Gitarrenfestival in Heinsberg: Fan reist seinem Star aus Kanada nach

Superlative beim Gitarrenfestival : Fan reist seinem Star aus Kanada nach

Dass die Teilnehmer des Wettbewerbs beim internationalen Gitarrenfestival weite Reisen in Kauf nehmen, um in Heinsberg dabei zu sein, belegt seinen Stellenwert in der weltweiten Gitarrenszene. Aber auch im Publikum finden sich aus der Ferne angereiste Fans der musikalischen Größen ihres Fachs, die hier in dieser Woche allabendlich konzertieren.

So hatte die Sängerin Kuniko Brauss aus Victoria in Kanada knapp 8000 Kilometer zurückgelegt, um am Donnerstagabend in der Stadthalle dem Spiel von Artyom Dervoed zu lauschen. Im Oktober hätte sie ihn in ihrer Heimat gehört und sei ihm nun tatsächlich hinterhergereist, um ihn noch einmal zu hören, erzählte sie.

Interessante Facetten

Hatte der fulminante Auftakt am Dienstagabend schon die breit gefächerten Möglichkeiten dieses Instruments aufgezeigt, eröffneten sich den treuen Besuchern des Festivals am Mittwoch und Donnerstag weitere, höchst interessante Facetten an Spieltechniken und musikalischen Stilrichtungen, in denen die Gitarre ihren Platz hat. Den Anfang machten am Mittwochabend Izhar Elias und Fernando Riscado Cordas. Sie gelten als Spezialisten für die Musik des frühen 19. Jahrhunderts.

Auf Gitarren in der Form der frühen Romantik spielten Fernando Riscado Cordas und Izhar Elias. Foto: Anna Petra Thomas

Nach der Ouvertüre zur Oper Il Pirata von Vicenzo Bellini (1801-1835) in einem Arrangement von Mauro Giuliani spielten sie aus dem Streichquartett Opus 18 No 5 von Ludwig van Beethoven (1770-1827) das Tema con variazioni, Andante cantabile und widmeten sich dann abschließend der Klaviersonate No 13, D 664 von Franz Schubert (1797-1828) in einem Arrangement von Cordas. Das Besondere auch daran: Sie konzertierten mit Gitarren, wie sie Schubert einst selbst spielte.

Gute besetzte Halle

„Ein toller Empfang, aber auch berechtigt!“, schmunzelte dann Joscho Stephan in die gut besetzte Halle mit Menschen, die ihm und seinem Trio schon nach dem ersten Stück begeistert applaudierten. „Wir sind überall in der Welt unterwegs, aber bis nach Heinsberg sind wir noch nie gekommen.“ Dabei stammt das Trio, das sich dem modernen Gypsy Swing verschrieben hat, aus Mönchengladbach.

Das Joscho Stephan Trio riss das Publikum seinem Gypsy Swing mit. Foto: Anna Petra Thomas

Nach Heinsberg mitgebracht hatte Joscho Stephan seinen Vater Günter (Rhythmusgitarre) und Stefan Berger, der gleich danach mit einem Solo an seinem Kontrabass überzeugte. Als Solist an der Gitarre zeigte Joscho Stephan seine Virtuosität in seinen selbst geschriebenen Kompositionen, vor allem in seiner Hommage an Django Reinhardt, über den er auch Interessantes zu erzählen wusste.

Am Donnerstag machte mit Artyom Dervoed ein Solist den Anfang, der vor 14 Jahren beim ersten Festival noch als Wettbewerbsteilnehmer in Heinsberg gewesen war und inzwischen zu den weltweit gefragtesten Virtuosen seines Fachs gezählt wird. Er hatte sein Programm ganz auf den berühmten Komponisten Niccolo Paganini (1782-1840) ausgerichtet. Mit der Sonata K. 208 von Domenico Scarlatti (1685-1757) und der Fantasia in A-Dur, Op. 19 von Luigi Legnani (1790-1877) näherte er sich seinem Idol.

Kuniko Brauss (r.) war eigens rund 8000 Kilometer aus Kanada angereist, um Artyom Dervoed zu hören. Foto: Anna Petra Thomas

Mit der Klavieretüde La Campanella, von Wolfgang Lendle für Gitarre transkribiert und von ihm selbst noch bearbeitet, setzte er den Höhepunkt seines Beitrags. Sahnehaube obendrauf war das ihm gewidmete Stück „The Possessed“ des amerikanischen Komponisten Kevin Callahan.

Fast ausschließlich eigene Kompositionen hatten für den zweiten Teil des Abends der dänische Violinist Bjarke Falgren und der Gitarrist Sönke Meinen aus Dresden mitgebracht. Sie stammen von ihrem gemeinsamen Debütalbum Postcard, für das die Besucher der wieder gut gefüllten Halle am Ende regelrecht Schlange standen.

Begeistert gelauscht

Begeistert hatten die Gäste des Abends gelauscht, was die beiden über die Entstehungsgeschichte ihrer eigenwilligen, sehr melodischen und zum Teil sehr emotionalen, gar anrührenden Stücke erzählten. „The Breeze and the Curtain“ zum Beispiel: Er habe morgens noch im Bett gelegen. Da habe sich die Gardine durch einen Windzug bewegt. „Und da war die Melodie im Kopf“, sagte Bjarke. Klar, dass auch diese beiden wie überhaupt alle Musiker der abendlichen Konzerte nicht ohne Zugabe von der Bühne gelassen wurden.