Für natürlichere Rurauen zwischen Karken und Ophoven

Die Rur : Für natürlichere Rurauen zwischen Karken und Ophoven

Über das Steilwehr zwischen Karken und Ophoven rauscht das Wasser der Rur zügig hinweg. Aber wenn man sich mit Christoph Hermanns über die untere Rur unterhält, dann bekommt man eher den Eindruck, als sei mehr Stillstand als Bewegung im Spiel.

Hermanns setzt sich mit einigen Mitstreitern für eine Renaturierung des Flusses ein. Seine Heimat und die Schönheit der Natur liegen ihm am Herzen, deshalb engagiere er sich. Viele Einwohner von Karken sperrten sich aber noch dagegen, dass die Rur wieder natürlicher wird, sagt er.

Hermanns und seine Mitstreiter wollen mit dem Aktionskreis Auenherz nun erst einmal darüber informieren, wie sich eine Renaturierung der Rur auswirken würde. Denn sie würde nicht nur dem Natur- und Landschaftsschutz dienen, sondern auch noch den Hochwasserschutz verbessern. Es sei schon gesetzlich vorgeschrieben, dass jede Renaturierungsmaßnahme auch den Hochwasserschutz verbessern müsse, sagt Hermanns, um den Karkenern die Bedenken zu nehmen.

Das sei aber bei vielen Bewohnern des Ortes noch nicht angekommen. Vielmehr werde die Angst geschürt, dass es wieder schlimmeres Hochwasser geben könnte, wenn der Lauf des Flusses kurvenreicher und naturnäher würde. „Die Angst vor den ,nassen Füßen’ steckt noch in den Köpfen der Leute. Aber da sind sie sachlich und fachlich falsch informiert“, sagt Hermanns.

Auch der Wasserverband Eifel-Rur (WVER) würde den Fluss zwischen Karken und Ophoven gerne wieder natürlicher gestalten. Aber das sei aktuell noch nicht möglich: „Renaturierungen bedürfen großer Flächen, um ein natürlich mäandrierendes Gewässerprofil und ein entsprechendes ökologisches Umfeld herstellen zu können“, teilte Pressesprecher Marcus Seiler auf Anfrage unserer Zeitung mit. Der WVER kaufe seit Jahrzehnten Grundstücke in der Ruraue oder in der näheren Umgebung, um sie direkt für Renaturierungsmaßnahmen oder als Tauschland für Flächen an der Rur nutzen zu können. Bisher sei es jedoch noch nicht gelungen, ausreichend große, zusammenhängende Flächen für ein Renaturierungsprojekt im Raum Karken zu erwerben.

Dabei möchte der Verband besonders die Steil-Wehre zurückbauen, die nahe der Grenze zu den Niederlanden noch vorhanden sind. „Prioritär wird seitens des WVER die Planung zur Herstellung der Durchgängigkeit der ersten vier Rurwehre betrieben. Diese sind für eine ökologische Durchgängigkeit bis Obermaubach die schwerwiegendsten Wanderhindernisse für die Fische“, teilte Seiler mit.

Aktiv werden will der Wasserverband auch auf der anderen Seite des Flusses. In Ophoven soll ein neuer Deich gebaut werden. Der alte Schutzdamm böte bei einem Jahrhunderthochwasser keinen ausreichenden Schutz, also bei einem Hochwasser, wie es statistisch gesehen einmal in 100 Jahren vorkommt. Dieses Projekt ist allerdings ins Stocken geraten. Eigentlich hatte der Wasserverband den neuen Deich bereits im vergangenen Jahr bauen wollen, um Ophoven vor einem Jahrhunderthochwasser zu schützen. Dieses Vorhaben verzögert sich aber. Mit einer Fertigstellung rechnet der Verband für das Jahr 2021.

Diese Verzögerung hängt auch mit den Überschwemmungsflächen zusammen, die zwischen Ophoven und Karken ausgewiesen werden müssen. Aktuell bereitet die Bezirksregierung ein neues wasserwirtschaftliches Modell vor, mit dem diese Flächen berechnet werden sollen. Der Wasserverband wolle die Planfeststellungsunterlagen für den Ophovener Hochwasserschutzdamm erst einreichen, wenn dieses Modell vorliegt. Damit sei Mitte des Jahres zu rechnen.

Christoph Hermanns möchte erreichen, dass die Rurauen wieder natürlicher werden. Foto: Daniel Gerhards

Christoph Hermanns geht derweil über eine schmale Rurbrücke. Auf Ophovener Seite gibt es Wiesen, auf Karkener Seite intensiver genutzte landwirtschaftliche Flächen. Er sagt, dass der Ophovener Deich längst hätte gebaut sein können, wenn der Fluss schon renaturiert worden wäre. Denn dann hätte es das Problem mit der Berechnung der Überschwemmungsgebiete nicht gegeben, sagt er. Dass sich der Bau des neuen Hochwasserschutzdamms so stark verzögere, habe negative Auswirkungen für einige Ophovener. Weil der Deich zu wenig Schutz bietet, liegt ein großer Teil des Ortes laut einer Karte der Bezirksregierung Köln im Überschwemmungsgebiet. Viele Bewohner hätten deshalb schon den Versicherungsschutz für ihr Haus verloren, sagt Hermanns.

Hermanns glaubt, dass das Deichprojekt noch einmal von der Bezirksregierung beanstandet werden könnte, weil die eigentlich obligatorische Renaturierung von der Planung des Deiches entkoppelt wurde. Die Bezirksregierung habe jedoch zugesagt, dass der Wasserverband den Damm vorgezogen bauen könne, teilte Seiler mit: „Die Frage, ob nachfolgend noch ein Ausgleich für das durch den Bau des Deiches in Ophoven verloren gegangene Retentionsvolumen geschaffen werden muss, hängt von der Frage ab, ob es dadurch für die Unterlieger zu einer Verschärfung der Hochwassersituation kommt.“

Dass die Renaturierung des Karkener Rurabschnittes nicht voran kommt, ärgert Hermanns besonders, weil es auch positive Beispiele gebe. So beispielsweise das Projekt „Rückbau der Rur bei Körrenzig“ im Kreis Düren. Hermanns, der auch Mitglied der CDU ist, möchte sich nun auch politische für die Renaturierung in Karken einsetzen.

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