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Geregelte Forstwirtschaft findet nicht mehr statt : Große Sorgen um alten Baumbestand

Geregelte Forstwirtschaft findet nicht mehr statt : Große Sorgen um alten Baumbestand

Für die 272 Hektar Waldfläche im Stadtgebiet sieht es aufgrund von Trockenheit und Schädlingsbefall nicht gut aus.

„Von drauß' vom Walde komme ich her; ich muss euch sagen, es gibt ihn nicht mehr.“ Das ist in leichter Abwandlung eines Verses aus altem deutschen Gedichtgut die Quintessenz dessen, was Forstamtsrat Claus Gingter den Mitgliedern des Bau- und Umweltausschusses mit seinen Erläuterungen zum Forstwirtschaftsplan zu sagen hatte. Der Mann muss es wissen: Zum 25. Mal nun schon legt er den Stadtverordneten die Aufstellung des Landesbetriebes Wald und Holz NRW auf den Tisch, ist mit dem Hückelhovener Tann sozusagen auf Du und Du.

„Die Fichte wird in zwei Jahren als Baumart in Nordrhein-Westfalen nicht mehr existieren“, sagte Gingter im Ausschuss. Der Grund: „Gegen den Borkenkäfer kann sich der Baum nicht mehr wehren.“ Der Grund für die fast explosionsartige Vermehrung des Borkenkäfers: Die durch die Extremhitze 2018 entstandene Bodendürrre. „Es fehlen rund 1000 Liter Wasser im Boden“, so Claus Gingter. Der Grund für die Bodendürre: „Die Klimaschläge.“ Die Folge für die Wirtschaft: „Der Holzpreis ist total verfallen, praktisch ist der Holzmarkt nicht mehr existent.“

Als die Stadtverordneten innerlich schon die Hände vor die Augen zu schlagen begannen und die 272 Hektar Waldfläche nur noch als eine Anhäufung von Baumgerippen vor dem innerlichen Auge zu sehen begannen, gab Claus Gingter für die wenigen Waldstücke im Stadtgebiet von Hückelhoven sozusagen Entwarnung: „In Hückelhoven haben wir mit der gewählten Baumverteilung Glück gehabt: Alle Baumarten, die hier stehen, sind klimastabil.“

Die relativ jungen Bäume, also die, die nicht älter als 20 Jahre sind, „stehen gut da. Nicht gut steht es dagegen um den alten Baumbestand“, so der Forstamtsrat. Und Claus Gingter sagte auch, was zu tun ist: „Überall dort, wo alter Baumbestand in den öffentlichen Raum reinreicht, werden wir alte Bäume beseitigen.“ Damit beschrieb er freilich gleichzeitig die Misere, von der auch Hückelhoven nicht verschont bleibt: „Eine ordnungsgemäße, geregelte Forstwirtschaft findet nicht mehr statt: Wir agieren nicht mehr, wir können nur noch reagieren.“ Nein, betonte der Forstamtsrat, der Wald werde nicht aussterben, „aber er wird seine Erscheinungsform ändern“. Wie, das wisse kein Mensch. Daran ändere auch der „Waldgipfel“ kürzlich in Berlin nichts: „Wir können Bäume pflanzen, aber keinen Wald“, sagte Claus Gingter.

Und er fügte dann noch etwas hinzu, was die Ausschussmitglieder auch alles andere als erbaulich fanden: „Der Forstwirtschaftsplan ist die Tinte nicht wert, mit der ich ihn geschrieben habe.“ Was der Baumbestand die Stadt Hückelhoven im kommenden Jahr aller Voraussicht nach kostet, das freilich lässt sich auf Heller und Cent berechnen: 32.225,20 Euro Aufwendungen stehen Erträge aus dem Holzeinschlag und Verkauf von 5.000 Euro gegenüber. Wie man es auch dreht und wendet: Wahrlich keine gute Bilanz.