Wegberg: Freitagnachmittags und samstags keine Trauungen mehr

Wegberg: Freitagnachmittags und samstags keine Trauungen mehr

Die Ankündigung der Stadt Wegberg, im ersten Halbjahr 2019 keine Trautermine mehr am Freitagnachmittag und Samstag anzunehmen, hat für so manches Kopfschütteln gesorgt. Denn längst ist der standesamtliche Trautermin auch das „große Hochzeitsfest“ vieler junger Paare. Und das soll in Wegberg künftig nur noch an einem Werktag zu feiern sein?

Im Standesamt Wegberg geht der Leitende Standesbeamte in den Ruhestand. In nichtöffentlicher Sitzung hatte der Rat am 24. April beschlossen, diese Stelle nicht sofort wieder zu besetzen, sondern die allgemein beschlossene sechsmonatige Wiederbesetzungssperre abzuwarten.

Seit ihrer Einführung 2011 ist diese Wiederbesetzungssperre immer wieder Grund für hitzige Diskussionen. Sie bietet die Möglichkeit, Stellen auf ihre zwingende Notwendigkeit zu überprüfen und gibt die Möglichkeit, Personalbedarf durch interne Umorganisation zu vermindern, sagen ihre Befürworter. Die Arbeit bleibt nur liegen und belastet die Kollegen, sagen ihre Gegner. Dass sie auch Geld spart, bestreitet niemand.

Der Personalrat der Stadt Wegberg hatte wegen dieser Ratsentscheidung die Dienstvereinbarung, die Eheschließungen auch am Freitag oder Samstag ermöglichte, zum Ende des Jahres gekündigt. „Mit den drei verbleibenden Standesbeamten, die noch dazu nicht in Vollzeit für das Standesamt arbeiten, ist das nicht zu bewältigen“, sagt der Personalratsvorsitzende Guenther Dammers.

Wer weiß schon, dass nicht nur ein Standesbeamter für eine Trauung nötig ist. Im Hintergrund steht immer auch einer in Bereitschaft, um notfalls übernehmen zu können. Denn an einem noch so kleinen Verkehrsunfall soll doch das große Eheglück nicht scheitern.

Das Kopfschütteln ist in der Wegberger Politik angekommen, und SPD und CDU nehmen sich des Themas wieder an. Die „völlig unverständliche Entscheidung“ will SPD-Chef Ralf Wolters dringend korrigieren. Und fordert diesmal öffentliche Beratung, „weil sich die Fraktionen, die diese Entscheidung getroffen haben, nicht hinter den Regeln der Nichtöffentlichkeit verstecken dürfen, sondern sich für ihre Entscheidung vor den Wegberger Bürgern zu verantworten haben“, wettert er. Die SPD stellt daher den Antrag, „ das Standesamtswesen von der Wiederbesetzungssperre auszunehmen“.

Fünf Tage später reagiert die CDU und erklärt, die Intention des Ratsbeschlusses sei gewesen, dass der Bürgermeister aus dem Kreis der vorhandenen Mitarbeiter einen neuen Leitenden Standesbeamten ernennen solle, denn Trauungen an Wochenenden sehe die CDU „als absolute Notwendigkeit“ an.

Und einen Mitarbeiter, der die formalen Voraussetzungen erfülle, gebe es ja. Ihr Antrag: Die Verwaltung soll sicherzustellen, dass Eheschließungen auch am Wochenende möglich sind.

Mit der von der CDU geforderten Ernennung dürfte den Heiratswilligen in Wegberg wenig geholfen sein. „Denn hier fehlt ein vierter Mitarbeiter, nicht ein Leitender Standesbeamter“, stellt der Personalratsvorsitzende klar, der übrigens selber im Standesamt arbeitet. Der Antrag der SPD-Fraktion vom 1. Juni ist schon eine Beschlussvorlage geworden und steht auf der Tagesordnung des am 21. Juni tagenden Personalausschusses.

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