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Heroinhandel: Früherer Hückelhovener Pfarrer soll ausgeliefert werden

Heroinhandel : Früherer Hückelhovener Pfarrer soll ausgeliefert werden

Seit August 2020 sitzt Georg K. in Brüssel im Gefängnis – wegen Heroinhandels. Nun soll ihm auch in Mönchengladbach der Prozess gemacht werden. Aber wie, wenn er nicht greifbar ist?

Die Staatsanwaltschaft Mönchengladbach hat die Auslieferung des früheren Hückelhovener Pfarrers Georg K. beantragt Das teilte Staatsanwältin Simone Braam am Freitag auf Anfrage unserer Zeitung mit. Der 59-jährige Geistliche, der in Diensten des Bistums Aachen steht, sitzt seit August 2020 in Brüssel im Gefängnis. Er war zuvor am Flughafen Zaventem mit drei Kilogramm Heroin festgenommen worden, das er aus Afrika mitgebracht haben soll. Im Dezember 2020 wurde er wegen bandenmäßigen Drogenhandels in Brüssel zu drei Jahren Haft verurteilt.

Allerdings hat auch die Mönchengladbacher Staatsanwaltschaft Anklage gegen Pfarrer K. erhoben. Während seiner Zeit als Leiter der Gemeinschaft der Gemeinden Hückelhoven soll er in 147 Fällen Geld einer ausländischen Betrügerbande gewaschen haben, die vermutlich vom afrikanischen Kontinent aus operierte. Eines der 161 Konten, die der Pfarrer zum Waschen des Geldes benutzt haben soll, war das der Gemeinschaft der Gemeinden Hückelhoven.

Bereits im Dezember 2016, wenige Monate nach seinem Amtsantritt in Hückelhoven, war der aus Mönchengladbach stammende Pfarrer zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 30 Euro verurteilt worden, weil er Geld einer Betrügerbande gewaschen hatte. Damals konnten ihm allerdings nur vier Fälle nachgewiesen werden.

Schulseelsorger in Düren

Damit am Amtsgericht Mönchengladbach der Prozess gegen Pfarrer K. stattfinden kann, hat nun die Staatsanwaltschaft bei den zuständigen Behörden seine Auslieferung beantragt. Die belgische Justiz hat die Möglichkeit, darauf zu bestehen, dass K. seine Strafe zunächst in Belgien verbüßt, bevor er ausgeliefert wird. Sie könnte K. aber auch sofort ausliefern und die Bundesrepublik dazu verpflichten, dafür Sorge zu tragen, dass K. den Rest seiner belgischen Strafe in Deutschland verbüßt. Die Entscheidung obliegt der zuständigen Staatsanwaltschaft in Brüssel.

Im Fall einer Verurteilung wegen Geldwäsche droht K. als Wiederholungstäter in Deutschland eine weitere Haftstrafe. Zudem drohen ihm kirchenrechtliche Konsequenzen. Dass er weiter als Pfarrer arbeiten kann, wäre nach seiner Verurteilung in Belgien selbst dann unwahrscheinlich, wenn er am Amtsgericht Mönchengladbach freigesprochen würde.

Bevor Pfarrer K., Jahrgang 1963, im März 2016 vom Bistum Aachen zum Leiter der Gemeinschaft der Gemeinden (GdG) Hückelhoven berufen wurde, war er Militärpfarrer bei der Deutschen Marine in Kiel und Plön, ein Auslandseinsatz führte ihn dabei nach Somalia. Er arbeitete als Schulseelsorger in Düren, als Subsidiar in Aachen und als Kaplan in Meerbusch im Nordwesten von Düsseldorf. „Ein Mann, der viel erlebt hat“, wie der damalige Domkapitular Heiner Schmitz bei K.s Amtseinführung 2016 in Hückelhoven gesagt hatte.