“, hieß es. Das bedeutet, dass dafür keine möglicherweise langwierigen Kaufverhandlungen mit Grundstückseigentümern mehr nötig sind. Wenn es später in den zweiten Planungsabschnitt geht, ist der Erwerb von weiteren rund 127 Hektar Land notwendig.

Die ersten Unternehmen könnten bereits in zwei bis drei Jahren in Lindern bauen. Die beteiligten Kommunen – in erster Linie Geilenkirchen – sollen nun zügig einen Bebauungsplan aufstellen, um den Weg für erste Ansiedlungen frei zu machen. Weil das Linderner Areal im Landesentwicklungsplan bereits für ein solches Projekt reserviert ist, sollte der Prozess unkompliziert ablaufen.

Ein Industriegebiet dieser Größenordnung bedarf weitreichender Investitionen. Ohne die Mittel aus dem Braunkohlestrukturfonds wäre es sicher nicht mehr als eine schöne Phantasie der kommunalen Entscheidungsträger. In einer groben Kostenschätzung ist die Rede davon, dass 97 Millionen Euro in den Industriepark investiert werden sollen. Dabei geht es einerseits um technische Infrastruktur, Anbindung an das Straßennetz, einen Anschluss an die nahe Bahnstrecke und einen eigenen Güterbahnhof auf dem Gelände des Industriegebiets.

„Diese Ausgaben können nur zum Teil durch die Einnahmen aus den erwartbaren Grundstücksverkäufen gedeckt werden. Insofern wird die Bereitstellung geeigneter Fördermittel eine zentrale Voraussetzung für die Realisierung des Vorhabens sein“, sagt Landrat Stephan Pusch (CDU). Aktuell sei davon Auszugehen, dass 30 bis 45 Millionen Euro der geplanten 97-Millionen-Euro-Investition nicht wieder hereinzuholen sind. Eine Förderung aus dem Braunkohlestrukturfonds von ungefähr 40 Millionen Euro sei realistisch, sagt Schirowski.

Auch wenn noch weitgehend offen ist, wer sich am Industriestandort Lindern ansiedeln soll, ist bereits klar, dass dafür in erster Linie Großunternehmen in Frage kommen. „Die Fläche soll national und vor allem auch international vermarktet werden“, sagt Schirowski. Auch deshalb wolle man von der angestaubten Verwaltungsbezeichnung „LEP VI - Fläche Geilenkirchen-Lindern“ weg. Der neue Name „Future Site InWest“ sei prägnanter, könne international als Marke genutzt werden und passe auch in das aktuelle Standortmarketing für den Kreis Heinsberg, in dessen Rahmen die Kampagne „Spitze im Westen“ läuft.