Für Sternengucker und Himmelsforscher

Himmlische Angelegenheit : Auf der Suche nach Sternen im Kreis Heinsberg

Wenn man den Sternen folgt, dann landet man im Kreis Heinsberg auch nicht unbedingt bei einer Familie mit neugeborenem Kind, die wählt im Jahr 2019 eher selten solch himmlische Beleuchtung.

Aber Sterne gibt es im Kreis Heinsberg viele, und sie sind nicht nur am Firmament zu finden, sondern zum Beispiel an der Aachener Straße 32 in Hückelhoven-Baal. Da wippt ein kleiner roter Stern keck auf dem „n“ des Namenszuges „Stern-Apotheke Baal“. Und weil es der Dreikönigstag ist, der zu dieser Sternsuche inspiriert, liegt jetzt die Frage nach Myrrhe und Weihrauch ganz nah. Ja, die könne man bestellen, heißt es. Und zwar als ätherisches Öl, als Tinktur oder Kapsel. 

Myrrhe und Weihrauch sind Baumharze mit einer medizinischen Wirkung. Schon Hippokrates soll das an der Luft gehärtete Harz des Myrrhebaumes verwendet haben, um entzündliche Magen- und Darmkrankheiten zu kurieren. Auch bei Rheuma oder Hauterkrankungen soll es wirken. Wer diese Naturheilmittel jedoch einsetzen will, sollte sich vorher gut beraten lassen, rät die diensthabende Apothekerin, damit Beschwerden und Mittel auch zueinander passen.

Unter Reiseübelkeit Leidende, können an der Stern-Apotheke rezeptfrei ein Mittelchen erhalten, bevor sie in einen Bus einsteigen, der an der Haltestelle Am Stern in Wassenberg hält. Die Linie 413 bringt die Fahrgäste nach Wegberg oder Heinsberg, die 495 nach Erkelenz. Den Sternen etwas näher kommt aber, wer auf der Straße Am Stern bleibt, das Haus Nummer 5 betritt und mit Dirk Buchkremer ins Gespräch kommt.

Das Sternenhaus in Oberbruch ist so etwas wie ein Wahrzeichen des Ortes geworden, sagt Ortsvorsteher Helmut Frenken. Jeder kennt es. Der Architekt hat es in den 60er-Jahren im Stil der Zeit gebaut. Foto: Anna Petra Thomas

Er hat ein paar gute Tipps für Sternreisende. Er weiß auch, wie man am besten dahin kommt und bucht gerne den passenden Flug. Als Inhaber des Tui-Reisecenters Wassenberg ist das schließlich sein Job. „Im Winter ist mit dem richtigen Budget noch vieles möglich“, sagt er und schwärmt von dem „Polarlichterzauber“ in Lappland und einem Besuch im Eishotel.

Sonnenanbeter kann er aber auch Plätze im Nationalpark in Südafrika reservieren. „Da haben Sie auch einen tollen Blick auf den Sternenhimmel“, sagt er. Da stört kein Lichtersmog den Blick in den Himmel.

Einen freien Blick auf die Sterne haben auch die Schüler der Astro-AG – sofern die Wolken nicht im Weg sind. Denn ihr hochauflösendes Teleskop steht unter einer Kuppel auf dem Dach des Hückelhovener Gymnasiums.

Normalerweise treffen sie sich jeden Freitagabend von 19 bis 22 Uhr, um in die Sterne zu schauen oder sich im Internet über astronomische Phänomene zu informieren. Sie wissen jedenfalls, dass am Himmel nicht nur Merkur, Jupiter, Saturn und Co. zu sehen sind, sondern auch Sternenbilder wie die Schlange oder der Schwan, und dass die Geminiden  Meteore sind, die im Dezember als Sternschnuppen zu erkennen sind.

Würden die Schüler ausnahmsweise mal an diesem Sonntagmorgen, so zwischen 4 und 5 Uhr, durch ihr Teleskop blicken, dann könnten sie am Dreikönigstag sehen, dass die Venus, der sogenannte Morgenstern, nur zur Hälfte zu sehen ist. Frühaufsteher können es vielleicht sogar mit bloßem Auge erkennen.

Wer unter dem gelben Dach mit der Aufschrift Am Stern steht, wartet nicht auf Caspar, Melchior und Balthasar, sondern auf den Bus. Foto: MIrja Ibsen/Mirja Ibsen

Gut zu erkennen ist auch die Sternform des Sternhauses in Oberbruch, auch wenn man nicht von oben auf das Hochhaus blickt. Die Balkone ragen wie Sternspitzen aus dem Gebäude heraus. Diese spezielle Architektur sei nicht das Ergebnis eines Wettbewerbs, sagt Carsten Cordewener, Pressesprecher der Stadt Heinsberg, und auch Oberbruchs Ortsvorsteher Helmut Frenken kann sich an keine spezielle Geschichte zu dem in den 60er-Jahren erbauten Sternhaus erinnern.

Wahr ist aber, dass es zu einem Wahrzeichen Oberbruchs geworden ist. Wenn es heißt „Am Sternhaus links“, dann weiß jeder, wo es langgeht. Vielleicht zum Hotel Sternzeit in Wegberg? Das liegt nur ein paar Gehminuten vom Golfplatz Wildenrath entfernt und ganz in der Nähe vom Nationalpark de Meinweg. Sterne hat es sogar gleich vier.

Jeweils nur einen Stern tragen die Karossen mit viel PS und Chrom, die in den Autohäusern der Region zu erwerben sind und ein Hückelhovener Händler trägt den Stern auch im Namen.

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