Hückelhoven: Freunde der Kammermusik überraschen mit Klangkombinationen

Hückelhoven: Freunde der Kammermusik überraschen mit Klangkombinationen

Die Freunde der Kammermusik con brio verstehen es immer wieder, nicht nur hervorragende Musiker zu ihren Konzerten einzuladen — sie überraschen auch mit ungewohnte Klangkombinationen. So nun mit dem Heinrich-Heine-Streichtrio, das sich nach der Pause mit der finnischen Pianistin Maria Ollikainen zu einem Quartett verstärkte.

Mozart, Mahler und Brahms standen in der Hückelhovener Aula auf dem Programm, Musik aus drei Jahrhunderten. Mitveranstalter war die Volkshochschule.

Viel Beifall und Rosen

Alle vier haben nicht nur als Elitemusiker in berühmten Orchestern gespielt beziehungsweise spielen noch, sie sind auch hervorragende Solisten: Stefan Heinemeyer, ein Ausnahme-Cellist, Martin von der Nahmer, Bratschist bei den Berliner Philharmonikern, und Andrea Kim, welche die erste Konzertmeisterin beim Sinfonieorchester des Hessischen Rundfunks war.

Die drei haben sich auf vielen internationalen Festivals kennengelernt und dann beschlossen, ein Streichtrio zu gründen, dem sie den Namen des freigeistigen und unkonventionellen Dichters Heinrich Heine gegeben haben.

Das Konzert begann mit dem fast 42 Minuten dauernden „Divertimento Es-Dur für Violine, Viola und Violoncello, KV 563“ von Mozart, das nicht nur höchste Ansprüche an die virtuosen Fähigkeiten des Trios stellte, sondern auch ein gehöriges Maß an physischer Präsenz verlangte. Das Werk mit seinen sechs Sätzen erweckt mit seiner Bezeichnung „Divertimento“ (Vergnügen) vielleicht zunächst falsche Erwartungen.

Denn es geht nicht nur um Unterhaltung, wie sie zu Mozarts Zeiten an den europäischen Höfen üblich war, sondern auch um tiefgründig Meditatives, das allerdings auch neben das tänzerisch Beschwingte tritt. Und das Verhältnis der drei Instrumente zueinander ist völlig ausgewogen.

Nach der Pause dann der „Quartettsatz a-Moll für Klavier, Violine, Viola und Violoncello“ von Mahler, den der Komponist schon mit 16 Jahren schrieb. Es trägt die Bezeichnungen „Nicht zu schnell — Mit Leidenschaft — Entschlossen“. Und diese Charakteristika wurden von den vier Musikern grandios entfaltet, wobei kein Instrument sich in den Vordergrund spielte.

Das Konzert endete mit dem „c-Moll Klavierquartett op. 60“ von Brahms, das in mehreren Anläufen entstand und an dem der Komponist 20 Jahre gearbeitet hatte. Das Hauptmotiv in den vier Sätzen ist eigentlich die unglückliche Liebe zu Clara Schumann, die ihn fast in den Selbstmord getrieben hätte und die ihn gefühlsmäßig in die Nähe von Goethes „Die Leiden des jungen Werthers“ brachte. Und das Quartett — um es weniger musikalisch als vielmehr alltagssprachlich auszudrücken — legte noch einmal richtig los.

Ein kleines Dankeschön nach viel Beifall waren am Ende Rosen für die vier Musiker und ein Geschenk.

(hl)
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