Gipco in Erkelenz wächst unverdrossen weiter

Verdoppelung denkbar : Gipco wächst unverdrossen weiter

Eine gewisse Spannung steht immer noch im Raum. Auch wenn derzeit weiterhin niemand sagen kann, ob die Großbäckerei Kamps am Ende doch noch ihren Sitz von Schwalmtal nach Erkelenz ins Gipco verlagert.

Fest steht, so sagt Bürgermeister Peter Jansen auf Nachfrage, dass der französische Eigner bis zum Jahr 2020 alle Investitionen in Deutschland „einkassiert hat“. „Wenn sie eine Investitionsentscheidung treffen, sind wir nach wie vor gerne bereit, wieder etwas anzubieten“, sagt Jansen. Doch untätig darauf warten wird die Stadt nicht, wie die Weiterentwicklung des Gewerbegebietes zeigt.

Kamps hatte im März des Jahres 2017 angekündigt, seinen Hauptsitz und die zentrale Produktion nach Erkelenz verlegen zu wollen. Die Stadt und der Grundstückseigentümer RWE Power hatten das Gewerbegebiet Gipco IV daraufhin auf diese Großansiedlung ausgerichtet. Ende des Jahres 2017 teilte Kamps dann mit, die Investition aufschieben zu wollen.

Die Stadt Erkelenz und RWE Power entwickelten eine alternative Strategie zur Nutzung der Fläche. Anfragen einiger Großkunden für die gesamte Fläche wurden zwar intensiv begleitet, bislang allerdings ohne greifbares Ergebnis. Ergänzend dazu wurden jedoch auch Möglichkeiten zur Vermarktung der Flächen an kleine und mittlere Unternehmen entwickelt. Dafür wurde ein Änderungsverfahren des Bebauungsplans beschritten. Den Änderungsbeschluss fasste der zuständige Ausschuss im Dezember 2018. Der Beschluss über die Satzung für den geänderten Bebauungsplan durch den Rat der Stadt wird jetzt im September zur Tagesordnung gestellt.

Der Gewerbe- und Industriepark vor Erkelenz wächst unverdrossen: Nachdem die Stadt die Flächen Gipco I bis III vollständig vermarktet hat, gehen die Arbeiten zur Erschließung des ersten Bauabschnitts von Gipco IV – einer 17 Hektar großen Erweiterung westlich der bestehenden Gipco-Flächen – zügig voran. Parallel dazu wurden bereits erste Grundstücke im neuen Gebiet an expansionswillige Unternehmen veräußert. „Zwei Verträge sind bereits unterschrieben und bei einer handvoll Unternehmen sind noch Gespräche im Gange“, bestätigt Jansen.

Die Fortschritte am Gipco IV sind dabei deutlich sichtbar: Bereits fertig ist die Anbindung der Erschließungsstraße an den Kreisverkehr B57. Aktuell läuft der Kanalbau inklusive der Druckleitungen für die Schmutzwasserentwässerung. Parallel dazu erfolgt der Bau des eigentlichen Versickerungsbeckens. Für das bis zu 13 Meter tiefe und rund 1,5 Hektar große Becken sind aufwendige und umfangreiche Erdbewegungen notwendig. Von Ende September an wird dann die rund 800 Meter lange Erschließungsstraße gebaut. Gleichzeitig sollen Wasser-, Gas- sowie Breitbandanschluss und die Beleuchtung verlegt werden. Voraussichtlich Ende des 1. Quartals 2020 sollen auch die kleinparzellierten Grundstücke die Baureife erlangen.

Aufgrund der großen Nachfrage, so Jansen, arbeiteten die Stadt und RWE Power bereits gemeinsam an der Entwicklung des 2. Bauabschnitts zur südlichen Erweiterung von Gipco IV. „Vor dem Hintergrund des Strukturwandels in der Region ist die aktuelle Entwicklung des Gipco ein erster wesentlicher Baustein zur Ansiedlung neuer und Umsiedlung expandierender Unternehmen in Erkelenz“, erklärt der Bürgermeister. „Attraktive und qualifizierte Arbeitsplätze in Produktion, Handwerk und Dienstleistungsbereich werden so in Erkelenz neu geschaffen – bestehende Arbeitsplätze gesichert. Gemeinsam mit den Unternehmen wird so die Basis für die Erhaltung und weitere Entwicklung von Erkelenz als attraktivem Wohn- und Wirtschaftsstandort geschaffen.“

Erik Schöddert, Leiter des Bereichs Umsiedlung und Flächenmanagement bei RWE Power, sieht die Aufgabe seines Arbeitgebers in diesem Zusammenhang so: „Als Tagebaubetreiber tragen wir über die Standortsicherung hinaus Sorge für die Entwicklung der Region. Daher unterstützen wir die Stadt Erkelenz dabei, im Gipco IV ein für Bürger und Unternehmen attraktives Umfeld zu schaffen. So helfen wir, den bevorstehenden Strukturwandel aktiv zu gestalten.“

Das Gewerbegebiet, so erklärt Jansen noch, könne bei Bedarf durchaus in seiner Größe verdoppelt werden. „Das ist rechtlich gesichert, seit Jahren schon.“ Für die Stadt ein wichtiger Umstand, denn der Bürgermeister macht keinen Hehl daraus, dass ein „Flächendruck“ da sei, „auch durch die Umsiedlung“.