Quartiersentwicklung: Gangelt, Selfkant und Heinsberg profitieren von Fördertöpfen

Quartiersentwicklung : Gangelt, Selfkant und Heinsberg profitieren von Fördertöpfen

Die Flyer sind gedruckt und im Februar öffnen die Quartiersbüros in Oberbruch, Kirchhoven, Gangelt, Saeffelen und Höngen ihre Pforten. Dafür machten nun die Bürgermeister der Gemeinden Gangelt, Bernhard Tholen, und Selfkant, Herbert Corsten, sowie der Stadt Heinsberg, Wolfgang Dieder Werbung.

Es geht darum, die Bürger für das Städtebauförderungsprogramm „Kleinere Städte und Gemeinden – überörtliche Zusammenarbeit und Netzwerke“ zu begeistern. Begeisterung setzt Verständnis des Sachverhalts voraus, doch dieser ist kompliziert. Das musste auch Bernd Niedermeier zugeben.

Niedermeier ist Stadtplaner und Landschaftsarchitekt. Er arbeitet bei der Planungsgruppe MWM in Aachen und betreut das Gesamtprojekt für die drei Kommunen. Darüber hinaus ist Niedermeier für die Bauberatung zuständig. Bauberatung und Quartiersmanagement sind die beiden Säulen, die das bürgerschaftliche Engagement im Rahmen des Städtebauförderprogramms stützen sollen.

Gülsen Litherland vom Deutschen Roten Kreuz fungiert als Quartiersmanagerin und wird vor Ort in Oberbruch, Kirchhoven, Gangelt, Saeffelen und Höngen in den Büros als Ansprechpartnerin den Bürgern zur Verfügung stehen und Flyer an den Haustüren verteilen. Wenn Gülsen Litherland also an einer Tür in einem der fünf „Quartiere“ klingelt, – keine Angst, Gülsen Litherland will nichts verkaufen – ganz im Gegenteil. Die Bürger können für sich und ihren Ortsteil auf Fördermittel hoffen.

Zwei „Geldtöpfe“ stehen bereit. Zum einen gibt es die Verfügungsfonds. Die wurden von den drei Kommunen mit Mitteln aus dem Städtebauförderprogramm gefüllt. Im Verfügungsfonds Gangelt sind Fördermittel in Höhe von 20.000 Euro platziert, Oberbruch 25.000, Kirchhoven 12.500, Saeffelen 10.000 und Höngen ebenfalls 10.000 Euro.

In den Quartiersbüros, in den Flyern oder demnächst auch über die Homepage westzipfelregion.de/staedtebau gibt es Infos über diese Verfügungsfonds. Mit den bereitgestellten Geldern sollen auf Vorschlag der Bürger Projekte gefördert werden, Maßnahmen zur Aufwertung des Ortsbildes, zur Stärkung des gesellschaftlichen Lebens, Mitmachaktionen, Maßnahmen zur Belebung des Einzelhandels und mehr.

In Frage kämen etwa Spielgeräte, Bepflanzungen, Kunstobjekte, Kinderbetreuung oder Infotafeln. Über die Förderwürdigkeit der vorgeschlagenen Projekte wird der Quartiersbeirat des jeweiligen Ortes entscheiden, der sich aus Anwohnern, Geschäftstreibenden und Vereinsvertretern zusammensetzt. Die Maßnahmen werden zu 50 Prozent gefördert, die übrigen 50 Prozent müssen privat finanziert werden. In den Genuss der Fördermittel können nur Projekte kommen, die in den festgelegten Fördergebieten liegen.

In Gangelt ist das Fördergebiet auf den Ortskern beschränkt, in Oberbruch auf das Gebiet um die Festhalle, in Kirchhoven auf den Verlauf der Waldfeuchter Straße sowie in Höngen und Saeffelen auf den Ortskern. Die genauen Grenzen der Fördergebiete sind in den Flyern abgebildet. Der Förderzeitraum umfasst die Jahre 2019 und 2020. Sollte das „Startkapital“ im Verfügungsfonds nicht ausreichen, könnte aus Mitteln des Städtebauförderprogramms eventuell durch Umschichtung der Finanzmittel nachgerüstet werden.

Innerhalb der Fördergebiete steht ein zweites Förderprogramm renovierungswilligen Hausbesitzern zur Verfügung. Es handelt sich um das Fassaden- und Hofprogramm. Auch für diese Programm wurden eigene Flyer aufgelegt, auch hierüber informieren die Quartiersbüros. Maximal kann ein Hausbesitzer 10.000 Euro Fördermittel aus diesem Programm bekommen. Wieder müssen private Mittel in Höhe des Fördergeldes eingesetzt werden. Es stehen 100.000 Euro in Heinsberg, 30.000 Euro in Gangelt und 60.000 Euro im Selfkant zur Verfügung. Gefördert werden unter anderem die Ortsbildaufwertung und die regionaltypische Bauweise.

Interessenten sollten sich über die genauen Modalitäten bei der Bauberatung und in den Quartierbüros beraten lassen. Unter anderem müssen drei Angebote von Handwerkern vorgelegt werden. Das Bund-Länder-Programm „Kleinere Städte und Gemeinden“ läuft in den drei Kommunen Heinsberg, Gangelt und Selfkant seit Ende 2017.

Neben den Programmen mit Bürgerbeteiligung sind von den Kommunen ortsteilbezogene Projekte erarbeitet worden. Die Bezirksregierung Köln hat das von den Kommunen vorgelegte Konzept als förderwürdig eingestuft. So sind für Gangelt bis 2020 insgesamt 8,8 Millionen Euro, für den Selfkant 6,3 Millionen Euro und für Heinsberg 13,1 Millionen Euro im Fördertopf. Das Geld wird in Abschnitten bewilligt werden. Gangelt nimmt unter anderem die Sanierung der Gesamtschule mit dem Haus der Jugendlichen und der Dreifach-Sporthalle in Angriff, Heinsberg die Sanierung der Festhalle Oberbruch und einen Planungswettbewerb zum ehemaligen Freibad Oberbruch, die Gemeinde Selfkant die Umgestaltung der Dorfzentren Höngen und Saeffelen.

Die Gemeinde Waldfeucht gehört zwar auch zum Verbund der Lokalen Aktionsgruppe Westzipfelregion hat aber derzeit keine Projekte, die in das Städtebauförderprogramm passen würden, könnte aber bei Bedarf einsteigen.

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