Erkelenz: Gewalt und Vergewaltigung: Schreckliche Normalität für Samburu-Frauen

Erkelenz: Gewalt und Vergewaltigung: Schreckliche Normalität für Samburu-Frauen

In ihrer Heimat Kenia gilt Rebecca als Heldin. „Mama Mutig“ wird die Frau mit dem bunten Perlenschmuck genannt, die am vergangenen Montagabend im Cornelius-Burgh-Gymnasium in Erkelenz ihre Geschichte erzählt. „Im Stamm der Samburu ist man als Frau noch weniger wert als ein Hund“, sagt sie. Das müssen die Zuhörer erst einmal verdauen.

Gewalt, Genitalverstümmelung, Vergewaltigungen — für die Samburu-Frauen in Kenia ist das Normalität. Rebecca Lolosoli beschließt vor 25 Jahren, sich das nicht länger gefallen zu lassen. Sie verlässt ihren Mann und gründet „Umoja“, das erste Frauendorf Afrikas.

Ise Stockums aus Grevenbroich findet diesen Einsatz so beeindruckend, dass sie im Juli den Verein „Freundeskreis Umoja — Friends of Umoja“ ins Leben ruft, der Rebecca nun zu einer Gesprächsreihe nach Deutschland geholt hat. Über ihr Engagement beim Kinderhilfswerk „Plan“ hat die Abiturientin Luca Elsbernd von dem Verein erfahren und mit dem „Freundeskreis Umoja“ die Veranstaltung an ihrer Schule organisiert.

„Rebecca hat mich sehr beeindruckt. Es ist unglaublich, wie sie ihrem harten Schicksal begegnet und den Frauen ihres Kulturkreises eine Perspektive bietet“, sagt Luca. Rebecca berichtet auf Englisch und Ise Stockums übernimmt die Rolle der Dolmetscherin. Anschließend können Fragen gestellt werden.

„Es heißt in der Flüchtlingsdebatte immer, man solle die Lage in den Herkunftsländern verbessern“, sagt Stockums. „Genau das wollen wir tun.“

Inzwischen gibt es 26 Frauendörfer in Kenia, Rebecca durfte sogar vor den Vereinten Nationen sprechen. Im vergangenen Jahr wurde eine dorfeigene Schule gebaut.

„Bildung ist der Schlüssel zu allem“, betont Rebecca. „Wir wollen, dass unsere Töchter später ein besseres Leben haben als wir.“ Sie und ihre Freundinnen zeigen, dass sie keine Männer brauchen, um stark und unabhängig zu sein.

In einem Gerichtsprozess erstritten sie sich ein Stück Land, das sie durch den Verkauf von Schmuck finanzieren. Trotzdem braucht das Dorf finanzielle Unterstützung. Fließend Wasser gibt es nicht, viele Frauen sterben an Malaria oder leiden an Hunger.

Doch einen Brunnen zu bauen kostet viel Geld. Auch die Angriffe der Männer sind eine ständige Bedrohung. „Es ist Teil unserer Kultur, dass Frauen benachteiligt werden“, erklärt Rebecca. „Wir lieben unsere Kultur, aber mit diesem Part muss Schluss sein“.

Wer mehr über den Verein erfahren möchte kann, sich im Internet unter www.fk-umoja.com informieren.

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