Wassenberg: „Größte Maschine der Welt“ für Illustrationsdruck in Wassenberg

Wassenberg: „Größte Maschine der Welt“ für Illustrationsdruck in Wassenberg

Vor eineinhalb Jahren noch war sie ein kunstvolles, kleines Bauwerk aus Sperrholz, Streichhölzern und Papierstreifen. So jedenfalls beschrieb Dr. Ralph Dittmann, Geschäftsführer der zur WKS Druckholding gehörenden Druckerei Kraft-Schlötels in Wassenberg am Mittwoch den großen, grau verkleideten Koloss, der hinter ihm stand: die seinen Angaben zufolge derzeit größte Maschine der Welt für den sogenannten Illustrationsdruck, rund 50 Meter lang und fast 17 Meter hoch.

Doch sind es nicht allein die Maße, die diese im Rollenoffset-Verfahren arbeitende Maschine so imposant machen, die überwiegend für die Produktion farbiger Werbebeilagen, aber auch für den Druck von Magazinen mit hoher Auflage zum Einsatz kommt, etwa für die Zeitschrift der katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands. Viel mehr noch überzeugt ihre bisher einzigartige Leistung: Sage und schreibe 1000 Seiten im Format DIN A4 können mit ihr jetzt innerhalb nur einer Sekunde gedruckt werden, oder anders ausgedrückt: Mit einer Rollenumdrehung druckt sie 160 Seiten, je 80 in zwei Bahnen.

Sein Unternehmen habe nicht nur die Idee verfolgt, die größte Maschine ihrer Art in der Welt zu bauen, sondern das Projekt auch noch selbst komplett gemanagt, erklärte Dittmann. Ziel sei gewesen, die ersten Bögen am 21. Oktober zu drucken. „Und genau an diesem Tag fuhren die ersten sieben Paletten hier raus“, betonte er stolz. „Wir haben hier die besten Technologien der Welt miteinander kombiniert“, blickte er auf die gesamte Anlage. Wer das nicht tue, habe in der Druckindustrie aber auch keine Zukunft mehr, berichtete er von zahlreichen Insolvenzen in den vergangenen Jahren. Seinen Informationen zufolge ist in den vergangenen zwölf Jahren die Hälfte der ehemals 140 Rollenoffset-Unternehmen vom Markt verschwunden.

25 neue Arbeitsplätze

Der Dank Dittmanns für die Unterstützung bei der Realisierung des 25-Millionen-Projekts, das mit 25 neuen Arbeitsplätzen in Wassenberg verbunden ist, ging zunächst an die rund 120 Mitarbeiter in der Produktion von Kraft-Schlötels. Eigentlich habe keiner von ihnen durch die Neustrukturierung mehr seinen alten Arbeitsplatz. Er dankte dem Unternehmens-Gesellschafter, der Familie Viehof aus Mönchengladbach, den 18 Lieferanten, die am Bau der Maschine beteiligt waren, der Hausbank und schließlich der regionalen Politik.

Besonders hob er dabei die Unterstützung durch Wassenbergs Bürgermeister Manfred Winkens hervor. Er sei ins Unternehmen gekommen, habe sich das Projekt erläutern lassen und sei dann durchs Unternehmen gegangen. „Er wollte die Mitarbeiter sehen“, so Dittmann. Dass er mit der Hälfte davon per Du gewesen sei, habe ihm gezeigt, „wie geerdet dieser Mensch ist“.

Winkens selbst begann seine Rede mit einem Zitat von Henry Ford: „Erfolg besteht darin, dass man genau die Fähigkeiten besitzt, die im Moment gefragt sind.“ Im aktuellen Wirtschaftsleben seien dies Flexibilität, Investitionsbereitschaft sowie das Gespür für die Wünsche und Ansprüche der Kunden. Mit der Realisierung dieser Weltpremiere habe die WKS-Gruppe genau dies bewiesen. Sie sei schon immer eine der ersten Adressen für Rollenoffsetdruck in ganz Europa gewesen. „Sie konnten seit der Gründung des Unternehmens immer mit dem rasanten Tempo der Technologieentwicklung mithalten und können diese mit der neuen Maschine sogar selbst weiter vorantreiben“, erklärte er. „Ihr Unternehmen hat eine große Bedeutung für unsere Stadt.“

Gemeinsam mit dem Bürgermeister sowie mit je zwei Vertretern der Lieferanten und der Gesellschafterfamilie drückte er dann symbolisch einen großen grünen Knopf. Danach lief die Maschine wieder an. Wenige Sekunden später kamen die ersten Beilagen für einen großen deutschen Discounter fertig geschnitten und gefalzt aus der Maschine. Ein intelligentes Transportsystem verteilt sie von dort an sieben Tagen pro Woche und 24 Stunden lang auf vier Verarbeitungsstationen, in denen sie je nach Kundenwunsch weiter verarbeitet werden können. Sie werden gezählt, gebündelt, verpackt und dann von Robotern auf Paletten gestapelt. Und schließlich kümmert sich Kraft-Schlötels noch um die Logistik der Lieferung der gedruckten Broschüren, „bis an jede gewünschte Laterne“, schmunzelt Dittmann. „Wir sind jeden Tag in Ihrem Briefkasten“, erklärt er nicht ohne Stolz mit Blick auf seine Kunden, Discounter, große Möbelhäuser und viele andere mehr.

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