Mönchengladbach/Hückelhoven: Für 145 Euro Frau beinahe totgeschlagen

Mönchengladbach/Hückelhoven: Für 145 Euro Frau beinahe totgeschlagen

Ihre Beute betrug nur knapp 145 Euro. Dafür hätten die beiden Angeklagten laut Staatsanwaltschaft den Tod ihres Opfers in Kauf genommen.

Vor dem Landgericht Mönchengladbach hat am Montag der Prozess gegen die beiden Hückelhovener Kevin S. (30) und Alexander Z. (20) begonnen. Vorgeworfen wird ihnen versuchter Mord, schwerer Raub und gefährliche Körperverletzung.

Am 13. September vorigen Jahres überfielen sie die weibliche Aufsicht einer Spielhalle an der Ernst-Reuter-Straße und schlugen sie mit einer Eisenstange nieder. Das Opfer erlitt Platzwunden, Hämatome und eine Gehirnerschütterung. Mit ihrer kläglichen Beute konnten die beiden Täter fliehen, wurden aber wenige Tage später festgenommen und befinden sich seitdem in Untersuchungshaft.

Zum Prozessauftakt machten beide Angeklagten Aussagen zur Person. Beide stammen aus Hückelhoven, haben dort die Grund- und die Hauptschule besucht, die sie ohne Abschluss verließen. Die Berufsschule in Erkelenz brachen beide nach kurzer Zeit ab und gingen seitdem keiner geregelten Beschäftigung nach. Alexander Z. wollte darüber hinaus keine Aussagen zum Tathergang machen, wie sein Anwalt Georg Seiferth erklärte.

Ein paar Bier und ein Joint

Gesprächiger zeigte sich der Mitangeklagte Kevin S., der über den Tathergang und sein Leben im Umfeld der Tat berichtete. Dabei verstrickte er sich jedoch in Widersprüche. Zu der Idee, die Spielhalle zu überfallen, sei es spontan gekommen. Geplant sei der Überfall nicht gewesen.

Dies mochte der vorsitzende Richter Lothar Beckers allerdings nicht glauben und fragte, weshalb die Angeklagten denn die Eisenstange und den Teleskopschlagstock mit sich geführt hätten. Darüber hinaus stelle sich die Frage, weshalb sie vor Betreten der Spielhalle einen Bekannten vorgeschickt hätten, der die Lage erkunden sollte. Darauf wusste S. keine Antwort. So blieb in seiner Aussage ungeklärt, wann der Entschluss zur Tat gefallen sei.

Gemeinsam hätten sie die Spielhalle betreten und ein Getränk bestellt, führte S. weiter aus. Als das Opfer ihnen den Rücken zuwandte, um die Getränke zu holen, sei er vom Mitangeklagten Alexander S. dann aufgefordert worden zuzuschlagen, was er auch tat. Gezielt habe er auf den Rücken, aber den Kopf getroffen, betonte Kevin S.. Sein Kumpan sei dann hinausgelaufen und kurz danach mit über den Kopf gezogener Jacke wieder zurückgekommen. Als sich das Opfer aufrappeln wollte, habe er wieder zugeschlagen. Auch diesmal habe er auf den Rücken gezielt.

Auch dieser Aussage wollte der Richter nicht wirklich Glauben schenken. Vielmehr sei sogar von drei oder mehr Schlägen auszugehen. Daran könne sich der Angeklagte nicht erinnern, da er nach eigener Aussage „unter Schock” stand. Auf die Frage, ob die beiden nach der Tat noch einmal darüber gesprochen hätten, erklärte S., er habe Z. gefragt, weshalb er nicht auch zugeschlagen habe. Vom Tatort aus seien sie zu einem nahegelegenen Supermarkt gelaufen, von wo aus sie ein Taxi genommen hätten, um sich in Hückelhoven schließlich mit ihrem Dealer zu treffen.

S. gab an, vor der Tat einen Joint und mehrere Flaschen Bier zu sich genommen zu haben. An Details der Tat könne er sich nicht mehr erinnern. Er gab an, kurz vor der Tat aus dem Elternhaus geworfen worden zu sein, weil er 1000 Euro entwendet habe. Er bezeichnete sich selbst als abhängig von Amphetaminen. Der Prozess wird am Donnerstag mit der Vernehmung der Zeugen fortgesetzt.

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