Heinsberg: Glanzstoff-Kalender: Vom Gastarbeiter bis zu Ludwig Erhard

Heinsberg: Glanzstoff-Kalender: Vom Gastarbeiter bis zu Ludwig Erhard

Nach der erfolgreichen Premiere in diesem Jahr hat der Förderverein Industriepark Oberbruch auch für das Jahr 2017 wieder einen Kalender mit Fotos unter dem Titel „Menschen bei Glanzstoff“ zusammengestellt, der ab Samstag erhältlich ist.

Anders als im vergangenen Jahr ist der Kalender allerdings nicht mehr kostenlos zu haben, sondern wird für je fünf Euro verkauft. Der Erlös soll verwendet werden für die Restaurierung eines wertvollen Kunstwerks aus dem Bestand des Vereins.

Wir-Gefühl ist spürbar

Schon seit jeher hätten sich die Menschen bei Glanzstoff in Oberbruch wie eine große Familie gefühlt, erklärte Vereinsgeschäftsführer Hans-Josef Minkenberg bei der Präsentation des Kalenders im Museum Begas-Haus in Heinsberg. Dies würden die ausgewählten Motive zeigen. „Ob bei der Arbeit, bei Festlichkeiten, bei Veranstaltungen, beim Sport oder in der Freizeit — das Motto ‚Wir bei Glanzstoff‘ ist in allen Bildern spürbar“, so Minkenberg. Habe der erste Kalender Fotos aus der Geschichte bis in die 1960er Jahre gezeigt, seien nun Bilder bis in die 1990er Jahre dabei, ergänzte Wolfgang Gusday vom Förderverein.

Das Titelfoto des Kalenders zeigt die Bronzeplastik des Walzenträgers. „Das war ein Symbol für Glanzstoff“, so Gusday. „Leider steht er nicht mehr an einem geeigneten Platz für uns“, ergänzte er. Mit dem neuen Eigentümer des Geländes, der Veolia Industriepark Deutschland GmbH, habe man jedoch bereits einen neuen Platz gefunden. Die Plastik soll künftig gut sichtbar an Tor 1 in der Nähe des ehemaligen Verwaltungsgebäudes ihren Platz finden. Geschaffen wurde das Werk im Jahre 1949 von dem Wuppertaler Künstler Arno Breker. „Klötsche Nöll“ habe die Statue bei Glanzstoff geheißen, ergänzte Minkenberg. Gottfried Schuhwirt aus der Schärerei habe dem Künstler dafür Modell gestanden.

Was die neuen Fotos für die zwölf Monatsblätter betrifft, hatte der Verein zunächst eine Vorauswahl aus 50 Motiven getroffen, von denen es dann zwölf in den Kalender geschafft haben. Im Januar präsentiert sich dort eine ganze Gruppe von Mitarbeitern, die für ihre langjährige Treue zum Werk geehrt wurden. Das Februar-Bild zeigt Ingenieure in der Synthese-Kettschlichterei, das März-Foto belgische Mitarbeiterinnen, die in ihren Arbeitsalltag eingeführt werden.

Wanderausstellung

Weiter geht es mit einem Pensionärstreffen im April 1986. Die Frau in der Badewanne, das Motiv für den Monat Mai, steht symbolisch für das soziale Engagement des Unternehmens. Schon 1904 sei das erste Sozialhaus eingerichtet worden, wusste Rainer Wild vom Verein zu berichten.

Das Foto für den Monat Juni zeigt griechische Gastarbeiter bei einer Feier im niederländischen Kloster Lilbosch, wo sie seinerzeit untergebracht waren, das Juli-Motiv DRK-Mitarbeiter zusammen mit Kollegen der Werksfeuerwehr. Im August und im Oktober werden Erinnerungen an die Ferienlager oder an die Ausbildung der Lehrlinge geweckt, im September an eine Betriebsversammlung. Das November-Foto ist ein historisch ganz wertvolles. Es zeigt den Besuch von Wirtschaftsminister Ludwig Erhard im Jahr 1950 zum Start der Perlonproduktion. Das letzte Foto ist dem 50-jährigen Bestehen des Unternehmens im Jahr 1949 gewidmet.

Das Begas-Haus als Ort der Kalenderpräsentation war bewusst gewählt, hatte doch hier von April bis Juni dieses Jahres eine Sonderausstellung zum gleichen Thema für rund 2500 Besucher gesorgt. Aufgrund ihres Erfolges wird diese Ausstellung jetzt als Wanderausstellung fortgeführt. Sie wird unter anderem in Altenheimen und Schulen zu sehen sein.

Und auch im Begas-Haus wird die Ausstellung eine Fortsetzung erfahren, die sogar schon in dem neuen Kalender eingetragen ist: vom 29. Oktober bis zum 10. Dezember 2017. In das neue Ausstellungskonzept würden nicht nur Bilder aus der Welt von Glanzstoff aufgenommen, sondern auch dreidimensionale Exponate, auch aus der Technik, wie Museumsleiterin Dr. Rita Müllejans-Dickmann verriet.