Gangelt: Freie Wähler Gangelt: Ärger um den Bauhof

Gangelt : Freie Wähler Gangelt: Ärger um den Bauhof

Der Ärger um den Gangelter Bauhof, der den Gemeinderat in seiner vergangenen Sitzung beschäftigt hat, wird auch am Dienstag wieder aufs Tapet gebracht. Im nicht-öffentlichen Teil der Gemeinderatssitzung wird Bernhard Tholen Fragen der Freien Wähler beantworten, die diese zum Thema eingereicht haben.

Die Fraktion will wissen, warum die Gemeinde in der Sache einen sogenannten Coach engagiert hat, der die Arbeit des Bauhofs optimieren soll — und wie die vertraglichen Konditionen aussehen. Es handele sich um eine „nicht akzeptable, unnötige und nicht mit dem Rat abgestimmte Ausgabe von Steuergeldern“.

Der Gangelter Bauhof: Die Mitarbeiter sahen sich in der vergangenen Ratssitung scharfer Kritik von Seiten der CDU ausgesetzt.

Der Angelegenheit vorangegangen war ein Antrag der CDU-Fraktion, in dem harsche Kritik an der Arbeitsleistung der Mitarbeiter des Bauhofs geübt wurde. Der Pflegezustand der Grünanlagen in sämtlichen Ortsteilen sei „desolat“, das Vertrauen der Bevölkerung in den Bauhof „in weiten Teilen“ erschöpft, die Ortsvorsteher seien gar „beißendem Spott“ ihrer eigenen Wähler ausgesetzt. Es klang ein bisschen so, als unterscheide Gangelt sich nur noch in Nuancen von einem Urwald. Verständlicherweise zeigten sich die Mitarbeiter des Bauhofs, von denen auch einige in der Sitzung erschienen waren, wenig begeistert. Der CDU-Fraktionsvorsitzende, Karl-Heinz Milthaler, verteidigte die scharfen Formulierungen damals als „schriftlichen Weckruf“.

In der Sache jedenfalls, darüber herrschte weitestgehend Konsens, hatte die CDU nicht völlig unrecht. Unstimmigkeit herrscht hingegen in der Frage, wo die Ursache des Problems liegt. Bürgermeister Bernhard Tholen jedenfalls ist nach wie vor über die Art und Weise des Vorstoßes unglücklich („Das ist nicht mein Stil“), gibt aber zu, dass auch ihm immer wieder Klagen aus der Bevölkerung zu Ohren gekommen seien.

Er glaubt, dass das Problem organisatorischer Natur sei. Die Aufgaben des Bauhofs ließen sich grob in drei Sorten unterteilen. Als da wären die regelmäßig wiederkehrenden Pflichtaufgaben wie eben die Pflege des Gründschnitts, die unregelmäßig wiederkehrenden Pflichtaufgaben wie der Winterdienst sowie die Einzelaufträge beispielsweise durch Ortsvorsteher. In der Vergangenheit, so Tholen, sei da das Setzen der richtigen Prioritäten wohl nicht immer gelungen. Verschärft werde das Problem auch dadurch, dass Bauhofleiter Günter Paulzen (Tholen: „ein super Mann“) als Chef der Feuerwehr sich nicht ausschließlich um den Bauhof kümmern kann (und dies auch nicht soll).

Darum wurde Paulzen und seinen Leuten besagter Coach zur Seite gestellt — in Person des früheren Waldfeuchter Bürgermeisters Johannes von Helden. Auf Honorarbasis solle dieser dafür sorgen, dass dem Wirken des Bauhofs die richtige Struktur verpasst wird. Er tut also im übertragenen Sinne das, was der Bauhof mit einer struppigen Hecke tun soll. Von Helden sei für diese Aufgabe als pensionierter Verwaltungsbeamter ausgezeichnet geeignet.

Dass es so weit gekommen ist, so Tholen, sei nicht die Schuld des Bauhofs. „Da müssen wir uns alle an die eigene Nase packen, ich vorneweg.“ Denn genau wie mancher Ortsvorsteher habe auch er selbst den Bauhof oft auf dem kurzen Dienstweg kontaktiert, wenn ihm eine Stelle auffiel, wo Hand angelegt werden muss — und so zu dem Durcheinander beigetragen. Ab jetzt laufe jeder einzelne Auftrag über die Verwaltung, ohne Wenn und Aber. Bezüglich von Heldens Salär will Tholen sich nicht äußern — jedenfalls handele es sich um eine befristete, jederzeit kündbare Tätigkeit auf Honorarbasis.

Den Freien Wählern erscheint die Argumentation nicht schlüssig. Dass in Gangelt „nicht immer alles wie geleckt“ aussehe, so Ratsfrau Helga Heinen, hänge vielmehr damit zusammen, dass die Bauhof-Mitarbeiter sich oft um Dinge hätten kümmern müssen, die gar nicht ihre Sache sein sollten — beispielsweise auf Privatgrundstücken.

Ratsfrau Helga Heinen versteht außerdem nicht, dass der Bürgermeister seinem Bauhof-Leiter einerseits ausgezeichnete Arbeit attestiert, ihm andererseits aber einen Coach „vor die Nase setzt“. Sie glaubt, dass es sich in Wahrheit um eine Gefälligkeit für Bernhard Tholens ehemaligen Amtskollegen handelt.

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