Freunde finden im Internationalen Freundeskreis

Integration : Im Internationalen Freundeskreis wieder Macher sein

Ein Journalist und ein Zahnarzt aus Syrien haben mit der Gemeindesozialarbeit des Caritasverbandes für die Region Heinsberg und dem Helferkreis Selfkant und Pfarrer Roland Bohnen den Internationalen Freundeskreis gegründet. Hier wollen sie nicht betreut werden, sondern Freunde finden.

Wie fremd war doch dieses Sehnsuchtsland Deutschland für die vielen Syrer, Marokkaner, Armenier und Afrikaner doch, als sie im Jahr der großen Flüchtlingswelle nach Deutschland kamen. Wie anders erschienen Land und Leute im Kreis Heinsberg im Gegensatz zu denen in ihrer Heimat. Wie verloren fühlten sie sich oft – und wie dankbar waren sie, von deutschen Flüchtlingshelfern buchstäblich an die Hand genommen zu werden. Sie mussten sich zurechtfinden im Bürokratie-Dschungel, die Sprache lernen und die Mentalität – und fühlten sich wieder wie kleine Kinder. Nun, gut drei Jahre später, sind viele dieser Flüchtlinge von einst angekommen - und wieder erwachsen geworden. Sie sprechen nun die Sprache und kennen die Mentalität der Deutschen. „Sie wollen selbst Teil dieses Landes werden“, sagt die Gemeindesozialarbeiterin des regionalen Caritas-Verbandes Heinsberg, Martina Zantis. Die Flüchtlinge wollen dazugehören, mitgestalten, Verantwortung zu übernehmen und Teil des gesellschaftlichen Lebens sein. Deshalb hat sich der Internationale Freundeskreis vor einem Jahr gegründet“, sagt Martina Zantis. „Lange Zeit wurden die Flüchtlinge betreut – jetzt wünschen sie sich eine Beziehung auf Augenhöhe, wollen Freundschaften zu Einheimischen knüpfen und mit all ihrem Können und ihren Talenten und Kompetenzen als Mitglieder der Gesellschaft wahr- und ernstgenommen werden. Und sie wollen einen Kontakt zu Deutschen zu bekommen, der auf Augenhöhe stattfindet“, erklärt sie. Einmal im Monat treffen sich Geflüchtete – darunter Anerkannte und solche mit Duldungsstatus – mit Einheimischen in der Kontaktberatungsstelle der Caritas in der Apfelstraße in Heinsberg zum Austausch und zur Planung gemeinsamer Aktivitäten. „Dabei treten die Nationalitäten in den Hintergrund – und auch die Probleme. „Es geht hier nicht um Hilfe – sondern um Freundschaft. Das ist für die Integration enorm wichtig“, sagt Zantis. Natürlich spreche man auch über die eigene Lebenssituation und man diskutiere auch - aber im Kern ginge es beim Internationalen Freundeskreis gemeinsame Aktionen und Projekte, um Spaß und um das Zusammensein. Darum, nicht einsam zu sein in dem neuen Land und nicht nur unter denen zu bleiben, die ein ähnliches Schicksal teilen. Die Idee zum internationalen Freundeskreis entwickelte sich während eines Sprachkurses. Ein Journalist und ein Zahnarzt aus Syrien waren mit der Gemeindesozialarbeit des Caritasverbandes für die Region Heinsberg und dem Helferkreis Selfkant, sowie Pfarrer Roland Bohnen von der GdG St. Servatius Selfkant die treibenden Kräfte bei der Gründung. Seitdem trifft sich der Freundeskreis einmal im Monat – das Motto lautet, wer kommt, der kommt – und in der Regel kommen dann 8 Personen zusammen. Der Rest ist ein ständiger Wechsel“, sagt Zantis. Das liege zum Teil daran, dass viele der Syrer Marokkaner und Afrikaner wieder aus dem Kreis weggezogen seien. Und daran, dass die Anreise nach Heinsberg mit öffentlichen Verkehrsmitteln aus Waldfeucht, Geilenkirchen oder dem Selfkant nach 19 Uhr mehr als schwierig ist - zumal die meisten Flüchtlinge unter den „Internationalen Freunden“ auch berufstätig sind. Aber es liege auch an der Tatsache, dass die vielen Flüchtlinge zwischen 20 und 35, die zum Internationalen Freundeskreis kommen, meist auf Deutsche treffen, die deutlich älter sind als sie selbst. „Es ist ähnlich wie beim Ehrenamt im Allgemeinen, das in Deutschland „60 Plus“ ist. Die jungen Deutschen fehlen einfach“, sagt Zantis. Natürlich freue sich ein Syrer, einen väterlichen Freund zu finden. Aber viel wichtiger für die Integration sei auch der Kontakt zu Menschen in ähnlichen Lebensphasen – und die sind meist in ähnlichem Alter.
Derzeit haben die „internationalen Freunde“ einen Kochabend initiiert. Abwechselnd werden in der Sekundarschule Haaren gemeinsam Landestypische Gerichte gekocht – armenisch, syrisch, marokkanisch. Hierbei sind es die Flüchtlinge, die die Deutschen am Herd und beim Schippeln anleiten, Tipps und Ratschläge geben und erklären, wie man was am besten machen sollte. An diesem Abend sind sie dann wieder Experten, die Kompetenten. „Darum geht es ja auch, wieder „Macher“ sein zu können, zu zeigen, dass man selbst etwas kann - und den Deutschen etwas zurückzugeben“, sagt Martina Zantis. Und dieser Kochabend, so sagt Zantis, werde sehr gut angenommen. Und vielleicht geht mit ein bisschen Glück ja nicht nur Liebe durch den Magen – sondern auch Freundschaft.

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