Heinsberg-Kirchhoven: Freibad: CDU nennt Gründe für ihre Entscheidung

Heinsberg-Kirchhoven: Freibad: CDU nennt Gründe für ihre Entscheidung

„Ich hatte Schlimmeres erwartet.“ Was Martin Bischof, Beisitzer im Vorstand des Fördervereins Freibad Kirchhoven, bei seinem ersten Rundgang ums große Becken des Freibads sagte, dachten viele, die mit dabei waren. Zu einem ersten Treffen hatte der Vorstand die Handwerker eingeladen, deren Hilfe jetzt schnell gebraucht wird, um das Bad zu Saisonbeginn wieder öffnen zu können.

Ein Profi für Fliesenarbeiten war ebenso vor Ort wie ein Spezialist für die Bereiche Gas, Wasser und Sanitäranlagen sowie nicht zuletzt natürlich ein Bauingenieur und Badleiter Ralf Weingarten. Mit dem Vorstand des Fördervereins war auch Ursula Kastner gekommen, die künftige Geschäftsführerin der noch zu gründenden gemeinnützigen GmbH. „Wir sind gut aufgestellt“, befand Laury Hubert, einer der drei Initiatoren der Wiedereröffnung dieses Freibads. „Wir verstehen uns alle gut. Es macht einfach Spaß.“

Alle gemeinsam machten sich auf den Weg zu einem ersten Rundgang durch die Anlage, deren Mittelpunkt noch eher als Fischteich anmutete, in dessen Grün sich der Sprungturm herrlich spiegelte. „Allein für die alten Bäume hat sich‘s eigentlich schon gelohnt“, erklärte Hubert mit einem Blick über die Liegewiesen.

Nach dieser ersten Bestandsaufnahme hat der Vorstand des Fördervereins noch am selben Tag sieben Arbeitsgruppen eingerichtet, die mit den Arbeiten zur Instandsetzung betraut werden. Dabei stehen Reinigungs- und Malerarbeiten ebenso im Fokus wie die Arbeiten an den Sanitär- und in den Grünanlagen, an Sprungturm und Kinderbecken, am Schwimmbecken und an den technischen Anlagen sowie für die Gastronomie.

Wo es erforderlich sei, würden die Arbeitsgruppen von Spezialisten koordiniert, so der Vorstand. Unterstützung hat der Verein da von Bauingenieuren und diversen Handwerkern ebenso wie von Hauswirtschafterinnen.

Am heutigen Dienstag stehen jetzt die Vertragsverhandlungen zur Nutzung des gesamten Freibadgeländes mit dem Geschäftsführer der Stadtwerke GmbH, Jakob Gerards, auf dem Programm. Dabei wird es natürlich auch darum gehen, von der Stadt die notwendigen Zuschüsse zu erhalten, die sich nach den Berechnungen des Fördervereins ohne Rückstellungen und Abschreibungen für dieses Jahr auf rund 94 000 Euro belaufen. Zudem soll mit der Stadtwerke GmbH ein Arbeitnehmerüberlassungsvertrag für das Aufsichtspersonal geschlossen werden, da das Hallenbad bei Öffnung des Freibads in den Sommermonaten nicht in Betrieb sein wird.

Dabei rechnet der Verein mit Erlösen in Höhe von knapp 82.000 Euro, rund 53.000 Euro davon Eintrittsgelder, der Rest Erlöse aus Gastronomie, Vereinsbeiträgen und Sponsorengeldern. Dieser Summe gegenüber stehen die Kosten in Höhe von rund 176.000 Euro. Darin enthalten sind Instandsetzungskosten in Höhe von 61.000 Euro. Größter Posten sind die laufenden Kosten für Energie, Wasser und Abwasser in Höhe von rund 90.000 Euro.

Das Freibad verfügt über ein großes Sportbecken mit einer Wasserfläche von knapp 1300 Quadratmetern und acht Bahnen à 50 Meter Länge, dazu einen Sprungturm mit Sprunganlagen bis zu fünf Metern Höhe. Hinzu kommt ein Kinderbecken mit einer Wasserfläche von rund 200 Quadratmetern. Der hier bereits vorhandene Kinderspielplatz soll künftig erweitert und mit Sitzgelegenheiten für Eltern ausgestattet werden.

In den Grünanlagen soll ein Sport- und Kletterpark entstehen. Zudem soll der Bereich für die Gastronomie erweitert und deren Attraktivität gesteigert werden. Auch Ideen für zusätzliche Aktivitäten auf dem Gelände hat der Verein schon gesammelt. So soll es zusätzliche Sportangebote wie zum Beispiel Wassergymnastik geben. Kino-, Zelt- oder Picknick-Veranstaltungen könnte es ebenfalls schon bald geben.

Was die Eintrittspreise betrifft, soll die Tageskarte künftig vier Euro (ermäßigt zwei Euro) Kosten. Der ermäßigte Preis soll für alle Besucher für die letzten beiden Stunden vor Badeschluss gelten. Die Saisonkarte soll 80 Euro (35 Euro) kosten bzw. 75 Euro (30 Euro) für Vereinsmitglieder. Schließlich soll es noch eine Zehnerkarte geben für 35 Euro (15 Euro). Geöffnet sein soll das Bad wie bisher rund 75 Stunden in der Woche, allerdings flexibler. So soll das Bad bei schlechtem Wetter geschlossen bleiben, dafür aber bei gutem Wetter abends länger offen sein.

„Wir akzeptieren, dass Kirchhoven das Freibad bekommt“, hatte Josef Füßer von IG 2020 in Oberbruch schon vor der Entscheidung der Gesellschafterversammlung der Stadtwerke GmbH erklärt. „Ich erwarte allerdings vom Eigentümer des Bades eine schriftliche Begründung, warum die Entscheidung für Kirchhoven gefallen ist.“

„Wir werden da von uns aus keine Initiative ergreifen“, erklärte dazu Jakob Gerards für die Stadtwerke GmbH auf Nachfrage unserer Zeitung. Wenn es eine Begründung gebe, dann könne diese nur aus der Politik kommen. „Ich gehe davon aus, dass sich die Mehrheitsfraktion dazu äußern muss.“

Und genau das hat sie nun auch getan. „Beide Konzepte — beide Bäder — haben aus unserer Sicht Punkte, die für den Erhalt des jeweiligen Bades sprechen. Leider kann der Weiterbetrieb allerdings nur einem Bad zugestanden werden“, erklärte CDU-Fraktionsvorsitzender Norbert Krichel am Montag gegenüber unserer Zeitung.

„Nach kontroverser Diskussion innerhalb der CDU-Fraktion erfolgte schließlich die Abstimmung. Wir haben uns mehrheitlich für den Erhalt des Freibades in Kirchhoven ausgesprochen.“ Und welche Gründe führt die Fraktion an?

„Ein entscheidender Faktor ist die Betriebsform“, sagt Krichel. „Das Kirchhovener Freibad soll in Form einer gemeinnützigen Gesellschaft, einer gGmbH, in vollständiger Eigenregie betrieben werden. In Oberbruch hätte die Verantwortung des Geschäftsbetriebes nach wie vor bei den Stadtwerken gelegen, die durch ehrenamtliche Helfer unterstützt worden wären.“

Ein weiterer Aspekt sei, dass „die umfängliche Instandsetzung des Freibades in Kirchhoven durch örtliche Fachfirmen begleitet wird und durch schlüssige Konzepte, zum Beispiel ein mehrjähriger kostengünstiger Energiebezug, dargelegt ist. In Oberbruch wäre dies nach wie vor Aufgabe der Stadtwerke.“ Die Rückzahlung von Fördermitteln in Höhe von etwa 170.000 Euro entfalle beim Weiterbetrieb des Kirchhovener Freibades.

Außerdem: „Das Kirchhovener Konzept ist auf eine Mindestlaufzeit von drei Jahren ausgelegt, dagegen wird beim Konzept der IG IG Wurmbad zunächst von einem Probejahr gesprochen.“