Heinsberg: Gitarrenfestival: Instrument ein Traum für jeden Sieger

Heinsberg: Gitarrenfestival: Instrument ein Traum für jeden Sieger

Wer den Wettbewerb gewinnt, zu dem sich in der kommenden Woche 50 junge Gitarristen aus der ganzen Welt in Heinsberg treffen, steht noch nicht fest. Wohl aber, dass für den Sieger ein ganz großer Traum in Erfüllung geht: eine Gitarre, handgefertigt von dem Japaner Masaki Sakurai, einem der ganz großen Gitarrenbauer in der Welt. „Maestro RF“ heißt das wertvolle Stück.

Selbst für Roman Viazovskiy, den künstlerischen Leiter des Gitarrenfestivals, blieb diese Gitarre lange ein Traum. Erst beim dritten Mal gelang es ihm, in einem Wettbewerb eines dieser Sakurai-Meisterwerke zu gewinnen. Das war 1999 in Tokio. Danach entstand eine Freundschaft zwischen ihm und dem großen Meister des Gitarrenbaus.

Viazovskiy spielte weitere Konzerte in Japan, und Sakurai eröffnete ihm die Möglichkeit, unterschiedliche Instrumente auszuprobieren. „Wie eine Probefahrt mit verschiedenen Fahrzeugen im Autohaus“, vergleicht Viazovskiy dies und ist tief beeindruckt von der Leidenschaft für das Instrument Gitarre, wie er sie in Japan kennengelernt hat. „Als ich 2003 auf Tournee war, lernte ich einen Japaner kennen, der 1000 Kilometer mit seinem Roller gefahren ist, um mein Konzert zu besuchen“, erzählt er. 2012 ging Viazovskiy erneut auf Tournee durch Japan und Taiwan, ebenfalls organisiert von Sakurai. „Er ist in Japan der Ansprechpartner schlechthin, wenn es um die Gitarre geht“, so Viazovskiy.

Bereits vor zehn Jahren, zum ersten Festival, habe Sakurai eine Gitarre gestiftet. „Jetzt, zum Zehnjährigen haben wir sein absolutes Spitzenmodell“, freut sich der künstlerische Leiter des Festivals. Und dessen Wert schätzt auch der Gitarrenbauer selbst so hoch ein, dass er es nicht nach Heinsberg schicken wollte. Anlässlich einer Musikmesse brachte er es selbst mit nach Frankfurt und übergab es dort an Viazovskiy. „Und als er dann von mir alle Informationen über unser Festival erhalten hatte, erklärte er, beim nächsten Mal persönlich dabei sein zu wollen“, sagt Viazovskiy.

Doch erst einmal steht für ihn und Theo Krings, den Direktor des Festivals, das nächste und damit sechste Festival auf dem Programm, das in der kommenden Woche mit dem internationalen Wettbewerb und den begleitenden Konzertabenden seinen Höhepunkt hat. Mit den Fahnen der Heimatländer aller Teilnehmer geschmückte Straßen machen die Innenstadt schon jetzt zu einem Treffpunkt, der für die Weltelite des Gitarrenspiels sehr einladend wirken dürfte. Hinzu kommen in 18 Geschäften sogar passend dekorierte Schaufenster.

Der Wettbewerb ist offen für klassische Gitarristen aller Nationalitäten, die ab dem 1. Juni 1982 geboren sind. Ab Mittwoch, 13. Mai, wird eine Jury beim Vorspiel in zwei Runden in der Heinsberger Stadthalle die Teilnehmer des Finales ermitteln, das am Samstag, 16. Mai, ab 19 Uhr im Rahmen eines Konzerts mit maximal fünf Finalisten ausgetragen wird. Zuhörer zu allen Vorspiel-Runden haben freien Eintritt.

Konzerte mit Gitarristen der Weltspitze stehen von Dienstag, 12. Mai, bis Freitag, 15. Mai, also an vier Abenden hintereinander auf dem Programm der „Kernwoche“ des Festivals. „Für die Meisterkonzerte konnten wir Künstler gewinnen, von deren Engagement wir vor zehn Jahren kaum zu träumen wagten“, schwärmt Krings ob der großen Namen, die in der kommenden Woche auf der Stadthallen-Bühne erwartet werden.

Den Anfang machen am Dienstag, 12. Mai, Tomasz Zawierucha mit „Klassik vom Feinsten“, so Krings, und im zweiten Teil das Duo „Hands on Strings“, das für eine einzigartige Mischung aus Konzertmusik, Worldmusic und Jazz steht. Ein Mann, der allein mit seiner Gitarre klingt wie ein ganzes Orchester, ist Jon Gomm. Er bestreitet den ersten Teil des Konzertabends am Mittwoch, 13. Mai. Brasilianisch geht es weiter mit dem Trio von Aliéksey Vianna und der Sängerin Viviane de Farias, die als Königin des Bossa Nova gilt.

Für Fans „alter“ Musik kommt am Mittwoch, 14. Mai, Rolf Lislevand nach Heinsberg mit „alter Musik in nie gehörter Freiheit“, so Krings. Den zweiten Teil bestreitet Aniello Desiderio, der als der Superstar der klassischen Gitarristen gilt „und auch bei Nicht-Gitarristen einen ganz großen Namen hat“. Klassisch geht‘s zunächst weiter am Freitag, 15. Mai, mit dem Duo Melis, das auch in Heinsberg mit perfekter Technik und vollkommenem Zusammenspiel überzeugen will. Eine neue Richtung von Flamenco mit Elementen aus dem Jazz, bringt in der zweiten Konzerthälfte die Gerardo Nunez Group auf die Bühne. Alle Konzerte beginnen um 20 Uhr.

Und mit dem Finalabend am Samstag ist das Festival dann noch lange nicht zu Ende. Schon jetzt sind weitere Konzerte geplant in Aachen, Heinsberg, Hückelhoven und Wegberg. Am Sonntag, 24. Mai, spielt um 18 Uhr im Haus Hall in Hückelhoven-Ratheim die Deutsche Streicherphilharmonie mit dem Solisten Marko Topchiy, dem Gewinner des Wettbewerbs 2009. Mit Fusion der Weltklasse ist am Freitag, 12. Juni, um 20 Uhr das Nguyen Le „Fire & Water“ Trio im Franz in Aachen zu Gast. Mike Stern/Didier Lockwood Band feat. Steve Smith & Tom Kennedy heißt es am Mittwoch, 1. Juli, um 20 Uhr im Forum in Wegberg. Zum Hörgenuss neuer Musik aus Anatolien lädt das Quartett Kavpersaz am Sonntag, 13. September, um 17 Uhr in die Klangbrücke im Alten Kurhaus nach Aachen ein. Die beiden Aachener Konzerte werden in Kooperation mit dem Aachener Gitarrenfestival Spegtra durchgeführt. Ein Kinderkonzert mit dem Duo „miLyra“ steht am Freitag, 25. September, um 10 Uhr im Rondell im Klevchen in Heinsberg auf dem Programm.

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