Heinsberg/Aachen: Frauenrath baut Neubau für das Cluster Medizintechnik

Heinsberg/Aachen: Frauenrath baut Neubau für das Cluster Medizintechnik

Die Freude ist Gereon Frauenrath deutlich anzumerken. „Wir sind alle stolz und freuen uns wahnsinnig“, sagt der Geschäftsführende Gesellschafter der A. Frauenrath Bauconcept GmbH, Teil der Heinsberger Unternehmensgruppe Frauenrath. Am Dienstag hat das Unternehmen den Zuschlag bekommen, ein herausragendes Bauprojekt auf dem RWTH Aachen Campus zu relaisieren. Es handelt sich um das dritte Gebäude des Clusters Medizintechnik, das erste von einem privaten Investor finanzierte.

„Grandiose Einflugschneise“

Auf dem Campus arbeiten RWTH, Stadt und Investoren Hand in Hand Foto: Steindl

Es ist ein buchstäblich herausragender Bau. Auf einem künstlichen Plateau ragt ein Kubus von sieben Stockwerken in den Himmel, die lichte Struktur mit der Edelstahlhaut erinnerte bei der offiziellen Präsentation nicht nur Campus-Geschäftsführer Günther Schuh an das Pariser Hochhausensemble „La Défense“. Er sprach von einer „grandiosen Einflugschneise“ für den Campus, denn an dessen nördlichem Ende wird der Kubus errichtet.

Er soll damit zu einer Art Tor zur Forschungslandschaft werden. Unter den fünf Entwürfen, die nach einer Vorauswahl näher betrachtet wurden, konnten sich die Heinsberger mit dem Entwurf des Düsseldorfer Architekturbüros sop durchsetzen. „Es wird der fulminanten Bedeutung des Themas Medizintechnik gerecht“, sagte Schuh.

Im Jahr 2011 hatte Frauenrath die Bewerbung für das Projekt abgegeben. Seit 2013 steckten 20 Mitarbeiter rund 17 Monate lang Kreativität und Knowhow in die Entwürfe, die stetig weiterentwickelt wurden — mit Erfolg. Frauenrath ging als Sieger aus dem europaweiten Auswahlverfahren hervor. „Man muss ich in die Abläufe und in die Nutzer hineinversetzen“, erklärt Gereon Frauenrath.

Von Anfang an hieß die interne Leitidee, ein „Tor in die Welt der Biomedizintechnik“ zu kreieren. Innovativ, einladend und kommunikativ sollte das Gebäude werden, erzählt Frauenrath. Seitdem die Heinsberger die Erschließung auf dem Campus-Gelände übernommen hatten, bestanden intensive Kontakte zu den Machern des einmaligen Projektes am Forschungsstandort Aachen. „Uns fasziniert die Idee des Campus. Das ist ein Projekt, dessen Strahlkraft weit über Aachen hinausgeht“, sagt Frauenrath.

Der Frauenrath-Kubus ist das dritte Gebäude im Cluster Medizintechnik. Der Baubeginn ist für Ende 2015 oder Anfang 2016 geplant, im Frühjahr 2017 soll alles fertig sein. Investiert werden 19,5 Millionen Euro, die Campus GmbH hat mit Frauenrath einen Mietvertrag über 20 Jahre abgeschlossen. Entstehen wird das LWG, das Lehr- und Weiterbildungsgebäude der Medizinischen Fakultät der RWTH Aachen. „Der Campus läuft und läuft und läuft — und er ist nicht mehr aufzuhalten. Das war so nur von den größten Optimisten vorherzusehen“, kommentierte Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp die Fortschritte — an allen Ecken und Enden des Campus laufen aktuell Bauarbeiten.

Das LWG wird eine Art Lernkrankenhaus sein, in dem Studenten wie Professoren gleichermaßen aus- und weitergebildet werden. Das Lehrkonzept an der RWTH wird europaweit gerühmt, allerdings verteilte sich die Ausbildung bislang auf eine ganze Reihe von Standorten. Das LWG ergibt also Sinn. Auf 6500 Quadratmetern ist ausreichend Raum für ein Trainingszentrum mit Demonstrations-Operationssaal, einen Saal für bis zu 400 Personen und jede Menge Lernräume — die sich um ein luftiges Atrium gruppieren. Bis zu 1200 Leute finden gleichzeitig Platz. „Dieses Gebäude ist ein Riesenschritt nach vorne“, erklärt Thomas Schmitz-Rode, Leiter des Clusters und Direktor des Instituts für Angewandte Medizintechnik.

Die von Frauenrath ins Boot geholten sop-Architekten um Geschäftsführer Wolfgang Marcour packen alles unter eine metallisch glänzende Haut — aus Edelstahl. Viel Glas sorgt für Transparenz. „Es wird ein selbstbewusstes, starkes Gebäude“, verspricht Marcour, dessen Düsseldorfer Büro unter anderem die Düsseldorfer Esprit-Arena und das Eon-Hochhaus in Essen geplant hat.

Tatsächlich wurde der Wettbewerb für das LWG bereits im Juni 2011 eröffnet. Die Campus-Verantwortlichen wie auch die Investoren, die mitmischen wollten, mussten also langen Atem beweisen. Für Gereon Frauenrath und sein Unternehmen haben sich das Warten und die Arbeit gelohnt. Ob weitere Projekte folgen? Günther Schuh verspricht: „Auf dem Campus gibt es noch viel zu bauen.“